RÜSSELSHEIM – Mit einem innovativen Konzept will die Stadt Rüsselsheim am Main obdachlos gewordenen Familien mit Kindern helfen. Für das Projekt „Housing First“ (zuerst eine Wohnung) werden jetzt in Kürze die Rahmenverträge zwischen Stadt, der gewobau und dem Diakonischen Werk unterzeichnet. „Ziel ist, im Fall von Obdachlosigkeit so schnell es geht eine Reintegration in regulären Wohnraum schaffen. Gerade Familien sollen so schnell es geht in Wohnungen untergebracht werden“, erklärt Bürgermeister Dennis Grieser.

Der innovative Ansatz stammt ursprünglich aus den USA und wurde in der amerikanischen Sozialpolitik entwickelt. „Die Idee hinter dem Konzept ist es, Obdachlosigkeit durch eine direkte Versorgung mit eigenem Wohnraum zu beenden, ohne, dass die Menschen im Vorfeld Bedingungen zu erfüllen haben“, sagt Grieser. Die größte Herausforderung bei der erfolgreichen Umsetzung sieht Rüsselsheims Sozialdezernent in der Beschaffung geeigneten Wohnraums in Zeiten angespannter Wohnungsmärkte. Aus diesem Grund kooperieren die städtische Wohnungsbaugesellschaft gewobau und die Stadt auf Grundlage des geschlossenen Rahmenvertrags im Sinne einer gemeinsamen sozialen Verantwortung für die Bekämpfung von Obdachlosigkeit.

Jährlich bis zu zwölf der frei werdenden öffentlich geförderten Wohnungen stellt die gewobau für die Obdachlosenbehörde zur Verfügung. Eine wesentliche Neuerung. Wer eine solche Wohnung bekommt, entscheidet die Obdachlosenbehörde nach verschiedenen Kriterien. Berücksichtigt werden dabei wie groß die Notlage ist, um vor allem Kinder mit der Gesamtsituation so wenig wie möglich zu belasten, und ob die Familien wohnfähig sind oder zunächst andere Unterstützung oder Hilfe benötigen. Doch nicht allein bei der Wohnungsfindung unterstützt die Stadt Rüsselsheim. Wohnungslos gewordene Familien wird in Zusammenarbeit mit der Diakonie eine sozialpädagogische Betreuung zur Seite gestellt.

Der Lösungsansatz „Housing First“ ist ein weiterer Baustein in der Neuausrichtung der Obdachlosenbetreuung der Stadt Rüsselsheim am Main. Andere Elemente richten sich an wohnungslose Einzelpersonen, die in einem begleiteten, abgestuften Prozess erst wieder an normales Wohnen und die Wohnfähigkeit herangeführt werden. Die Personalkapazität in der sozialen Arbeit der Obdachlosenbehörde wurde daher im Jahr 2020 auf zwei Vollzeitstellen erweitert. Menschen, die freiwillig auf der Straße leben oder den Weg in das Hilfesystem noch nicht gefunden haben, werden von der Straßensozialarbeit des Diakonischen Werks, finanziert von der Stadt Rüsselsheim, aufsuchend unterstützt. Zusammen mit der Wohnungsnotfallhilfeeinrichtung des Diakonischen Werks am Rugbyring 150, die Notübernachtungsplätze und einen Tagesaufenthalt für „Durchreisende“ sowie betreute Wohngruppen anbietet , und der Wohngruppe „Dock30“ in Groß-Gerau für junge Obdachlose, ist an alle Zielgruppen gedacht.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Fachbereich Zentrales