HECHTSHEIM – Im Mittelpunkt stand Hans Willi Fleischer, der auf dem heimischen Weingut seinen 75. Geburtstag zelebrierte. Geladen waren rund 200 Gäste, einschließlich des OB Michael Ebling. Bei traumhaftem Wetter und herrlichen Temperaturen bot der Mainzer Frühling eine perfekte Kulisse, um diesen Tag mit Freunden und Verwandten ausgiebig zu feiern. Als Hans Willi mit dem Weinanbau begann, standen ihm 1,25 ha Weinberge zur Verfügung, neben Landwirtschaft und Viehhaltung. Mit harter Arbeit, Leidenschaft und unbeirrbarem Glauben an sich selbst, entstand im Laufe der Jahre der größte Weinbaubetrieb der Stadt Mainz mit einer Anbaufläche von 41 ha. „Damals, vor 51 Jahren“, erzählte Hans Willi Fleischer, „wurde in Mainz bevorzugt Rheingauer Wein getrunken; das haben wir mit den Mainzer Winzern geändert. Das Marktfrühstück bestand aus einem Bierstand und Bohnensuppe. Wir haben den Mainzer Wein salonfähig gemacht und das Marktfrühstück zu einem Markenzeichen der Stadt Mainz ausgearbeitet.“ Stolz schaute Hans Willi in sein Weinglas, schwenkte sanft das edle Rebengeschenk und lächelte. „Sicher“, erzählte Hans Willi weiter, „es war harte Arbeit. Meine Arbeitswoche begann montags morgens um 7 Uhr und endete samstags abends um 19 Uhr. Als ich anfing, konnte ich mir nicht vorstellen, einmal so große Spuren in Mainz zu hinterlassen“, freute sich Hans Willi Fleischer. Doch immer wieder wurde das Interview unterbrochen, denn Gäste aus nah und fern reihten sich in einer schier endlosen Schlange ein, um ihm zu gratulieren. Geschenke und Wertschätzungen wurden zu einer Phalanx herzlicher Glückwünsche. Am wichtigsten war Hans Willi Fleischer immer seine Familie, seine Frau und seine vier Kinder, Sabine, Michael, Stefan und Christiane. Dazu natürlich die Winzergemeinschaft, der Berufsstand und der eigene Betrieb. Er engagiert sich leidenschaftlich für den Rotary-Club Mainz, der humanitäre Dienste leistet und sich für Frieden und Völkerverständigung einsetzt. Gleich dem Mainzer Motto – Feste soll man feiern, wie sie fallen – wurde in der Mittagszeit das Buffet eröffnet. Feinste Speisen der Fleischboutique Edelbeef fanden sich auf den Tellern der Gäste wieder, dazu schmackhafte Salate und zum Kaffee köstliches Naschwerk in Kuchenform. Einen richtigen Lieblingswein hat Hans Willi nicht, doch sein Herz schlägt etwas höher bei der Verkostung von Riesling und vollmundigen Rotweinen. Unter den Gästen tummelten sich Sigrid Lemb-Becker, Pfarrer Michael Bartmann und Marcus Clauß, der es begrüßte, dass Hans Willi Fleischer als sehr konstruktiver Winzerkollege und Nachbar mitwirkt. „Hans Willi ist immer offen für Neues“, sagte Clauß. Stefan Fleischer hat den Betrieb 2015 übernommen und führt ihn erfolgreich weiter. Dennoch greift er, wenn möglich, auf die immense Erfahrung seines Vaters zurück. „Mein Vater hat im Alter von 15 Jahren mit Pflug und Pferd auf dem Acker gearbeitet und davon geträumt, hier sein Heim zu bauen“, erinnerte sich Stefan. Dieses Vorhaben hat H.W. Fleischer umgesetzt. „Ich danke meinen Eltern“, sprach Stefan Fleischer, „und freue mich darauf, noch viele Jahre mit meinem Vater Wein zu machen und zu genießen.“

Thorsten Söchtig