HOFHEIM – Der Main-Taunus-Kreis unterstützt eine Aufklärungskampagne des Präventionsrates gegen Betrügereien in der Corona-Pandemie. Landrat Michael Cyriax zufolge nutzten Betrüger in einzelnen Fällen auch im MTK Sorgen und Ängste von Bürgern aus, vor allem bei Senioren. Wie die Geschäftsführer des Kreis-Präventionsrates Peter Nicolay und Jürgen Moog berichten, wurden gemeinsam mit der Polizei Plakate und Flyer entwickelt, die nun im Kreis verteilt werden. „Neben den medizinischen Aspekten ist diese Kampagne gewissermaßen eine weitere Facette der Pandemie-Bekämpfung“, so Cyriax.

Moog und Nicolay schildern ein Beispiel für einen Betrug im Fahrwasser von Corona: Ein älteres Ehepaar wurde von einem angeblichen Mitarbeiter des Impfzentrums angerufen, er versprach einen schnelleren Impftermin, brauchte aber dafür eine Ausweiskopie und die Impfnummer. Der Betrüger gab sich hilfsbereit und bot an, bei der Bearbeitung mit dem Computer zu unterstützen. Da das Ehepaar schon lange auf einen Impftermin gewartet hatte, ließ es sich überreden, ein Programm herunterzuladen, mit dem der Mann Zugriff auf ihren Computer erhielt. Die Senioren wurden misstrauisch, als verlangt wurde, die Software für die Geldüberweisung zu starten. Gerade noch rechtzeitig brachen sie das Telefongespräch und die Computerverbindung ab.

Dem Präventionsrat zufolge laufen Betrügereien auch an der Haustür und im Internet. Zu den Maschen zählen Varianten des „Enkeltricks“, falsche Polizisten und falsche Gewinnversprechen. Betrüger locken mit Corona-Soforthilfen, nutzen Phishing-Mails mit Spendenaufrufen und drohen sogar mit Coronavirus-Infektion, um Familien zu erpressen und zu bedrohen.

„Wir müssen gerade unsere Seniorinnen und Senioren vor solchen Betrügereien warnen“, so Cyriax. Die Kampagne sei nicht nur ein Beitrag zur Sicherheit im Kreis, sondern sie zeige auch, wie wichtig es sei, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und akute Gefahren aufmerksam zu machen.

Der ehemalige Polizeidirektor Moog hob die Unterstützung der Polizei bei der Konzeption der Kampagne hervor. Wie er und Nicolay erläutern, werden die Informationsmaterialien über die kommunalen Seniorenberaterinnen und -berater an Orten verteilt, die häufig von älteren Menschen aufgesucht werden, etwa Banken, Arztpraxen, und Postfilialen.

In den Kommunen sind derzeit 112 Seniorenberater ihnen aktiv. Während des Lockdowns haben sie, die größtenteils selbst Senioren sind, ihre Beratungen einschränken müssen. Trotzdem führten sie im vergangenen Jahr insgesamt 3500 Gespräche, berieten in 4000 Fällen und informierten bei fast 100 Vorträgen und Infoständen über Sicherheitsfragen.

Cyriax hob das ehrenamtliche Engagement der Berater hervor. Das sei besonders wichtig in der Corona-Pandemie, in der Senioren das Opfer von Betrügereien werden könnten: „Wenn es am Telefon oder an der Tür klingelt oder auch im Internet, kann gesundes Misstrauen Schaden verhüten.“

Dr. Johannes Latsch
Hofheim