FLÖRSHEIM – Mit dem Aufstellen der ersten fünf hölzernen Storchenmasten im Herbst des Jahres 2000 begann für den Ortsverband Flörsheim des BUND eine unerwartete Erfolgsgeschichte. „Damals“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Reinhold Habicht, „gab es in Flörsheim seit Jahren keine Störche mehr“.  Den Plan, eine Wiederansiedlung zu versuchen, hielten daher viele für ziemlich sinnlos.

Die Skeptiker schienen Recht zu behalten. Drei Jahre lang ignorierten die eleganten Segler das Angebot der BUND‘ler. Im Jahr 2004 erfolgte dann die erste erfolgreiche Brut. Inzwischen steht von den hölzernen Masten keiner mehr. Nach rund einem Dutzend Jahren hat ihnen die Witterung so zugesetzt  dass sie erneuert werden mussten. Teilweise auch an etwas anderen, vielversprechen-deren Stellen. Geblieben ist die Erfolgsserie: Rund ein Dutzend Jungtiere schlüpfen seitdem im Durchschnitt pro Jahr  auf den vom Flörsheimer BUND betreuten fünf Brutplätzen („Horsten“).

Drei von ihnen liegen auf der Deponie Wicker, ein vierter beim „Spielpark Hochheim“, ein fünfter auf dem Gelände des „Weingut Schreiber“.

Routiniert beringt Klaus Hillerich einen Jungstorch in rund zehn Metern Höhe – Foto: privat

Entwicklungszustand muss ständig beobachtet werden

Der Hattersheimer Horst Usinger verbrachte Hunderte von Stunden mit der Beobachtung der Störche und ihrem Verhalten auf den Nestern. Typische Bewegungen zeigen dem geübten Beobachter, wann die ersten Eier gelegt wurden und die ersten Jungen schlüpfen. Das ist deswegen schwierig, weil man vom Boden aus nicht ins Nestinnere schauen kann. Die laufende Feststellung des Entwicklungsstadiums der Jungtiere ist aber wichtig, wenn man sie beringen will. Ab der siebten Lebenswoche besteht die Gefahr, dass die jungen Störche aus dem Nest springen, wenn der Beringer sich ihnen nähert. Schwere Verletzungen oder gar der Tod wären dann die Folge, denn die jungen Adebare sind dann in der Regel noch nicht  flugfähig.

 

Sich-tot-stellen als Schutzmaßnahme

Wenn die Beringung im richtigen Zeitfenster erfolgt verlassen die Altvögel den Horst, sobald der Beringer anrückt. Die Jungen legen sich flach in die Nestmulde und stellen sich tot. Diesen Zustand nennt der Fachmann „Akinese“. Die Beringung lassen sie dann – von Ausnahmen abgesehen – völlig apathisch über sich ergehen. Ist der Beringer verschwunden, kehren die Altvögel sofort wieder zurück und das Leben geht völlig normal weiter.

 

Dreizehn Jungstörche sind ein guter Durchschnitt

„In diesem Jahr“, so Bernd Zürn vom BUND Flörsheim, „waren bei der Beringung am 13. Juni alle fünf Horste belegt. In zwei gab es nur je ein Junges, ein mal gab es Drillinge und zwei mal Vierlinge. Mit insgesamt 13 Jungstörchen können wir sehr zufrieden sein. Das ist etwas über dem langjährigen Durchschnitt“.

Was alle Beteiligten verwunderte: In einem Horst fanden sie – neben einem Jungstorch – ein unbebrütetes Ei, in einem anderen sogar drei Eier.  Cäcilia Habicht fand das sehr schade denn dann, so das BUND-Mitglied, „hätten wir mit 17 Jungvögeln einen neuen Rekord aufgestellt“.

Bernd Zürn