KRIFTEL – Hans-Karl Post kann auf eine ganze Reihe von (fotografischen) Ereignissen und Erlebnissen zurückblicken. Er gehört mit Gerhard Jaeger und Werner Mitsch zu den Gründungsmitgliedern des Krifteler Foto- und Filmclubs Kriftel (FFC) und war mehr als 25 Jahre lang Vorsitzender des Vereins. Als leidenschaftlicher Filmer installierte er mit Erfolg eine Videofilmgruppe im Verein und erfreute mit vielen Filmen das Krifteler Publikum in der Schwarzbachhalle. Allein 12 abendfüllende Kriftel-Filme hat er in den letzten 40 Jahren erstellt.

Übergabe der Krifteler Filme an die Gemeinde – Foto: Gemeinde Kriftel

Sein „filmisches Erbe“ übergab er jetzt Bürgermeister Christian Seitz für das Gemeinde-Archiv. „Schön wäre es natürlich, wenn die Filme interessierten Bürgern zur Verfügung gestellt werden könnten“, so Post (86), der sich seit einiger Zeit altersbedingt aus der Filmerei zurückgezogen hat. Seitz, ebenfalls Clubmitglied, dankte ihm herzlich für die Übergabe der „einzigartigen Dokumentationen der Krifteler Ortsgeschichte“ und versprach, sich über die Möglichkeiten eines Verleihs oder einer Veröffentlichung Gedanken zu machen. Datenschutzrechtliche Aspekte müssten da berücksichtigt werden.

Zum offiziellen Übergabe-Termin im Rathaus hatte Post seinen langjährigen FFC-Kollegen Klaus Petri mitgebracht, dem er viel zu verdanken habe. „Er hat mir in allen technischen Dingen zur Seite gestanden und die Videofilmgruppe mit aufgebaut“, betonte Hans-Karl Post. Um sich einen Eindruck von seinem Werk zu machen, schauten die Filmer gemeinsam mit Bürgermeister Seitz und dem stellvertretenden Leiter des Fachbereichs Jugend, Soziales, Kultur, Pasquale Fiore, in einen der Kriftel-Filme hinein: In diesem hat Post Ausschnitte all seiner Filme zusammengestellt. Immer wieder fielen Seitz und Fiore bekannte Gesichter ins Auge. „Einfach klasse“, waren sich beide einig. „Ich habe sicher über 1000 Krifteler in all den Jahren filmisch abgebildet. Viele waren damals noch Kinder, heute treffe ich sie als Erwachsene wieder“, so Post.

Legendäres Gespräch mit Hosse Schorsch
Themen seiner Kriftel-Filme waren die Natur und die Tierwelt in Kriftel im Wechsel der Jahreszeiten und vor allem auch das gesellschaftliche Leben: die Feste in der Obstbaugemeinde, die Begründung der Partnerschaft mit Airaines, die gegenseitigen Besuche der Partnerschaftsvereine, Karnevalsveranstaltungen, die Kerb, Auftritte des Gesangvereins, Konzerte in der Kirche St. Vitus, der Herbstmarkt in der Alten Hofreite oder die große 1200-Jahrfeier mit dem Auftritt von Kanzler Helmut Kohl in einem Festzelt. Aber auch das alltägliche Leben hat Post abgebildet, wie Kindergartenkinder beim Apfelsaft Keltern im Obstbetrieb, die Obstlese im Hochfeld oder das fast schon legendäre Gespräch zwischen zwei bekannten, alteingesessenen Kriftelern: Georg Hoss und Franz Leicht vor einer Pferdebox. Sie sprechen in tiefstem Hessisch über frühere Erlebnisse wie den Milchmann Jacobi mit dem Pferdefuhrwerk, die Bauern mit ihren Kuhgespannen, einen Flugzeugabsturz und die Entwicklung der Gemeinde „zum Positiven hin“.

1978 fing alles an
„Der evangelische Pfarrer Klaus Hoffmann hat im Sommer 1978 Hobbyfotografen sein evangelisches Gemeindehaus zur Verfügung gestellt. Ein Fotowettbewerb wurde ausgeschrieben und zahlreiche Teilnehmer aller Altersklassen fühlten sich angesprochen“, erinnert sich Hans-Karl Post. Im Oktober 1978 kam es zur Vereinsgründung, er war der erste Vorsitzende. Heute ist er Ehrenvorsitzender. 2007 erfüllte sich dann ein lang gehegter Traum für die Mitglieder: einen eigenen Clubraum zu haben. Seitdem nutzen die Mitglieder des FFC für Clubabende den Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr.

Hans-Karl Post interessierte sich schon früh für das Filmen und machte die ganze Entwicklung des Videofilms über das Schmalfilm-Format „Super 8“ bis zum digitalen Video mit. Bei der Firma Hoechst im Zentrum für Aus- und Weiterbildung im Bereich Fremdsprachen verantwortlich, brachte er auch dort die PR-Arbeit filmisch voran – und gewann sogar einmal die Deutschen Meisterschaften im Industriefilmen.

„Ich habe in aller Welt gefilmt, bei Reisen nach Amerika, Kanada, China oder Neuseeland. Auch die Natur und die Fliegerei waren meine Schwerpunkte“, so Post, der insgesamt über 40 Filme aus hunderten Stunden Rohmaterial professionell zusammengeschnitten, selbst vertont, mit Musik hinterlegt und immer wieder auch öffentlich vorgeführt hat, unter anderem unterstützt von einen beiden Söhnen. „Früher mussten hier die Filmabschnitte noch mit geeigneten Geräten geschnitten und geklebt werden. Für eine Stunde Film waren 15 Stunden Rohmaterial notwendig. Die Arbeit an einem Film hat Wochen gedauert“, erzählt er. Heute trage jeder ja mit seinem Handy eine kleine Filmkamera mit sich herum, das Videofilmen wie er es kenne und liebe, gebe es gar nicht mehr, bedauert er.

Weitere Leidenschaften: Kraniche und Fliegerei
Posts große Leidenschaft galt den Kranichen. Auf seinen Film „Faszination Kranich“ wird er noch heute angesprochen. Und der Fliegerei: „Ich habe 1988 Ramstein überlebt“, erzählt er im Rathaus. Bei der Flugschau waren Flugzeuge kollidiert und in die Zuschauermenge gestürzt, 70 Tote und über 100 Verletzte waren die Folge. „Ich war jedes Jahr bei dieser Show dabei. Im Jahr des schrecklichen Unfalls kam ich zu spät, da ich mich aufgrund von Nebel verfahren hatte und stand ausnahmsweise einmal am Rand. Hätte ich an meinem üblichen Stammplatz gestanden, hätte ich wohl nicht überlebt“, erinnert sich Post, der selbst Segelflugzeuge geflogen ist. Sehr beeindruckt hat ihn der Flug in einem Propellerflugzeug mit einem Buschpiloten, der in Kanada Holzfäller in ihren Lagern versorgte. Auch dieses Erlebnis hat er filmisch festgehalten. Das große Thema Kriftel – dass ihn nicht weniger begeisterte – kam mit dem eigenen Hausbau in der Obstbaugemeinde im Jahr 1971 dazu.

Tina Schehler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit