WEISENAU – Endlich ist der Sommer da und obwohl es auch in der Heimat heiß und sonnig ist, träumen viele wohl von einem Urlaub am Meer oder haben ihn schon geplant – und in diesem Rahmen auch häufig Flüge gebucht, um das Reiseziel schneller zu erreichen. Dabei wird oft wenig darüber nachgedacht, dass das Flugzeug nicht nur ein angenehmes und zeitsparendes Verkehrsmittel ist, sondern auch viele negative Auswirkungen hat. Diese bekommen gerade besonders die Bürger in Weisenau zu spüren. In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni haben sechs Flüge zwischen 23 Uhr und Mitternacht ihren Schlaf gestört – und das ist mittlerweile keine Ausnahme mehr.
„Letztes Jahr sind nur 25 Prozent bis 30 Prozent der Flüge jährlich über Mainz geleitet worden, dieses Jahr sind es schon 50 Prozent, also jeden zweiten Tag Fluglärm!“, berichtet Tobias Hoffmann von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm Mainz-Weisenau. Zwar soll die sogenannte Rückenwindkomponente, die vorschreibt, dass erst ab einer Geschwindigkeit von fünf Knoten Rückenwind aus Sicherheitsgründen über den Westen des Frankfurter Flughafens, also über Mainz, gestartet und gelandet wird, die Wohngebiete schützen, aber er bezweifelt, dass dies immer eingehalten wird. Problematisch ist auch das Prinzip der Nachtfreistunde zwischen 23 und 24 Uhr: Flüge, von denen nicht von vornherein geplant wurde, dass sie verspätet ankommen, die aber dennoch Verspätung haben, zum Beispiel aufgrund schlechter Wetterlage am Startflughafen, dürfen in dieser Zeit landen. Laut Hoffmann werden solche Ausnahmen aber sehr großzügig genehmigt: „Ein Grund für eine nicht eingeplante Verspätung ist schnell gefunden!“ Vor allem Billigfluglinien seien es, die in diese Nachtfreistunde fallen.
„Mit diesen Ausnahmeregelungen hat sich die hessische Landesregierung ein Eigentor geschossen“, erklärt Tobias Hoffmann weiter. Zu wenig kontrollierbar sind die Genehmigungen der Ausnahmen, dabei muss dringend etwas dagegen unternommen werden – denn die vielen Flüge schädigen nicht nur die Umwelt, sondern die Lärmbelastung macht ebenfalls krank.
Das will nun auch die Ortsverwaltung nicht mehr tatenlos hinnehmen. In der Juni-Ortsbeiratssitzung wurde eine parteienübergreifende Resolution verabschiedet, in der das Land Rheinland-Pfalz dazu aufgefordert wird, sich mit den hessischen Behörden in Verbindung zu setzen, damit sie etwas gegen das erhöhte Flugaufkommen über Mainz und dem damit verbundenen Lärm unternehmen. „Wichtig ist dabei vor allem, dass das Flugverbot von 23 bis 5 Uhr eingehalten wird“, betont Ortsvorsteher Ralf Kehrein. Alle Parteien seien sich bei dieser Maßnahme einig gewesen: „Das wurde einmütig beschlossen, wir sitzen wirklich alle im selben Boot.“ Auch an die anderen Mainzer Ortsvorsteher will er mit der Problematik herantreten und er erhofft sich dabei Erfolg: „Alle finden das nervig und wollen etwas dagegen unternehmen. Und das ist wichtig, denn nur gemeinsam können wir da etwas schaffen!“

Veronika Königer