RÜSSELSHEIM – Es war ein fast schon geheimnisvoller Zufallsfund, den Conny Zeitler in diesem Winter im Verna-Park machte: Ein gehäkelter Mund-Nasen-Schutz, drapiert wie ein Stück Weihnachtsschmuck an einem Nadelbaum. „Das haben wir umgehend in die Sammlung aufgenommen“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Stadt- und Industriemuseums der Stadt Rüsselsheim am Main. Denn derzeit forscht die Kulturwissenschaftlerin zum Themenkomplex Corona und bereitet eine Sonderausstellung vor.

Erinnerungen an Corona? Das Thema ist doch hoch aktuell und treibt die Menschen in Stadt und Region täglich um. Aber das Team des Museums in der Festung denkt eben heute schon an die Zukunft: Wenn die Stadtgesellschaft Antworten auf Fragen suchen wird wie beispielsweise „auf welche Weise hat sich damals unser beruflicher Alltag verändert?“ Genau das soll eine Ausstellung beleuchten, die den Titel „Corona im Rückspiegel. Arbeitsalltag in der Krise“ trägt und für Herbst 2021 auf dem Programm steht.

Wichtig für Conny Zeitler und das ganze Museumsteam ist es, dass die Menschen in Rüsselsheim vielfältig in die Dokumentation einbezogen werden. Das geschieht, erklärt die Kulturwissenschaftlerin, insbesondere mit Filminterviews, durch künstlerische Fotoporträts von Frank Möllenberg an prägenden Orten sowie schließlich über die sogenannte „sachkulturelle Ebene“ – also Gegenstände für die Sammlung des Museums.

Zu den Sammlungsstücken gehört ein Hygiene-Hinweisschild ebenso wie ein „Rind-Retter“-T-Shirt, sie reichen vom selbstgemalten Plakat bis zur schon erwähnten Häkelmaske ohne erkennbares Schutzpotenzial. Wichtig für die wissenschaftliche Mitarbeiterin ist es, die einzelnen Gegenstände mit ihrer Geschichte verbinden zu können. „Uns war es von Beginn an wichtig, dass wir nicht nur diese Objekte zusammentragen, sondern sie in den Zusammenhang der Zeit bringen und so ein in sich schlüssiges Paket für die Sammlung schaffen“, erklärt Zeitler. Zur Recherche gehörte auch der Austausch mit Opel, um die Auswirkungen von Corona auf den beruflichen Alltag beim größten Arbeitgeber in Rüsselsheim zu erfassen.

Die Schwerpunkte des Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseums passen optimal zum Fokus, den die in Oberfranken geborene und aufgewachsene Wissenschaftlerin bisher in ihrer Laufbahn gesetzt hat. Nach dem Studium der empirischen Kulturwissenschaft, Soziologie und Neueren Deutschen Literatur in München und Tübingen absolvierte sie ihr wissenschaftliches Volontariat im Freilichtmuseum Hessenpark. „Aus dieser Zeit kannte ich das Haus in Rüsselsheim bereits, denn als Volontärin schaut man sich natürlich die Museumslandschaft in der Region genau an“, sagt Zeitler. Die nächste Station der heute 40 Jahre alten Museumsfachfrau war das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden im Weimarer Land.

An ihren Aufgaben im Stadt- und Industriemuseum schätzt Zeitler auch deren Vielfalt, erzählt sie im Gespräch: Sei es die Mitarbeit am Relaunch der Webseite im Sommer 2020, das Erstellen des Newsletters oder die Betreuung der Aufnahmen für eine Videoführung, die von einer Gebärdendolmetscherin erläutert wird. „Es passierte im Corona-Jahr 2020 noch mehr als sonst im digitalen Raum“, fasst die Kulturwissenschaftlerin zusammen, „und diese Erfahrungen werden unsere Arbeit auch in Zukunft prägen“ – da schließt sich der Kreis zum aktuellen Forschungsprojekt.

„Digitale Inhalte werden aber nie den Besuch im Museum ersetzen, keine klassische Führung im Austausch mit den Teilnehmenden ablösen“, ist sich Conny Zeitler sicher. Umso mehr freut sie sich darauf, wenn nach den Corona-Zeiten solche Führungen auch im Stadt- und Industriemuseum wieder möglich sein werden. Genug zu entdecken gibt es dabei immer: Beispielsweise die neuen Inhalte in der überarbeiteten Dauerausstellung zu den 1970er- und 80er-Jahren.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main