RÜSSELSHEIM – Weil zahlreiche Rüsselsheimer Vereine durch die Corona-Pandemie ihrem satzungsgemäßen Zweck nicht nachkommen können und daher auch keine ausreichenden Einnahmen für ihren Erhalt generieren, will der Magistrat auf eine Initiative aus der Stadtverordnetenversammlung hin mit einem Vereinssicherungskonzept und Soforthilfefonds unterstützen. Das hat das Gremium in seiner letzten Sitzung in der Legislatur beschlossen. Insgesamt 250.000 Euro sollen dazu bereit gestellt werden. Davon sind jeweils 100.000 Euro für die Sport- und kulturtreibenden Vereine zur Vereinssicherung und 50.000 Euro als Soforthilfe für existenzbedrohte Vereine vorgesehen. Die finale Entscheidung trifft die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung, der die Vorlage zur Beratung zugeht.

„Mit dem Corona-Lockdown kam leider auch das Vereinsleben aller Rüsselsheimer Vereine zum Erliegen. Ob kulturelle, interkulturelle oder Sportvereine, viele verlieren aktuell Mitglieder, Veranstaltungen finden nicht statt, und in der Folge bleiben auch Eintritts- sowie Spenden- und Sponsorengelder aus“, begründet Oberbürgermeister Udo Bausch den Beschluss. Die vielfältigen Angebote der Vereine bezeichnete Bausch als einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadtgesellschaft, der zugleich ein bedeutender und nachhaltiger Beitrag zum Gemeinwohl sei. Zahlreiche Angebote, Initiativen und Hilfestellungen im alltäglichen Leben seien ohne die Aktivität von Vereinen nicht möglich. Die Pandemie bedingte Schieflage führe dazu, dass auf Rücklagen zugegriffen werde, um die Mindereinnahmen auszugleichen. Um ein Mindestmaß an Angeboten auch unter Corona aufrecht zu erhalten, müssten die Vereine zudem Mehrausgaben aufwenden, beispielsweise für die Umsetzung der erforderlichen Hygienemaßnahmen.

„Die Herausforderung wird über den Lockdown hinaus auch bei der Wiederaufnahme der Vereinsarbeit bestehen. Für viele Vereine ist dies ohne finanzielle Hilfe nur schwer oder gar nicht zu stemmen“, sagt auch Bürgermeister Dennis Grieser. Im kulturellen Bereich sei lang anhaltend die Pause-Taste gedrückt. Angebote im Bereich Musik und Gesang seien kaum zu realisieren, vereinsmäßige Proben könnten aufgrund der einschlägigen Corona-Verordnungen nicht stattfinden. Zwar stelle auch die hessische Landesregierung Vereinshilfen bereit, doch diese seien an existenzbedrohende Liquiditätsengpässe bei der Weiterführung der Vereins- und Kulturarbeit gekoppelt, die auf Fixkosten basieren. Die Bemühungen, die Mitglieder während der Pandemie weiter zu binden und verloren gegangene Mitglieder wieder zu gewinnen, erforderten hohe Anstrengungen und finanzielle Mittel. Hier setze die Stadt an. „Die gesellschaftlichen Elemente von Sport und Kultur bieten vielen Menschen in Rüsselsheim eine ideelle Heimat. Sie tragen nicht nur dazu bei, Traditionen zu bewahren, sondern sie fördern auch gesellschaftliche Entwicklungen. Ziel des Magistrats ist daher, die Sport- und Kulturvereine sowie die interkulturellen Vereine in ihrer Arbeit zu unterstützen. So tragen wir dazu bei, dass möglichst alle Bürgerinnen und Bürger an den Angeboten teilhaben können“, erklärt Grieser.

Insgesamt stellt sich die Situation der Rüsselsheimer Vereine heterogen dar. Eine Befragung der Stadt hat Aufschluss darüber gegeben. Einige Vereine betrachten ihre finanzielle Situation als stabil, andere sind mit großen Existenzsorgen konfrontiert. Mehrkosten entstehen beispielsweise, wenn Corona bedingt größere Räumlichkeiten angemietet werden müssen. Manche Vereine berichten, dass ältere Mitglieder häufig nicht über die notwendige technische Ausstattung verfügen, um an digitalen Angeboten – auch solche zur Mitgliederbindung – teilzunehmen. Auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen insgesamt ist in der Pandemie höchst unterschiedlich.

Um den Vereinen das Überleben zu sichern und sie bei der kommenden Wiederaufnahme der kulturellen und sportlichen Angebote zu unterstützen, schlägt der Magistrat vor, die im Haushalt bereit gestellten Mittel in zwei Kategorien zu unterteilen. Direkte Hilfen sollen die kurzfristigen Verluste mit auffangen. Bezuschusst werden dabei nach einem prozentualen Schlüssel etwa Ausgaben für Hygieneanforderungen, verloren gegangene Einnahmen und verlorene Mitglieder. Gedacht sind diese Mittel als Anschubfinanzierung. Ergänzt werden die Maßnahmen um strategische Hilfen, die der langfristigen Sicherung dienen sollen. Mit den Mitteln sollen Kampagnen zur Mitgliedergewinnung, Werbemaßnahmen, Veranstaltungskosten und logistische Unterstützung bei Veranstaltungen finanziert werden.

Anträge können die Vereine ab Beschussfassung stellen. Mittel zur kurzfristige Sicherung können bei der zuständigen Organisationseinheit der Stadtverwaltung gestellt werden. Antragsberechtigt sind eingetragene und förderwürdige kulturelle, interkulturelle und Sportvereine mit Sitz in Rüsselsheim. Die Vergabe erfolgt mittels eines Vorschlags über den der Kultur-, Schul- und Sportausschuss. Die Mittel aus dem Soforthilfefonds können beantragt werden, wenn Vereine aufgrund der Pandemiefolgen ihre finanziellen Rücklagen gänzlich aufgebraucht haben und somit vor einer existenzbedrohenden Situation stehen.

Die Erarbeitung des Vereinssicherungskonzepts geht auf einen Haushaltsantrag aus der Stadtverordnetenversammlung vom vergangenen Jahr zurück. Im Zuge der Etatberatung wurden die Gelder bereits in den Haushalt 2021 eingestellt.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Fachbereich Zentrales