EBERSHEIM – Die Fernsehserie „Bauer sucht Frau“ ist wohl, jedenfalls dem Namen nach, fast jedem bekannt – vielleicht sollte man aber lieber einmal ein Format namens „Ort sucht Arzt“ drehen, denn das ist leider häufiger der Fall. Derzeit ist auch Ebersheim betroffen: Nach der Schließung einer der drei Arztpraxen Ende 2017 haben die anderen beiden niedergelassenen Hausärzte nicht die Kapazitäten, für alle Patienten des Stadtteils eine ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Vor allem für ältere Menschen ist das ein Problem, sind sie doch meist nicht mehr mobil genug, um den Weg in weiter entfernte Arztpraxen anzutreten – besonders prekär, da Ebersheim laut Ortsvorsteher Matthias Gill die höchste Seniorenrate der Mainzer Stadtteile hat.
Dem Schlüssel des Bundes zufolge ist aber im Gebiet Mainz und Umfeld eine ausreichende Versorgung vorhanden: Auf einen Arzt sollen um die 1671 Einwohner kommen. „Dabei ist es allerdings erst einmal unerheblich, wo genau die Ärzte ihre Praxis haben, es kann sein, dass sich in der Stadt mehr Ärzte niederlassen als auf dem Land“, erklärt Dr. Rainer Saurwein, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Heißt also konkret: Betrachtet man nur Ebersheim selbst mit seinen knapp 5900 Einwohnern, ist der Stadtteil unterversorgt, offiziell wird aber das Gebiet Mainz als Ganzes betrachtet, und in diesem Rahmen ist die Vorgabe erfüllt – bleibt trotzdem das Problem der weiten Wege für die Senioren. Allerdings ist nicht gesagt, dass die Praxis in Ebersheim leer bleibt. Das Verfahren zur Nachbesetzung dauert nämlich: Zuerst muss der alte Arzt einen Antrag auf Wiederbesetzung beim Zulassungsausschuss stellen, welcher diesen prüft und dann an die Kassenärztliche Vereinigung weitergibt, die die freie Praxis ausschreibt. Interessenten nehmen dann Kontakt mit dem alten Arzt auf und stellen einen Antrag auf Zulassung. Wenn sich allerdings ein halbes Jahr lang niemand auf die Stelle bewirbt, kann es sein, dass der Sitz erst einmal verfällt.
Um das zu vermeiden, hat der Ortsvorsteher Matthias Gill eine Anzeige auf dem Online-Portal „Ort sucht Arzt“ der Kassenärztlichen Vereinigung veröffentlicht. Die Ortsverwaltung werde auch immer wieder auf den Ärztemangel angesprochen, so erklärt er: „Vorher kam jemand, der berichtet hat, er wäre schon um halb acht bei einem Hausarzt gewesen, obwohl dieser erst um acht aufmacht, und da hätten schon fünf, sechs Leute gewartet!“ Das Problem an der Rechnung der Kassenärztlichen Vereinigung sei, dass alles über einen Kamm geschoren werde: „Man sollte auch schauen, dass weiter entfernte Vororte diese Versorgung haben, nicht nur das gesamte Gebiet“, so Gill. Allerdings hat es bereits positive Reaktionen auf die Anzeige gegeben: „Es haben mich schon zwei interessierte Ärztinnen angerufen, die habe ich mit dem Vermieter zusammengebracht!“

Veronika Königer