Meisterliche Sakralwerke

Finthen – Der Gipfel Jubiläumsjahr des katholischen Kirchenchores St. Martin in Finthen, war die Aufführung der „Krönungsmesse“ von W. A. Mozart und dem feierlichen „Halleluja“ von G. F. Händel für Soli, Chor und Orchester im Festgottesdienst am Pfingstsonntag. Die Messe von 1782 besteht aus den Teilen des Ordinarium Missæ: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und dem Agnus Dei. Die Proben hierfür begannen schon im Januar, da der Chor von St. Martin in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum feierte. Voll besetzt war daher die Kirche in Finthen beim Konzert. Das Publikum konnte das Ergebnis intensiver Probenarbeit genießen.

Das Orchester St. Martin unter Matthias Brantzen offerierte ein vielfältiges Klangbild, akzentuierte ausdrucksvoll und mit sicherer Intonation. Auch die Solisten, überzeugten mit ihrer stimmlichen Harmonie. Die solistischen Passagen waren brillant gestaltet von Sopran Ursula Frey, Alt Ulrike Haufe, Tenor Frederik Bak und dem Bass José Wolf. Die solistische Hauptlast lag beim Sopran, technisch anspruchsvolle Passagen meisterte Ursula Frey mit einer erstaunlichen Leichtigkeit.

Vor allem aber die Chorsänger konnten zeigen, wozu Norbert Emig sie in 7-jähriger Chorarbeit geführt hat: starke Präsenz, feinfühliges Eingehen auf sein Dirigat und die Entfaltung eines vollen, warmen Chorklangs mit großer Innigkeit und erstaunlicher Strahlkraft. Chor, Orgel und Orchester waren beim Konzert prächtig aufeinander abgestimmt. Die musikalische Gesamtleitung oblag Emig, dieser vermittelte die musikalische Einheit durch sein Dirigat. Die Solisten verstärkten bei Händels „Halleluja“ von 1741 den Chor, das den krönenden Abschluss der Aufführung bildete.

Verstärkung kam auch von Sängern des Projektchores sowie des Extrachores vom Theater. Vorsitzende des Chores, Maria Zimmermann, hob bis dato ihre Lobrede auf und erklärte: „Die Spenden werden für die künftige Chorarbeit eingesetzt“, dann ertönte stürmisches Beifallklatschen für die Künstler. Zum Auszug brillierte auf der Orgel von Bernhard Dreymann der vielseitige Organist Christoph Hintermüller mit der dynamischen Toccata „on Deo Gratias“, komponiert von Richard Keys Biggs (1886–1962). Während Diakon Markus Guinchard erklärte: „Die Liebesbeziehung Gottes zu den Menschen wird an Pfingsten gefeiert, heute dürfen wir das sogar vierstimmig, denn die Sprache der Musik sprechen wir alle gemeinsam“, zelebrierte Kaplan P. Biji Purakkeril Sariyar die Messe.

125 Jahre

Insgesamt zehn Chorleiter haben den Katholischen Kirchenchor in den 125 Jahren musikalisch geleitet. Bei Gründung 1892 war Jakob Silz der erste Präsident und Lehrer Metzger der erste Chorleiter. 125 Jahre später hat Maria Zimmermann das Zepter in der Hand und seit 2011 Norbert Emig den Stab. Es scheint eine friedliche Zeit gewesen zu sein, wenn man auf die Jahreszahl der Gründung schaut. Nach dem Krieg 1870/71 herrschte seit zwei Jahrzehnte Frieden, viele Chöre wurden in diesen Jahren gegründet, wie auch der in Finthen. Da durch die Industrialisierung die Arbeiterbevölkerung in Finthen stark angewachsen war wurde eine größere Kirche gebaut. Der heilige Bischof Martinus war zugleich der Namensgeber des katholischen Kirchenchores und der Kirche.

Eine neue Orgel von Bernhard Dreymann, einem Mainzer Orgelbauer, wurde errichtet, auch heute noch begleitet sie den Gemeinde- und Chorgesang. Die Zeit damals war endlich reif für den deutschen Kirchengesang und mit dem sogenannten Kettler‘ schen Gesangbuch eingeführt worden. Und so wollte man zur Pflege des kirchlichen Liedgutes einen Kirchenchor zu gründen. Aber erst unter Pfarrer Heinrich Josef Reithmayer war dies mit Hilfe von Lehrern und Schulkindern und einzelnen Nachfahren der Choralsänger möglich. In der folgenden Zeit, unter Pfarrer Christoph Peter Josef Kempf, vomierte sich der katholische Kirchenchor aus Sängern des Cäcilienchores Sängervereinigung und den Choralisten.

Eingetreten sind darüber hinaus noch einige Stimmbegabte. Viele Sänger haben seit der Gründung des Chores den Gesang gepflegt, die Gottesdienste und das Gemeindeleben zu den Fest- und Feiertagen aktiv gestaltet, oft jahrzehntelang. Vielfältiger und anspruchsvoller ist die Chorarbeit geworden. Neben den vielstimmigen Liedern zur Begleitung der Gottesdienste an den hohen Feiertagen gibt der katholische Kirchenchor auch immer wieder Konzerte mit Orchester und Solosängern. Aktuell hat der katholische Kirchenchor St. Martin Mainz-Finthen 40 Sängerinnen und Sänger. Gerne nimmt er neue stimmbegabte Sänger auf, jeden Donnerstag um 20 Uhr ist Probe.

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Seit Februar 2015 bin ich als freie Journalistin bei Journal LOKAL - die lokale Zeitung tätig. Zuvor arbeitete ich nach meinem Informatikstudium viele Jahre als IT-Koordinatorin. Seit zwei Jahren bin ich als freie Journalistin im Deutschen Fachjournalistenverband (DFJV) akkreditiert. Die in vielerlei Hinsicht anspruchsvollen oder originellen lokalen Veranstaltungen motivieren mich bei Recherche und Verfassen meiner Artikel.