In wenigen Agenblicken wird dieser junge Storch beringt werden. Bis dahin hält ihn Bernd Zürn mit geübtem Griff fest – Foto: Horst Usinger

FLÖRSHEIM – Montag, 31. Mai 2021, 14:00 Uhr: Auf dem stillgelegten Teil der Deponie Wicker warten rund zwei Dutzend Interessenten auf ihn: Klaus Hillerich! Er soll an diesem Tag die Jungstörche beringen, die vor rund drei Wochen im Bereich Massenheim/Hochheim geschlüpft sind. Horst Usinger und Bernd Zürn hatten in den letzten Wochen die fünf dort stehende Storchennester (‚Horste‘) beobachtet und festgestellt, dass sich darin mindestens 14 Jungvögel befinden und erstaunlich schnell wachsen.

Die Beobachtung ihrer Entwicklung war den beiden sehr wichtig: Im Alter von rund drei Wochen ist nämlich der Zeitpunkt ihrer Beringung optimal. Dann sind ihre Beine schon so weit ausgebildet dass die Ringe nicht mehr abfallen. Gleichzeitig sind sie noch nicht flugfähig, können also nicht weg fliegen, wenn sich ihnen der Beringer nähert.

Mehr als doppelt so viele Jungstörche wie sonst

Seit dem Jahr 2020 zieht ein Storchenpaar am Weingut Schreiber in zehn Metern Höhe seine Jungen groß – Foto: Horst Usinger

In den letzten Jahren konnte Klaus Hillerich im Durchschnitt sechs bis sieben Jungstörche für den BUND Flörsheim beringen. In diesem Jahr waren es fast doppelt so viele, nämlich elf. Dazu kom-men weitere drei Tiere, die an diesem Tag nicht beringt wurden: Sie waren noch zu klein. Vierzehn Jungvögel! Für Bernd Zürn eine kleine Sensation! Aber: Im Vergleich zu ‚Storchenhochburgen‘ wie im Hessischen Ried – nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt – ist das natürlich sehr bescheiden. Dennoch: Zufriedenheit bei allen Beteiligten. Besonders bei den jüngsten Besuchern der Berin-gungsaktion. Mit klopfendem Herzen und offenem Mund streichelte die knapp fünfjährige Tanja einen kleinen Storch. Der war gerade beringt worden und daher bestimmt genau so aufgeregt wie das kleine Menschenkind.

Wertvolle Hilfe kam auch diesmal wieder von der Deponie Wicker. Mit dem von ihr zur Verfügung gestellten Hubsteiger konnten der Beringer, aber auch einige Interessierte, gefahrlos zu den Nestern gehoben werden. Immerhin sind einige von ihnen gut zehn Meter hoch. Auch ein Team des Hessi-schen  Fernsehens nutzte diese Gelegenheit, um die Kleinen in ihrem ‚Kinderzimmer‘ zu filmen und am 5. Juni in der ‚Hessenschau‘ darüber zu berichten.

Bernd Zürn