KRIFTEL – „Kriftel gilt aufgrund seiner beliebten roten Früchte als ‚Erdbeer-City‘. Seit Jahren sind wir aber auch in der gesamten Region als ‚Steinkauz-City‘ bekannt“, sagt Kriftels Vogelschutzbeauftragter Peter Krüger stolz. Er hat das Amt Anfang des Jahres von seinem langjährigen Vorgänger Heiner Tecklenburg übernommen und „brennt“ immer mehr für den Vogelschutz, wie der Erste Beigeordnete Franz Jirasek jetzt bei einem Ortstermin im Krifteler Wäldchen erfreut feststellte. Neben Jirasek nahmen auch Katharina Keib vom Grünflächenamt sowie Heiner Tecklenburg und Richard Hilgart vom Krifteler Vogelschutzteam am Treffen teil.

„Im vergangenen Jahr haben wir knapp 30 junge Steinkäuze beringt, in diesem Jahr sind es 26. Eigentlich wären es vier Nestlinge mehr gewesen, aber die wurden leider vom Marder geholt“, berichtete Krüger. Vor einigen Tagen habe das Vogelschutzteam mit Michael Orf von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz die Beringung der Steinkäuze abgeschlossen. Der Bruterfolg habe sich in Kriftel auf hohem Niveau stabilisiert. „Und das ist schön, da diese Eulenart unverändert zu den gefährdeten Arten gehört“, so Peter Krüger.

Besonders freut er sich daher, dass es gelungen sei, ein „wichtiges Projekt“ erfolgreich abzuschließen: nämlich im nördlichsten Bereich der Krifteler Gemarkung ebenfalls Steinkäuze zu etablieren. „Von der Idee, über die Anbringung von Niströhren bis zur ersten Brut sind vier lange Jahre vergangen. Vier Steinkäuze konnten wir jetzt im Läusgrund beringen. Ein toller Erfolg“, betont er. Auch Franz Jirasek zeigte sich begeistert und dankte dem Team für das große ehrenamtliche Engagement, das nicht selbstverständlich sei. Vor allem, da auch ein großer Teil der Arbeit die Reinigung von Nistkästen sei. „Das ist zeitaufwendig und nicht immer angenehm“, weiß Jirasek.

Foto: Gemeinde Kriftel

Streuobstwiesen sind Grundlage des Erfolgs
„Wichtigste Grundlage dieser Erfolge sind die Streuobstwiesen, zum Teil mit altem Obstbaumbestand, der natürliche Höhlen bietet und auch die Niströhren gut aufnimmt“, betonen die Vogelschützer. „Wir bedanken uns daher herzlich bei den Grundstückseigentümern, die uns diese Möglichkeiten eröffnen. Im Herbst sind die nächsten Arbeitseinsätze bereits geplant, um die „Kinderstuben“ für kommende Jahre zu reinigen und auszubessern.

Aber das Team Vogelschutz ist nicht nur für die Steinkäuze da: Verteilt über das gesamte Gemeindegebiet wurden über viele Jahre mehr als 150 Nistkästen aufgehängt. Regelmäßig werden diese Kästen kontrolliert und gesäubert. „Hierdurch erhalten wir einen guten Überblick über die Bruterfolge. Leider müssen wir über die letzten Jahre feststellen, dass die Besetzung immer weiter rückläufig ist“, bedauert der Vogelschutzbeauftragte. Der Grund: Vögel finden für ihren Nachwuchs nicht mehr genügend Insektennahrung. Ohne Insekten sterben eben auch die Insektenfresser. Die Gemeinde tue viel für Insekten und Vögel, gerade in den letzten Jahren, mit der Anlage von Wildstaudenbeeten und der extensiven Mahd von Wiesenflächen. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sehr produktiv und unbürokratisch.

Das Team bittet auch Privatleute, in ihren Gärten nicht allzu sehr „aufzuräumen“ und Lebensraum für Insekten und damit Vögel zu erhalten. Wichtig sei es in diesem Zusammenhang auch, Wassertränken täglich zu reinigen und möglichst Futterspender zu verwenden, damit das Futter sauber bleibt.

Massensterben bei Blaumeisen durch Bakterien
Im vergangenen Jahr habe es ein durch Bakterien ausgelöstes Massensterben bei den Blaumeisen gegeben. „Wir haben daher in diesem Jahr bei vielen Kästen ein kleineres Einflugloch (28er) montiert, um ihnen das Brüten zu erleichtern. Andere Vogelarten sind zu groß, um hindurch zu passen“, erklärt Peter Krüger. Das Vogelschutzteam nutze Nistkästen aus Holzbeton. „Das Material ist ohne Chemie und isoliert gut vor Hitze. Die besondere Bauweise erleichtert uns die Pflege sowie den Umbau auf verschiedene Vogelarten durch Änderung des Schlupflochdurchmessers.“ Auch der Gartenschläfer fühle sich dort wohl: Er gelte offiziell als stark gefährdet, komme andernorts kaum noch vor aber in Kriftel nehme auch seine Population stetig zu.

„Beim Bau eines Nistkastens ist übrigens darauf zu achten, dass die Innenwände ‚sägerau‘ sind, da es für Jungvögel dann schwierig ist, sich mit den Krallen festzuhalten und hinauszuklettern“, erläutert Peter Krüger. Er habe beim ersten Eigenbau für den Garten zu sorgfältig glatt geschmirgelt. So könne eine gutgemeinte Bastelarbeit zur Falle werden.

Wichtig ist der Austausch mit Vogelfreunden
„Wichtig für unsere Vogelschutztätigkeit ist auch der Austausch mit großen und kleinen Vogelliebhabern und die es werden wollen“, ergänzt Heiner Tecklenburg. Leider habe durch Corona dieser Teil der Öffentlichkeitsarbeit im vergangenen Jahr nicht im üblichen Umfang durchgeführt werden können. „Gerne stehen wir mit Rat und Tat zur Verfügung“, betont Peter Krüger, der vor dem Termin im Krifteler Wäldchen bereits in der Lindenschule „im Einsatz“ war. Dort war aufgeregten Kindern ein Buntspecht auf dem Schulhof aufgefallen, der nicht mehr fliegen konnte. Katharina Keib wurde informiert, sie erreichte Peter Krüger und dieser begutachtete den Vogel. Sein Rat: Absperren der unmittelbaren Umgebung, um die neugierigen Kinder auf Abstand zu halten. „Der Specht hat sich schließlich erholt und ist im Baum weiter nach oben geklettert.“

Das Internet helfe mit informativen Seiten weiter, falls in solchen Fällen kein Fachmann erreichbar sei. „Wichtig ist: Nicht anfassen und erstmal das Tier in Ruhe lassen“, mahnt er. Und wer den Vogeljubelgesang am frühen Morgen „entschlüsseln“ wolle, der könne sich eine Vogelstimmen-App herunterladen.

Tina Schehler 
Gemeinde Kriftel