Lieder des Reformators reformiert

MAINZ – „Bigband feat. Luther“ – eine Uraufführung besonderer Art war ein gelungenes Experiment des Jazzkomponisten Martin S. Schmitt. Ausgangspunkt für seine Klangschöpfungen waren zahlreiche Kirchenlieder aus der Feder Martin Luthers. Mit den musikalischen Gestaltungsmitteln des modernen Jazzorchesters bearbeitete er die Melodien. Er schuf einen neuen rhythmischen Kontext, spielte mit Klangfarben und Sounds und behielt dennoch die Aussagekraft der Liedtexte im Blickfeld.

Ein geeigneterer Ort als die Christuskirche ist für ein solches Konzert kaum denkbar. „Freuen Sie sich auf einen heiteren, fröhlichen Abend“, eröffnete Dekan Andreas Klodt die Veranstaltung.

Was hätte wohl Luther zu Schmitts Bearbeitung seines berühmten Weihnachtslieds „Vom Himmel hoch“ gesagt?  Wahrscheinlich wäre der Reformator von der Reformation seines Werkes nach einem halben Jahrtausend begeistert gewesen. Weniger weihnachtlich – dafür aber mit viel Schwung! „Luther hat versucht mit seiner Bibelübersetzung ganz viel Müll aus dem Weg zu räumen“, sagte die Soul- und Jazzsängerin Sarah Kaiser, die u.a. in „Fundament“ das M.S:Schmitt-Jazzorchester gesanglich unterstützte und das Publikum mit ihrer hervorragenden Stimme überzeugte.

„Nun freut euch lieben Christen g’mein“ – Luthers ältestes Lied – entstand gleich in zwei Jazzfassungen. In der zweiten Variante hat Christoph Zehendner Luthers Text in die Sprache des 21. Jahrhunderts übersetzt. „Mein Herz ist voll“ ist Zehendners Titel zu diesem Lied.

„Aus tiefer Not“ ist nicht der Grund der Neufassung, sondern der Text des 1524 von dem Reformator geschriebenen Liedes, das in Moll beginnt, immer heller wird, bis hin zu Dur-Akkorden gegen Ende des Stückes. „Ein Feste Burg ist unser Gott“ war das Highlight des Abends und begeisterte auf hohem Niveau.

Der Projektleiter hat in Mainz studiert und lebt in Mannheim. Bei den Musikern – die meisten von ihnen waren mit mehreren Instrumenten bestückt – handelt es sich ausschließlich um Profis aus ganz Deutschland, die lediglich für dieses Projekt angereist kamen. Auch die renommierte Sängerin kam aus Berlin.

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Seit November 2013 arbeite ich als freie Mitarbeiterin für Journal LOKAL - die lokale Zeitung. Hauptsächlich schreibe ich für Gonsenheim, Mombach und Finthen – aber auch gelegentlich andere Vororte oder die Innenstadt. Ich favorisiere kulturelle Veranstaltungen wie Vernissagen, Konzerte etc., auch während der Fastnachtszeit bin ich sehr gerne für Journal LOKAL - Die LOKALE unterwegs. Doch die Mischung macht’s – deshalb berichte ich über alle Themen.