RÜSSELSHEIM – Den Klimawandel bekommt auch die Feuerwehr zu spüren: Die Sommer werden trockener und heißer. Damit steigt die Gefahr von Wald- und Flächenbränden. In einem solchen Fall müssen die Brandschützer besonders schnell und gezielt eingreifen können – auch weit abseits von befestigten Wegen. Dafür hat die Feuerwehr Rüsselsheim jetzt einen Pickup mit Spezialausrüstung in Dienst gestellt.

Stadtrat Nils Kraft (SPD) übergab das Fahrzeug an den stellvertretenden Leiter der Feuerwehr Rüsselsheim, Michael Kämpfer, den Abteilungsleiter Technik, Reto Wintermeyer, sowie den Sachgebietsleiter Fahrzeuge, Florian Kämpfer. Kraft sagte, das von den Fachleuten des Amts für Brandschutz konzipierte Fahrzeug sei „ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie die Feuerwehr Rüsselsheim innovativ und weitsichtig auf sich verändernde Gefahrenlagen reagiert“.

Spezialtechnik aus Südtirol
Das Trägerfahrzeug hat die Feuerwehr bei einem Rüsselsheimer Autohändler beschafft. Der Aufbau stammt von Kofler in Südtirol. Dieses Unternehmen hat vor etwa zehn Jahren ein modulares System entwickelt, mit dem geländegängige Fahrzeuge in wenigen Minuten für verschiedene Zwecke ausgerüstet werden können, erklärte Florian Kämpfer.

Die Feuerwehr Rüsselsheim hat neben dem Modul für Wald- und Flächenbrände auch einen Aufbau für die Bergung verletzter Personen im Gelände angeschafft. Dabei wird der Patient mit einer Schleifkorbtrage geborgen und auf dem Pickup zusammen mit zwei Mitarbeitern des Rettungsdienstes bis zum Rettungswagen gebracht. Das Modul soll im Spätherbst 2021 ausgeliefert werden. Ein zweites Trägerfahrzeug ist in Planung. Zusammen mit diesem soll wahrscheinlich auch ein Modul für Kleineinsätze angeschafft und das Pickup-System so ausgebaut werden.

Das jetzt an die Feuerwehr übergebene, rund 55.000 Euro teure Spezialfahrzeug ist Teil eines Gesamtkonzeptes für Wald- und Flächenbrände. Diesen Plan haben die Rüsselsheimer Brandschützer vor dem Hintergrund der vergangenen Hitzesommer entwickelt, weil zum Stadtgebiet der größte Waldanteil aller Kommunen im ganzen Kreis Groß-Gerau gehört. Das Konzept wird kontinuierlich fortgeschrieben. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit dem Forst, um das Kartenmaterial für Waldbrandeinsätze aktuell zu halten.

Zeit und Wasservorrat entscheiden
Wenn es im Wald oder auf schwer erreichbaren Flächen ohne Löschwasseranschlüsse brennt, dann entscheiden die Zeit und der Wasservorrat über den Einsatzerfolg. „Unser Ziel ist es, innerhalb von zehn bis 15 Minuten bis zu 25.000 Liter Löschwasser auch im Wald zur Verfügung zu haben“, sagte Michael Kämpfer. Um dieses Ziel zu erreichen, würden beispielsweise als Basisfahrzeuge aller Stadtteilwehren Staffellöschfahrzeuge vom Typ StLF 20/25 mit einem größeren Löschwasservorrat von jeweils 2.500 Litern eingesetzt.

In der Planung für die kommenden Jahre sind zudem Waldbrandfahrzeuge auf der Basis hochgeländegängiger Lastwagen vorgesehen, die mit einer Selbstschutzanlage gegen Bodenfeuer ausgerüstet sind. Lehrgänge und Fortbildungen zum Thema Wald- und Flächenbrände sorgen gleichzeitig dafür, die Fachkompetenz der Feuerwehrleute zu dem Themenbereich weiter zu stärken.

Schnelles Vorausfahrzeug
Der neue Pickup hat in dem Konzept die Rolle des schnellen, geländegängigen Vorausfahrzeugs. Dazu ist er mit zuschaltbarem Allradantrieb, Geländeuntersetzung, Seilwinde und anderen Merkmalen ausgestattet. Der Löschwasservorrat von 400 Litern an Bord wird mit einer Hochdrucklöschanlage ausgebracht, erklärte Florian Kämpfer. Das Verfahren erlaubt es, auch mit geringen Wassermengen eine hohe Löschleistung zu erzielen. Das im Heck des Pickup verlastete Modul enthält außerdem weitere Ausrüstung, zum Beispiel eine Kettensäge und anderes Werkzeug für Einsätze im Wald.

Die Erfahrung der vergangenen Sommer mit einer wachsenden Zahl von Wald- und Flächenbränden im Stadtgebiet hat der Feuerwehr Rüsselsheim gezeigt, wie wichtig entsprechend ausgerüstete Einsatzmittel sind. Der neue Pickup kommt jedoch nicht nur zum Löschen und Retten im Wald zum Einsatz, sagte Florian Kämpfer: Auch als Zugfahrzeug des Feuerwehrbootes zur Wasserrettung sowie für Notstromaggregate ist der Geländewagen vorgesehen.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
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