FLÖRSHEIM/WICKER – „Können Sie uns in unserer Kirche einen Schleiereulenkasten einbauen?“, wurde Bernd Zürn im Sommer 2002 gefragt. Dieser Bitte der katholischen Kirche St. Katharina in Flörsheim-Wicker kam er gerne nach. Schon gut eine  Woche später war die geräumige Wohnung für tyto alba, so der wissenschaftliche Name für die Schleiereule, bezugsfertig. „Fast 30 Stunden“, erinnert sich der heute 84-jährige Weilbacher Zürn, hatte er dafür benötigt. Das Ausmessen, die Zeichnung, das Besorgen des Materials und Werkzeugs waren sehr aufwendig. Beschwerlich und zeitraubend auch der Transport von Werkzeug und Material über die engen und steilen Treppen auf den Dachboden der Kirche.

Der eigentliche Bau war eine den örtlichen Gegebenheiten angepasste Sonderanfertigung. Mit einer Länge von rund 150 cm, einer Breite von mehr als einem Meter und einer Höhe von gut einem Meter war er deutlich größer als die im Handel angebotenen Kasten. „Junge Schleiereulen fangen schon recht früh mit dem trainieren ihrer Flügel an“, weiß Bernd Zürn. „Dazu brauchen sie viel Platz. Die kommerziell hergestellten Kasten sind meiner Meinung nach viel zu klein“.

Im Jahr 2005 waren, statt der erhofften Schleiereulen, mehrere Haustauben eingezogen. Um eine Verschmutzung durch deren Kot zu vermeiden wurde der Kasten verschlossen. Bis zum Jahr 2021.  In diesem Jahr bat die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Main-Taunus-Kreises, den Kasten wieder öffnen zu dürfen. Das sei, so die Behörde, wichtig für die in unserer Region sehr selten gewordenen Schleiereulen. Dieses Argument überzeugte die Verantwortlichen der Kirchengemeinde Wicker. Unter einer Bedingung: Der Einflugbereich zu dem Kasten muss von einem Fachmann absolut regensicher und wasserdicht gestaltet werden. Das geschah, nach Absprache mit der  Denkmalschutzbehörde des MTK, durch die Flörsheimer Schreinerei Slaby. Finanziert wurde das Projekt von  der UNB.

Am 4. Juli 2022 fand die offizielle Abnahme statt. Bernhard Anger als Vertreter der Kirchengemeinde und damit Hausherr, Bernd Zürn vom BUND Flörsheim sowie einem Vertreter der UNB zeigten sich sehr zufrieden mit dem Werk. Jetzt fehlen nur noch die künftigen Untermieter.

Bernd Zürn