LAUBENHEIM – Es soll ein Abend von besonderer Magie werden.
Meine Gedanken schweifen ab. Gespannt lausche ich 14 jungen, sehr talentierten Musikern.
Es ist beeindruckend, wie filigran und mit welch einer Leichtigkeit sie die Töne zum Klingen bringen.
Es ist der 9.07.2016. Vor mir steht das Kammermusikensemble Laubenheim im Willigis-Gymnasium Mainz. Diesen Sommer beschäftigt es sich mit der Musik des 20. Jahrhunderts und lässt die Zuhörer in die Werke von vier großen Komponisten eintauchen. Beginnend mit dem Stück Oblivion vom Argentinier Astor Piazolla, der 1992 in Buenos Aires verstarb, werden die Zuhörer zunächst in ein Folklorestück geführt. Gefolgt von zwei Stücken aus der Spätromantik vom Finnländer Jean Sibelius geht es über ein Ave Maria von Astor Piazzolla zu den Hauptwerken des französischen Komponisten Jean Francaix, dann zum berühmtesten Komponisten Englands, nämlich Benjamin Britten mit seiner Simple Simphony und schlussendlich zum weltberühmten Libertango von Astor Piazzolla.
Faszinierend ist, dass diese vier prägenden Komponisten 36 Jahre lang parallel gelebt haben.
Und doch klingen ihre Stücke alle sehr verschieden, geprägt von teilweise sehr abstrakten Spielformen. So wird die Simple Simphony von Benjamin Britten, die ursprünglich für ein Schulorchester geschrieben wurde, nahezu durchgehend gezupft. Dabei handelt es sich um ein spezielles, besonders schnelles Zupfen, das sogenannte Pizziccato. Solche Spielformen haben einen komischen, lustig anmutenden Charakter. So ist für den Besucher allein das Zuschauen eine große Freude.
Das Ensemble ist sehr gemischt und es findet ein stetiger Wechsel der Besetzung statt. Was unter anderem daran liegt, dass die Musikanten teilweise große Distanzen überwinden müssen, um nach Mainz zu kommen. So fährt Leonard Fuchs wöchentlich von Karlsruhe nach Laubenheim, um an den Proben teilnehmen zu können. Für diese Sommersaison besteht das Ensemble aus acht Violinen, drei Violas (Bratschen), zwei Violoncelli und einem Kontrabass. Was viele nicht wissen, was man jedoch innerhalb der ersten Minuten am Klang erahnen kann, ist, dass die meisten der jungen, zwischen 15 und 27 Jahre alten, Musiker zum Beispiel bei Jugend-musiziert-Wettbewerben sehr erfolgreich sind. Viele von ihnen spielen im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, manche sogar im Bundesjugendorchester und sind regelmäßig über die Landesgrenzen hinaus unterwegs auf Tournee. Ein ganz besonderer Gast in der diesjährigen Sommerkonzertreihe ist die Querflötensolistin Julia Schmidt. Sie ist Jahrgang 1997, spielt seit etwa 14 Jahren Querflöte und konnte sich unter anderem dieses Jahr beim deutschlandweiten Bundesentscheid von „Jugend musiziert“ qualifizieren und den 2. Platz belegen.
Dass das Ensemble neben Schule, Studium und den vielen Tournees der einzelnen Musiker noch genügend Zeit findet, herausfordernde Stücke einzustudieren und eine eigene Konzertreihe zu starten, finde ich sehr bemerkenswert. Seit März proben sie intensiv für diese Sommerreihe. Doch Musik machen sie schon wesentlich länger zusammen. Manuel Christ und Tobias Keil z.B. spielen in dieser Konstellation mittlerweile seit 10 Jahren. Als das Ensemble vor 10 Jahren gegründet wurde, waren es noch vier Musikanten, heute sind es 14. In Zukunft würde das Ensemble auch gerne Teil eines großen Musikfestivals sein, so Manuel Christ.

Die nächsten Konzerte sind:
09.08.2016 19:30 Uhr – nhow-Hotel Berlin
10.08.2016 20:00 Uhr – Friedenskirche Berlin-Charlottenburg
11.08.2016 20:00 Uhr – St.Pauli-Kirche Bobbin/Rügen
23.09.2016 19:30 Uhr – Evangelische Kirche Mainz-Weisenau
24.09.2016 17:00 Uhr – Adventgemeinde Bad Homburg v.d.H.
25.09.2016 17:00 Uhr – Melanchthon-Kirche Mainz
Der Eintritt ist frei. Spenden werden dankend entgegengenommen.
Weitere Infos finden Sie unter: www.kammermusikensemble-laubenheim.de
Lassen Sie sich von einem sehr leidenschaftlichen Ensemble mitreißen, was Sie mit träumerischer und spannungsgeladener Musik begeistern wird!
Text und Fotos: Joshi Nichell