NIERSTEIN – Die Fuggerstadt Augsburg, das Benediktinerkloster Sankt Ottilien und die Hohenzollernburg bei Hechingen waren die Ziele der diesjährigen dreitägigen Sommerkulturreise des Geschichtsvereins Nierstein. Im Zentrum Schwabens beeindruckte die Altstadt mit ihren prunkvollen Bauten aus der Renaissance, als die Stadt an Lech und Wertach ein europäisches Handelszentrum und ein Finanzplatz war, der auch politische Macht entfaltete.

Über vier Generationen stand der Name der Familie Fugger synonym dafür. Und insbesondere Jakob Fugger war der Mann, der die Kaiser machte. Zugleich erinnert die Fuggerei, die die Niersteiner kennenlernten, daran, dass die Fugger auch soziale Verantwortung für ihre Mitmenschen übernahmen und vor über 400 Jahren eine bis heute bestehende Sozialsiedlung für bedürftige Menschen ihrer Stadt gründeten. Zu jeder Wohnung gehört auch jetzt ein Gartenanteil. Die Wohnungen werden bis heute günstig vergeben: Für 88 Cent Jahresmiete und 85 Euro Nebenkosten monatlich. Bedingung: Jeder muss pro Tag drei Gebete für die Familie Fugger sprechen. Eindrucksvoll war der Goldene Saal im Rathaus, mit dem die Stadt, die über Jahrhunderte die Reichstage beherbergte, diese wieder an sich ziehen wollte. Vergebens. Augsburg blieb jedoch eine Stadt von Handel und Gewerbe: Weberei und heute die MAN stehen dafür. Die berühmten Söhne der Stadt Albert Einstein und Bertold Brecht besuchten das gleiche Gymnasium.

Hinter die Kulissen der bekanntesten deutschen Puppenbühne konnten die Niersteiner bei der Augsburger Puppenkiste blicken, deren Geschichte erfahren und so beliebten Figuren wie Kater Mikesch, Lucas, dem Lokomotivführer, Kalle Wirsch oder der Blechbüchsenarmee begegnen, die Generationen von Kindern vor allem auch via Fernsehen begeisterten. Bei einer Tour in die Umgebung besichtigte die Niersteiner Gruppe ein Kleinod: Das Kurhaustheater Göggingen, ein kurz vor dem Verfall gerettetes opulentes Theatergebäude aus dem späten 19. Jahrhundert. Noch immer Leistungszentrum für die Kanuten ist die vom Lech gespeiste künstlich geschaffene olympische Wildwasserstrecke von 1972. In der Erzabtei Sankt Ottilien trafen die Niersteiner auch mit dem Weinschöffen der Stadt und Vereinsmitglied Professor Helmut Klausing zusammen. Seine Frau Ingrid hatte den Besuch vorbereitet. Zu diesem Benediktinerstift gehört auch das rheinhessische Kloster Jakobsberg. Die Benediktiner sind in der Mission tätig und betreiben das im späten 19. Jahrhundert dort angesiedelte Kloster mit Landwirtschaft, Gymnasium und Verlag, um ihre weltweiten Aufgaben erfüllen zu können.

Am dritten Tag ging es in die Schwäbische Alp zur Burg Hohenzollern, die der preußische König Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) im Stil einer mittelalterlichen Burganlage errichten ließ. Sowohl die Repräsentationsräume als auch die Schatzkammer boten interessante Einblicke in die Geschichte Preußens und des Hauses Hohenzollern. Zwischen dem Enkel des letzten deutschen Kaisers Prinz Louis Ferdinand und dem Niersteiner Weingutsbesitzer Karl-Ludwig Schmitt bestanden enge Beziehungen, die den Prinzen seinerzeit häufiger nach Nierstein führten.
Mit einem Dank an Organisator und Reiseleiter Hans-Uwe Stapf konnte der Vorsitzende des Geschichtsvereins Nierstein Hans-Peter Hexemer feststellen, dass auch bei dieser harmonischen Reise wieder interessante Informationen, neue Eindrücke und Geselligkeit miteinander verbunden waren.

Geschichtsverein Nierstein