FLÖRSHEIM – „Dem armen Tier muss unbedingt geholfen werden“, sagte sich der 16-jährige Moritz Ruppert. Zwei Tage lang beobachtete der junge Flörsheimer eine kleine Eule:  Auf dem Spielplatz in der Nähe des Herrenberg-Kreisels. Dort saß sie im Gras. Von ihren Eltern, so seine Befürchtung, war sie verlassen worden und damit zum Verhungern verurteilt. Deshalb fing er sie ein und trug sie in einem großen Karton nach Hause in die Jahnstraße. „Und was machen wir jetzt damit?“, überlegte danach die Familie Ruppert.

Mühsame Suche nach Helfern
„Wir haben uns die Finger wund gewählt“, erinnert sich Moritz‘ Mutter Petra. „Polizei, Feuerwehr, Tierärzte, Tierheime, .. . Keiner konnte uns helfen“. Dann erhielt sie einen ‚heißen‘ Tipp: Der BUND Flörsheim! Eine halbe Stunde, nachdem Petra Ruppert dort angerufen hatte, standen Jürgen Krichbaum und Bernd Zürn mit ihren Rädern in der Jahnstraße vor dem ‚Haus mit der Eule‘. Den beiden BUND‘lern war sofort klar: 1. Es ist eine junge Waldohreule. 2. Sie ist äußerlich unverletzt, kräftig und gut genährt. 3. Das Tier mit der Hand aufzupäppeln ist nicht nur extrem mühsam sondern meistens auch vergeblich. Vergeblich deshalb, weil solche Tiere nach ihrer Freilassung (‚Auswilderung‘) nur geringe Überlebenschancen haben.

Vorsichtig untersuchen Jürgen Krichbaum (links) und Bernd Zürn diese junge Waldohreule – Foto: privat

Vogeleltern sind die besten Betreuer
„Wir bringen sie wieder an den Fundort zurück“, schlugen die beiden BUND-Aktiven daher den ‚Kurzzeit-Pflegeeltern‘ Ruppert vor. Gesagt – getan: Am ursprünglichen Fundort entdeckten Krichbaum und Zürn auch sehr schnell genau das, was sie dort erwartet hatten: Eine hohe Kiefer. Darunter lagen mehrere sogenannte Gewölle. Das sind unverdauliche Speisereste, die von Eulen ausgewürgt werden. Für Fachleute eindeutige Beweise dafür, dass auf diesem Baum Eulen sind oder waren. Und tatsächlich: Ganz weit oben saß regungslos eine erwachsene Waldohreule. Wegen ihres, der Baumrinde angepassten Gefieders schwer erkennbar, war sie dennoch den geschulten Blicken der beiden BUND‘ler nicht entgangen. Deshalb setzten sie ihren kleinen Schützling in rund zwei Metern Höhe auf einen Ast dieses Baumes. Danach zogen sie sich zurück.

Der Einsatz hat sich gelohnt
Bei seinem Kontrollgang am nächsten Morgen fand Bernd Zürn die kleine Eule. In einem dichten Gebüsch direkt unter der Kiefer. Immer noch gut genährt und offensichtlich unverletzt. Diesen Eindruck gewann Zürn nach einer kurzen Untersuchung. Dabei verhielt sie sich ihrem zweibeinigen Helfer gegenüber sehr aggressiv. Die leicht blutende Verletzung, die sie ihm mit ihren scharfen Krallen an der Hand zufügte, nahm er gelassen und als ein gutes Zeichen: Wer so reagiert hat große Überlebenschancen!

Bernd Zürn