RÜSSELSHEIM – „Das Archiv trägt Ihre Handschrift“ dankte Oberbürgermeister Udo Bausch jetzt Stadtarchivarin Gudrun Senska zu ihrem Eintritt in den Ruhestand. Die Historikerin und Politikwissenschaftlerin hat seit 1985 bei der Stadt Rüsselsheim am Main gearbeitet, seit 2008 ist sie Leiterin des Stadtarchivs und seit 2011 zudem stellvertretende Museumsleiterin gewesen.

„Ein tolles Team – gerade auch in Zusammenarbeit mit dem Museum und für die Stadtgeschichte wichtige Forschungsprojekte“ hob Gudrun Senska im Rückblick auf ihre Tätigkeit als Höhepunkte hervor. Unter anderem die historische Aufarbeitung von Zwangsarbeit und den Rüsselsheimer Lynchmorden hätten langfristige Spuren hinterlassen im Umgang der Stadtgesellschaft mit ihrer Geschichte.

Das Rüsselsheimer Stadtarchiv ist im Jahr 2013 mit dem hessischen Archivpreis ausgezeichnet worden. Damit wurde auch der Einsatz von Gudrun Senska gewürdigt, einen umfangreichen Sammlungsbestand mit klarer Perspektive durch zusätzliche Bestände zu erweitern und alles in einem umfassenden Kontext zu erschließen. Zu den Beständen gehören Akten der Verwaltung, Fotografien, Plakate, Flugschriften, Zeitungen ebenso wie private Aufzeichnungen. Ein Schwerpunkt ist auch das Sportarchiv, sagte Frau Senska im Gespräch mit dem Oberbürgermeister: So hat das Stadtarchiv beispielsweise im Januar 2021 die historischen Bestände des Radfahrer-Vereins Opel 1888 Rüsselsheim e.V. übernommen.

Oberbürgermeister Bausch hob die Bedeutung eines starken Stadtarchivs für eine Kommune hervor: „Stadtgeschichte lebt! Und diese Lebendigkeit muss nicht nur bewahrt, sondern auch zugänglich gemacht werden. Das gilt für die Verwaltung genauso wie zum Beispiel die Arbeit von Sportvereinen“. Das Stadtarchiv von Rüsselsheim am Main dokumentiere auf diese Weise den faszinierenden Wandel zur Industriestadt und weiter zu einer modernen und vielfältigen Kommune, sagte der Verwaltungschef.

„Mit Gudrun Senska geht sozusagen das personifizierte Gedächtnis der Stadt in den Ruhestand“, würdigte Bürgermeister Dennis Grieser die Verdienste der Stadtarchivarin. „Welche vermeintliche Anekdote aus der Rüsselsheimer Vergangenheit man auch immer an Frau Senska herantrug – mit ihrem schier unerschöpflichen Wissen um die Stadtgeschichte war es ihr möglich, in Sekundenschnelle zwischen Mythos und Wahrheit zu unterscheiden“, sagte der Kulturdezernent der Stadt Rüsselsheim am Main.

Die Beziehung zu Rüsselsheim ist bereits in der Biografie von Gudrun Senska angelegt: Die gebürtige Rüsselsheimerin machte an der Max-Planck-Schule ihr Abitur. Bereits während des Studiums für das Gymnasiallehramt an der Technischen Universität Darmstadt arbeitete sie in der Stadtbücherei Rüsselsheim, ab 1977 begleitete sie zudem als freie pädagogische Mitarbeiterin des Deutschen Musikrates in Bonn das Bundesjugendorchester auf seinen Konzertreisen durch Europa. 1985 begann Frau Senska ihre Tätigkeit zunächst beim Museum der Stadt Rüsselsheim, 1987 wechselte sie ins Stadtarchiv.

„Wir lassen Sie nur ungern gehen“, betonte Oberbürgermeister Bausch die Leistungen der Archivarin für die Aufarbeitung der Stadtgeschichte. Da hatte Gudrun Senska eine gute Nachricht für den Verwaltungschef bereit: Denn sie verlässt Rüsselsheim nicht auf einen Schlag. In den kommenden Monaten wird sie sowohl an einer neuen Ausstellung des Museums mitarbeiten, als auch die Koordination eines neuen Katalogs übernehmen. Sonst freut sich die in Rheinhessen lebende Historikerin auf Reisen, auf die Gartenarbeit und darauf „mich an den Schreibtisch setzen und forschen zu können“.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Fachbereich Zentrales