RÜSSELSHEIM – Neun Menschen haben sich in Rüsselsheim am Main mit einer Schulung als so genannte Pflegelotsinnen oder Pflegelotsen qualifiziert. Ab dem 1. Dezember 2020 starten sie offiziell mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und werden dann pflegebedürftigen Migrantinnen und Migranten sowie deren Angehörigen Informationen über das Pflegesystem vermitteln. Oberbürgermeister Udo Bausch hat ihnen nun im Rahmen der Abschlussveranstaltung der Schulung ihre Zertifikate übergeben. „Migrantinnen und Migranten nutzen seltener Leistungen, die ihnen gesetzlich zustehen, wie professionelle Unterstützung durch Dienste und Einrichtungen der Altenhilfe. Gründe hierfür sind unter anderem Sprachprobleme, die Komplexität des deutschen Pflegehilfesystems sowie Vorbehalte gegenüber Pflegeinstitutionen. Dieses niedrigschwellige Modellprojekt hilft uns, die Versorgungssituation von Pflegebedürftigen zu verbessern und gleichzeitig die interkulturelle Öffnung der Pflege voranzubringen. Denn so können mögliche sprachliche, kulturelle oder institutionelle Barrieren sowie Informationsdefizite abgebaut werden. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, Freiwillige für dieses Engagement zu begeistern, die jetzt ihr erworbenes Wissen weitergeben können und als Wegweiser zu Beratungsstellen und anderen Einrichtungen des professionellen Hilfenetzwerks Orientierung geben werden“, sagte der Rathauschef.

Als Pflegelotsinnen haben sich qualifiziert Bahia Bakkali, Hayat Djebili, Manal El Bakkali, Samira Hammoudi, Rahima Ibrahim Khel, Mariam Jabarkhil und Zarguna Maywand. Zudem haben sich Adem Akpinar und Alaettin Memis als Pflegelosten ausbilden lassen. Die neun Freiwilligen sprechen insgesamt sieben verschiedene Sprachen: Türkisch, Arabisch, Französisch, Englisch, Berberisch, Persisch und Paschtu. Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch dankt ihnen für ihren Einsatz: „Ich freue mich sehr, dass die Pflegelotsinnen und Pflegelosen die breite und vielfältige Ehrenamtslandschaft in Rüsselsheim bereichern werden und jetzt zur großen Rüsselsheimer Ehrenamtsfamilie gehören. Wir werden als Stadtverwaltung alle erforderlichen Instrumente und Möglichkeiten zur Verfügung stellen, um sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen und dieses Projekt nachhaltig zu gestalten.“ Ab Dezember nehmen die interkulturellen Pflegelotsinnen und Pflegelotsen offiziell ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Haus der Senioren auf. Ab dann können sich Hilfesuchende per E-Mail oder Telefon mit ihnen in Verbindung setzen. Eine feste Sprechzeit wird noch gemeinsam mit den Ehrenamtlichen konzipiert und von der Stadt bekanntgegeben.

„Interkulturelle Care-Guides“ oder „Interkulturelle Pflegelotsinnen und Pflegelosen“ wird als Modellprojekt vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und den Pflegekassen in Hessen gefördert. Der Frankfurter Verein berami, berufliche Integration e.V. und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. sind als Projektträger damit beauftragt, diese Maßnahme umzusetzen. Neben Rüsselsheim beteiligen sich auch Frankfurt, Offenbach und Marburg an der Qualifizierung von Pflegelotsinnen und Pflegelotsen. Das Interkulturelle Büro und der Bereich Senioren zeigen sich gemeinsam für eine nachhaltige Umsetzung und Weiterentwicklung des Projektes in Rüsselsheim wie auch für die Begleitung und Weiterqualifizierung der Pflegelotsinnen und Pflegelotsen verantwortlich. Das Projekt wird im Rahmen der in Rüsselsheim im Jahr 2013 angestoßenen Vernetzung beider Bereiche zum Themenschwerpunkt „Altwerden in der Migration“ realisiert.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Fachbereich Zentrales