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Neulich …

Angelika Förster

…….bei der Physiotherapeutin. Im Rücken schmerzt es, in den Beinen zieht es und mein Musculus spinatus (der heißt tatsächlich so – ich nenne ihn liebevoll „mein Gemüsemuskel“), welcher macht, dass der Arm sich nach hinten bewegt, verweigert nahezu vollständig seinen Dienst. Beim Orthopäden fielen Worte wie „Fehlhaltung“, „altersgemäß“ und „X-Beine“ und er entschied: Krankengymnastik, um „Anleitungen zum Beüben“ zu erhalten.
Beim Anruf zum Termin-ausmachen sagte die freundliche Dame: „Und bitte bequeme Kleidung anziehen, nichts, was einengt, etwas, worin Sie sich gut bewegen können!“
Hm…….
Als ich zu meinem ersten Termin kam, schaute ich mich in der Praxis um. In die vorderen Räumlichkeiten hatte ich etwas Einsicht und erkannte in jedem Raum eine Liege. Meine Stimmung stieg – ich sah mich schon gemütlich auf dem Bauch liegend eine wohltuende Massage genießen.
Dann betrat die Physiotherapeutin die Bildfläche, rief freundlich „Hallo“ und „Wir gehen in die 5“. („Die 5“ war bisher meiner Einsicht verborgen!).
Ich betrat „die 5“ und …. erstarrte! Keine Liege!! Dafür Gymnastikmatten auf dem Boden! Gymnastikbälle in der Ecke! Foltergeräte an den Wänden! Und ein Spiegel!!
Ein Spiegel, der vom Boden bis zur Decke reichte und eine Breite hatte, in der sich die Wildecker Herzbuben locker drin erkennen könnten und zwar nebeneinanderstehend!!
In diesem Spiegel sah ich mich nun – in „bequemer Kleidung“ – also kein Miederhöschen, keine figurformende Jeans, keine streckenden hohen Absätze…….! Weglaufen war zu spät, also drehte ich mich wenigstens mit dem Rücken zum Spiegel! „Nee, nee, nee“, sagte die nette Physiotherapeutin, „schon zum Spiegel schauen!“
Hm…….
Dann machte sie mir mit anmutigen Bewegungen eine Übung vor, die ich dann (mit deutlicher weniger Anmut, dafür umso mehr Mut) nachmachte, richtiger gesagt: versuchte, nachzumachen!
Überflüssig, zu erwähnen, dass die Übungen bei ihr locker und schön anzusehen waren, bei mir mehr an einen auf dem Rücken liegenden Maikäfer erinnerten!
Es wurde bei den folgenden Terminen noch ganz schön heftig – ich hätte nie geglaubt, dass man sich ohne Fitnessgeräte oder sonstige Hilfsmittel so anstrengend bewegen kann.
(Knien Sie sich mal auf den Boden, stützen die Hände auf und strecken dann den rechten Arm nach vorn und das rechte Bein nach hinten und fallen dabei nicht um!)
Mittlerweile kann ich allerdings sagen, dass ich die Übungen ganz gut hinkriege, tatsächlich auch zuhause (ohne Spiegel) meine „Gebrechen“ beübe und erste Erfolge zu verzeichnen sind.
(Toitoitoi!).
Und ich muss auch nicht mehr in „die 5“, sondern darf jetzt in „die 4“ und „die 4“ hat eine Liege. Zwar werde ich auch hier nicht wohltuend massiert, sondern wehtuend bearbeitet, aber das ist alles für den guten Zweck!

Ihre Angelika

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Angelika Förster war bis Mitte 2019 Chefredakteurin unserer Zeitung mein südhessen. Heute genießt sie auf eigenen Wunsch hin ihren wohlverdienten Ruhestand.