KRIFTEL – „Das ist wirklich eine große Sauerei“, ärgert sich der Erste Beigeordnete Franz Jirasek. Am Freitag, 19.43 Uhr, war die Freiwillige Feuerwehr Kriftel mit dem Stichwort „Unfall mit Chemikalien“ in den Freizeitpark gerufen worden. Vermutlich mit einer Eisenstange war dort ein Loch in ein 200-Liter-Fass, gefüllt mit flüssigem Polytan, geschlagen und das Fass umgekippt worden, so dass der komplette Inhalt in den Kanal zu laufen drohte. Zunächst war unklar, wie gefährlich die enthaltenen Stoffe sind.

Foto: Gemeinde Kriftel

Etwa 30 Fässer hatte die von der Gemeinde beauftragte Baufirma neben dem Kleinspielfeld im Park gelagert. Am Vortag sollte dort der neue Kunststoffboden – eine Beschichtung aus Kautschuk-Granulaten auf einer Basisschicht aus Gummigranulaten und Polyurethan-Bindemittel – aufgebracht werden. Aufgrund des Regens in der Nacht hatte diese Arbeit jedoch kurzfristig verschoben werden müssen.

Die Feuerwehr informierte den Ersten Beigeordneten, der gemeinsam mit den Wehrleuten  sofort alle Hebel in Bewegung setzte, um beim Hersteller des Materials und der Baufirma nähere Informationen über die auslaufende Flüssigkeit zu erhalten. Auch die Kameraden der Gefahrstoffmessgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Eschborn und der Fachberater Gefahrstoff wurden alarmiert. Die Krifteler Wehrleute konnten den Kanaleinlauf rechtzeitig mit einem Wall sichern. Das Fass wurde aufgerichtet und versucht, die Flüssigkeit Bindemittel zu verfestigen. Das gelang nicht.

Aufmerksamer Bürger – Glück im Unglück
„Der Ortstermin am kommenden Morgen zeigte aber, dass die Flüssigkeit aufgeschäumt war und einen festen elastischen Belag gebildet hatte“, so der Erste Beigeordnete, der heilfroh ist, dass ein aufmerksamer Bürger umgehend Feuerwehr und Polizei gerufen hatte. „Glücklicherweise hat sich der Schaden dank der schnellen Reaktion der Wehr in Grenzen gehalten“, so Jirasek. Außerdem war der enthaltene Stoff harmloser, als zunächst gedacht. Dennoch hat die Gemeinde Strafanzeige erstattet.

„Diejenigen, die so etwas für einen großen Spaß halten, sind sich nicht bewusst, was ihre Tat für Folgen hätte haben können – je nach Chemikalie hätte es zu Vergiftungen von Menschen, Natur und Wasser kommen können, auch eine Beeinträchtigung der Kläranlage oder gar einer Verpuffung hätte eine Folge sein können.“ Die Gefahrensymbole auf den Fässern haben die Täter nicht abgehalten. „Wahrscheinlich weiß kaum einer, was sie bedeuten“, so Franz Jirasek.

Weg und Baustoffe wurden zunächst abgesperrt und gesichert. Die Baufirma hat am Montag die gehärtete Flüssigkeit entsorgt.

Tina Schehler