RÜSSELSHEIM – „Die Trockenheit setzt dem Wald stark zu, und die Situation ist besorgniserregend“, sagte Revierförster Oliver Burghardt bei einer Waldbegehung mit Stadtrat Nils Kraft und Dr. Dominik Düber, Leiter des Amts für Umwelt und Klimaschutz. Es regne zu wenig und die Temperaturen seien viel zu hoch. Dies schwäche die Bäume mit ihren Abwehrkräften und führe zu Krankheiten oder im schlimmsten Fall zum Absterben. Und er hat eine weitere schlechte Nachricht: „Die Auswirkungen der Trockenheit im laufenden Jahr wird ab dem kommenden Jahr zu sehen sein.“ Allerdings seien schon als Resultat aus den vergangenen Jahren Kiefern und Buchen zu sehen, die von oben absterben, oder Bäume, deren Kronen lichter werden. Ganz zu schweigen von Bäumen, die komplett vertrocknet seien. Der wenige Regen, der derzeit falle, reiche nur für die erste Bodenschicht aus, die etwa einen Meter dick ist. Gut gewachsene Waldbäume hätten ihre Wurzeln aber viel tiefer in Bodenschichten, die aktuell trocken blieben.

Stadtrat Nils Kraft sagte: „Wir müssen alles daransetzen, den Wald mit seinen wichtigen Funktionen für das Ökosystem und das Klima, aber auch für die Naherholung der Bürgerinnen und Bürger zu erhalten.“ Schon früh habe die Stadt mit dem Waldumbau weg von Monokulturen mit Kiefern hin zu durchmischten Waldflächen begonnen. Dies setze sie fort. Die Stadt werde weiter verstärkt Bäume nachpflanzen, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkämen. Dazu zählten unter anderem Traubeneiche, Hainbuche, Linde, Feldahorn, Speierling sowie einzelne südländische Bäume wie Baumhasel, Esskastanie und Hopfenbuch.

Wie Burghardt erläuterte, sei es Teil des Waldkonzepts, dass er die Waldbereiche für die Neupflanzungen nicht komplett umpflüge und erst dann bepflanze. Vielmehr nutze er Lichtungen, in denen noch vereinzelte Bäume oder Bodensträucher Schutz für die zarten Pflanzen böten und mit Schatten dazu beitrügen, dass Feuchtigkeit im Boden bleibe.

Im kommenden Herbst sei es geplant, im Rüsselsheimer Stadtwald zwei Hektar Waldfläche mit insgesamt 5.000 Bäumen nachzupflanzen. Diese Bäume würden wie bisher fünf Jahre lang bei Trockenheit bewässert. „Dann müssen die Bäume stark genug sein, um mit der Witterung zurecht zu kommen“, sagte Burghardt. Allerdings blicke er mit Sorge darauf, dass in den Jahren mit wenig Niederschlag auch immer mehr gewässert werden müsse und künftig der Pflegeaufwand weiter steigen werde. Bei aller Pflege werde sich der Wald aber weiter verändern. Derzeit sei der Wald im Gesamtbild etwa 30 bis 40 Meter hoch. In den kommenden Jahrzehnten werde der Wald niedriger sein und unter Umständen nicht mehr ganz so dicht. Denn als Ersatz für die Bäume, die vertrocknet sind, müssten erst neue Bäume nachwachsen, die angesichts von Hitze und Trockenheit langsamer und nicht mehr so stark wachsen würden.

Die Stadt Rüsselsheim am Main besitze rund 800 Hektar eigenen Wald. Sowohl Förster Burghardt als Stadtrat Kraft wiesen auf die aktuell sehr hohe Waldbrandgefahr hin und baten alle Bürgerinnen und Bürger darum, im Wald nicht zu rauchen und keine brennbaren Gegenstände weg zu werfen.

Oliver Burghardt ist Revierförster der Forstbetriebsgemeinschaft Rhein-Main und unter anderem für den Rüsselsheimer Stadtwald zuständig.

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
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