Von Veronika Königer

WEISENAU – Freitagabend ist für viele der Zeitpunkt, um tanzen zu gehen. In einen Club in die Mainzer Innenstadt, auf eine private Party, in eine Bar – oder ins Vereinsheim des Turnvereins Weisenau. Dort allerdings wird mehr verlangt, als nur einigermaßen rhythmisch die Füße zu bewegen: Line Dance, ein Tanzstil ohne Partner neben- und hintereinander in Reihen. Schon seit mehr als zwei Jahren eine feste Einrichtung mit drei verschiedenen Kursangeboten und rund 40 begeisterten Anhängern im Verein, begann nun ein neuer Basiskurs. Zwar hatte es vor Weihnachten bereits einen solchen gegeben, aber auch viele Bitten, im neuen Jahr einen weiteren zu veranstalten. Dem kam Egon Jung, der den Line Dance in den Verein eingeführt hatte, gerne nach: „Es ist erstaunlich, wie groß die Nachfrage ist, vor allem auch bei den älteren Leuten!“ Aber gerade dafür spricht er sich sehr positiv aus, denn Tanzen sei eine gute Alternative, wenn man gesundheitlich keinen Leistungssport mehr machen könne – das hat der ehemalige Geräteturner am eigenen Leib erfahren. „Es geht hier nur in Maßen um körperliche Fitness, eher um geistige, und das ist gerade beim Älterwerden wichtig, dass Körper und Geist in Einklang gebracht werden!“, erklärt er.
Dass Line Dance eine Sache der geistigen Fitness und Konzentration ist, da würden ihm die neun Interessentinnen, die unter der Leitung von Anna Gaál, einer ehemaligen Kunstturnerin, den ersten Tanz namens „Electric Slide“ lernen, wohl voll und ganz zustimmen. Immer wieder macht die junge Frau die Schrittabfolgen vor, achtet genau auf die Füße ihrer Schülerinnen, lobt, korrigiert, bis jede ihr folgen kann. Dann wird sich in zwei Reihen aufgestellt, die Musik angemacht, und die neun Frauen tanzen zum ersten Mal einen Line Dance. Am Anfang noch zu einem langsamen Stück, dann macht Gaál ein schnelleres Lied an: „Es ist egal, wenn ihr mal einen Schritt verdreht, einfach tanzen, fühlt die Musik!“, motiviert sie. Und es klappt, am Ende sogar ohne Schrittverdreher. Langsam ist zu merken, dass Tanzen dann doch auch die körperliche Fitness beansprucht, Schals werden abgelegt, ein Fenster geöffnet, es gibt eine kurze Pause. Und dann schon die nächste Choreografie: etwas anspruchsvoller, vor allem die sogenannten Jazz Boxes, eine besondere Seitwärtsbewegung, teils mit Drehung, haben es in sich. Mit der Hilfe von Anna Gaál und Egon Jung, der in dieser ersten Woche noch assistiert, findet sich dann aber doch eine jede mit ihren Füßen zurecht, und am Ende der eineinhalb Stunden tanzen zwei Reihen erschöpfter, aber glücklicher Frauen zu den Techno-Klängen von „Cotton Eye Joe“ – sogar im schnellen Originaltempo.