FLÖRSHEIM – „Hast du schon die beiden toten Störche gesehen?“, wurde Bernd Zürn innerhalb von nur zwei Tagen mehrfach gefragt. Der Weilbacher BUND-Aktive machte dann  tatsächlich am 31.03. an der ihm beschriebenen Stelle den unerfreulichen Fund: Unter einem sehr großen Strommast im Nord-osten der Gemarkung Hochheim lagen die sterblichen Überreste der einstmals so stolzen Tiere auf einem Acker. Gleichzeitig herrschte rund 35 Meter höher auf dem Mast reges Treiben. In zwei Storchennestern, den sogenannten Horsten, betrieb je ein Storchenpaar dort ihr Brutgeschäft und sorgte dadurch für neues Leben zwischen den Hochspannungsleitungen.

Typische Verbrennungsspuren an den Beinen eines Storches nach
seiner Berührung mit einer Hochspannungsleitung. – Foto: privat

Todesursache nicht feststellbar
Trotz sorgfältiger Untersuchung konnte Bernd Zürn die Todesursache der beiden Unglücksraben‘ nicht feststellen. Typische Verletzungen, wie sie bei einem Anprall gegen die Starkstromleitungen entstehen, waren ebenso wenig  zu erkennen wie Brandspuren als Folge von Stromschlägen. Rückschlüsse durch die Untersuchung des Mageninhaltes waren diesmal nicht möglich: Alle Innereien, einschließlich des gesamte Magen- und Darmtrakt, waren bereits von fleisch- und aasfressenden Tieren restlos verzehrt worden. Da beide Kadaver nicht beringt waren konnte Zürn auch nicht nachvollziehen, wann und wo die Tiere geschlüpft sind und was sonst noch über sie bekannt ist.

Diesjährige Storchenbilanz ist (noch) ermutigend
Im Bereich des westlichen Main-Taunus-Kreises und des Ostrandes von Wiesbaden gibt es aktuell 38 Storchenbrutplätze. Davon befinden sich 19 auf Holzmasten, 18 auf Hochspannungsmasten und ein einziger auf einem Baumstumpf. Gebrütet wird zur Zeit in 21 dieser Horste. Zum Leidwesen der Naturschützer und der Strombetreiber werden dabei aktuell aber nur fünf Holzmasten benutzt. Dreiviertel aller belegten Horste – nämlich 15 – befinden sich auf Hochspannungsmasten

Bernd Zürn