RÜSSELSHEIM – Obwohl bei der aktuellen Hitze der Winter weit entfernt scheint, ist es in Rüsselsheim am Main wie in ganz Deutschland nicht auszuschließen, dass es im Winter nicht genügend Gas zum Heizen oder für Warmwasser gibt. „Vieles deutet darauf hin, dass wir im November oder Dezember im Kalten sitzen könnten. Seit längerem weist der Bundeswirtschaftsminister daher auf einen bevorstehenden Gasmangel hin“, sagt Stadtrat Nils Kraft. Deswegen ruft Kraft gemeinsam mit Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Peter Scheerer und gewobau-Geschäftsführer Torsten Regenstein dazu auf, Gas bereits heute zu sparen. Gleiches gilt für Strom, weil dieser teilweise aus Gas produziert wird. Wer schon jetzt weniger Warmwasser zum Duschen nutzt oder die Hände kalt wäscht, setzt an der richtigen Stelle an. Dies gilt auch für diejenigen, die die Klimaanlage nicht so kühl einstellen. Ab Oktober ist dann das kontrollierte und richtige Heizen von größter Bedeutung. Denn wer seinen bisherigen Verbrauch beibehält, trägt zur weiterten Verknappung von Gas bei und muss mit deutlich steigenden Kosten für das Heizen rechnen.

 

Stadt, Stadtwerke und gewobau geben bereits seit längerem Tipps zum Energiesparen und werden diese nun zusätzlich in einer Informationsoffensive bündeln, um alle zum Mitmachen aufzurufen. Denn als Nutzergruppe zählen die Mieterinnen und Mieter sowie die Hauseigentümerinnen und -eigentümer zu den größten Gasverbrauchern. Sie konsumieren drei Viertel des Gases, das ganz Rüsselsheim verbraucht. „Die Stadt wird in jedem Fall ihren Teil bei den Einsparungen leisten. Sie nimmt aber nur 6,5 Prozent des gesamten Gasverbrauchs in Anspruch, insbesondere durch die Schulen und Schulsporthallen“, erläutert Kraft. Die Stadt prüft derzeit alle Möglichkeiten und wird sich für die Einsparungen in ihren Gebäuden an den Vorgaben des Landes und des Hessischen Städtetages orientieren. Dies ist wie auch die Informationsoffensive eine der Aufgaben, die ein eigens eingerichteter Verwaltungsstabs bei der Stadt bearbeitet. Dieser ist im Dezernat von Stadtrat Nils Kraft angesiedelt. Operativ leitet Dr. Dominik Düber, Leiter des Amts für Umwelt und Klimaschutz, den Verwaltungsstab, der alle relevanten Ämter und Fachbereiche der Stadtverwaltung beteiligt. Auch das Fachwissen der Stadtwerke und der gewobau spielt eine wichtige Rolle.

 

Die Rahmenbedingungen, mit denen sich der Verwaltungsstab auseinandersetzt, sind herausfordernd. Dr. Dominik Düber sagt: „Gas-Einsparungen von 15 bis 20 Prozent oder mehr sind nur gemeinsam möglich. Zudem können wir eine weitere Verschlechterung bei den Gaslieferungen nicht ausschließen. Dann können die Gasspeicher für den Winter nicht bis zu 95 Prozent gefüllt werden.“ Das Landesinnenministerium sieht für den Herbst und Winter sogar die Gefahr einer multiplen Krisenlage mit Gasmangel, Stromausfällen und der Corona-Pandemie. Ein Szenario ist sogar, dass über Nordstream 1 kein Gas mehr geliefert wird.

 

Umso wichtiger ist es aus Sicht der Geschäftsführer Scheerer und Regenstein, direkt mit dem Gas- und Stromsparen zu beginnen. Die Preise werden ohnehin stark steigen. Wer weniger verbraucht, reduziert Nachzahlungen. Scheerer warnt insbesondere davor, die Gasheizung in der kälteren Jahreszeit durch strombetriebene Heizlüfter oder Heizungen zu kompensieren. „Der Umstieg auf Strom ist keine Option, weil das Stromnetz nicht dafür ausgelegt ist und es zu Überlastungen und Störungen im gesamten Stromnetz kommen könnte“, sagt er. Er warnt außerdem, dass ein Gasnetz nicht wie ein Stromnetz aus- und wieder angestellt werden kann, weil durch Sicherheitseinstellungen die Heizungsanlagen blockieren werden. Deswegen ist das sofortige Sparen umso wichtiger: „Wer in der kalten Jahreszeit weniger Räume über 16 Grad heizt, erzielt schnell eine Wirkung. So können leicht 10 bis 20 Prozent eingespart werden“, macht er deutlich. Sorge bereitet ihm das fehlende Bewusstsein vieler Kundinnen und Kunden dafür, wie viel Gas oder Strom sie konsumieren. So liegen die Energieverbräuche von vergleichbaren Haushalten bis zu 400 Prozent auseinander.

 

Einen solch sorglosen Umgang mit Energie kann auch gewobau-Geschäftsführer Torsten Regenstein bei einigen Mieterinnen und Mietern in den 6.500 Wohnungen des Unternehmens bestätigen. Dies ist aus seiner Sicht umso bedauerlicher, als dass die gewobau in Millionenhöhe in die Gebäudedämmungen und –sanierungen investiert. Selbst in sehr energiesparenden Wohnungen und Häusern sind die Unterschiede bei den Verbräuchen der Mieterinnen und Mietern immens: „Wir müssen jetzt alle handeln, und wir werden uns auf das Sparen einrichten müssen. Wir werden uns auch im Winter in den Wohnungen wärmer anziehen müssen“, macht Regenstein deutlich. Unter anderem mit Mieterversammlungen in größeren Gebäuden und mit beiliegenden Infos zur Abrechnung 2021 wird die gewobau nochmals sensibilisieren. Bereits jetzt stehe fest, dass die gewobau über ihre Heizungsanlagen die Temperatur tagsüber auf die gesetzlich vorgeschrieben 20 Grad begrenzen wird, die nachts auf 17 Grad abgesenkt werden. Wenn nicht schon jetzt Energie gespart wird, schließt der Geschäftsführer auch nicht aus, dass der Gesetzgeber durch neue DIN-Normen vorschreibt, die Temperaturen weiter zu senken. Daher ist es erforderlich, unmittelbar Gas und Strom zu sparen.

 

 

Weitere Informationen

Energiespartipps der Stadt Rüsselsheim:

https://www.ruesselsheim.de/energiesparen.html

 

Do-it-yourself Videos der LEA Hessen:

https://www.lea-hessen.de/buergerinnen-und-buerger/hessen-spart-energie/

 

Gas-Sparseite des BMWK:

https://www.energiewechsel.de/

 

Energieberatung der Stadtwerke

https://www.stadtwerke-ruesselsheim.de/energieberatung

 

Mieterinfos der gewobau zum Energiesparen

https://www.gewobau-online.de/mieterinfos/energiesparen.html

 

Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Fachbereich Zentrales