Mainzer Feuerwehr bekommt Preis für ihre „Gafferbox“

MAINZ – Bedauerlicherweise vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über Gaffer in den Nachrichten berichtet wird. „Das ist ein ernstes Thema, das eine sorgenvolle Entwicklung nimmt“, unterstrich Oberbürgermeister Michael Ebling bei der Präsentation der „Gafferbox“ bei der Mainzer Feuewehr. Denn mit dieser außergewöhnlichen Maßnahme will die Feuerwehr, die oft zu Verkehrsunfällen gerufen wird, auf das Problem von sensationsgierigen Schaulustigen aufmerksam machen, die die Arbeit von Einsatzkräften behindern, die Zufahrten und Rettungswege blockieren, um mit ihren Smartphone Fotos und Videosaufnahmen von Opfern zu machen.

Diese Kampagne der Mainzer Feuerwehr ist jetzt sogar prämiert worden: Die sogenannte Gafferbox erhielt den Verkehrssicherheitspreis des Landes Rheinland-Pfalz. Wer diesen rund neun Quadratmeter große Raum betritt, wird selbst begafft – von lebensgroßen Abbildungen von Menschen unterschiedlichsten Alters. Wer will, kann sich authentische Fotos von Unfallopfern anschauen – mit Vorwarnung. Denn diese Schockfotos haben es in sich. Ziel ist, dem Bürger eines zu vermitteln: Gaffen ist kein Kavaliersdelikt mehr. Gaffen kann dazu beitragen, dass andere Menschen zu Tode kommen, nämlich dann, wenn Gaffer Rettungskräfte behindern.

Hintergrund der Mainzer Gafferbox ist ein Verkehrsunfall vom Juli 2016, als auf der A60 ein Lkw-Fahrer nach einem Unfall zu Tode kam. Statt zu helfen, filmten zwei Gaffer alles mit ihren Handys. Daraufhin gestalteten die Aktiven der Feuerwehr Mainz erstmals eine „Gafferbox“, die jetzt neu gestaltet wurde.

Diese Gafferbox bietet neben Fotos auch Hinweise, Tipps und Anordnungen, wie man sich verhält, wird man mehr oder weniger unfreiwillig Augenzeuge eines schweren Verkehrsunfalls. Dafür soll die Box bei unterschiedlichen Veranstaltungen eingesetzt werden, bespielsweise am 3. Oktober, wenn in Mainz der Tag der deutschen Einheit gefeiert wird. Dann wird die „Gafferbox“ an der Blaulichtmeile auf der Bauhofstraße stehen.

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei Journal LOKAL - die lokale Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben "Mainz", „Mainz-Mitte“ und „Mainz-Mombach“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“