FLÖRSHEIM – „Jetzt möchte ich kein Biber sein“, stellte der 15-jährige Arian leicht fröstelnd fest. Gemeinsam mit dem Weilbacher BUND-Aktiven Bernd Zürn stand er am vergangenen Samstag am Mainufer zwi-schen Keramag und Hochheim. Dort schauten sie sich die frischen Fraßspuren eines Bibers an. Ent- deckt hatte sie Volker Könen aus Hochheim. Knapp einen Meter von der Wasserlinie entfernt lag ein junger Baum. Gefällt wurde er von einem Biber. Beweis dafür waren die kegelförmigen Nage-spuren in rund 30 Zentimetern Höhe.

Der bei uns vorkommende europäische Biber ist ein reiner Pflanzenfresser. Er lebt an und im Wasser. Auch in der kalten Jahreszeit, denn er hält keinen Winterschlaf. Sein extrem dichtes Fell schützt ihn vor Nässe und Kälte. Wegen dieses Felles wurde er früher bejagt und fast ausgerottet. Seit Oktober 2016 ist er in unsere Region zurück gekehrt. An der Nidda im Bereich Sossenheim, am Schwarzbach bei Okriftel sowie in Eddersheim – dort besonders auf der Schleuseninsel – findet man seine unverkennbaren Spuren. Bernd Zürn, der diese Entwicklung seither verfolgt, glaubt, dass das größte europäische Nagetier niddaabwärts gewandert ist und jetzt auch den Untermain besiedelt.

Biber sind dämmerungs- und nachtaktiv und deshalb kaum zu sehen. Hilfreich sind sogenannte Wildtierkameras. Die werden dort installiert, wo Biber vermutet werden.

Biber werden 10 bis 12 Jahre alt. Sie sind ihr Leben lang partnertreu. Im Mai kommen die Jungen zur Welt, meistens 3 – 4 Stück. In der elterlichen Wohnung, der sogenannten Biberburg, bleiben sie bis zur Vollendung ihres zweiten Lebensjahres. Dadurch leben bis zu drei Generationen in einem Bau.

Natürliche Feinde wie Wölfe und Bären muss ein erwachsener Biber bei uns nicht fürchten. Für Jungtiere gefährlich sind freilaufende Hunde oder starke Wasserströmungen. Rund 70 Prozent erleben ihre Geschlechtsreife nicht.

Bernd Zürn