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EBERSHEIM – (kd) Nachdem ihr Held nun auf der Internationalen Raumstation angekommen ist, hat sich für die Kinder der katholischen Kindertagesstätte St. Laurentius in Mainz-Ebersheim die erste Gelegenheit ergeben, Alexander Gerst bei einem Amateurfunk-Gespräch mit Schülern in Leverkusen und Herrenberg unmittelbar zuzuhören. Immerhin fiebern sie schon seit Wochen mit ihm mit und bereiten sich mit einem eigenen Weltraum-Projekt auf seine Mission vor. Um ihn jetzt einmal selbst zu hören, besuchten sie die Amateurfunkstation von Andreas Imse, der sich unter dem Rufzeichen DJ5AR schon lange mit Funktechnik auf der Erde und im Weltraum beschäftigt.
Seit der NASA-Astronaut Owen Garriott im Jahr 1983 ein Amateurfunkgerät auf einen Flug mit dem Space-Shuttle Columbia mitgenommen hat, sind immer wieder Astro- und Kosmonauten als Funkamateure aus dem Weltraum zu hören. In der Folge waren auf der russischen Raumstation MIR und sind auf der Internationalen Raumstation entsprechende Geräte installiert, die der Besatzung in ihrer Freizeit, aber auch für verabredete Kontakte mit Schülern und Jugendgruppen zur Verfügung stehen. Die feste Installation der Geräte geht auf die Initiative von ARISS – „Amateur Radio on the International Space Station“ – zurück, einer Organisation von Funkamateuren vieler Nationen, die in enger Zusammenarbeit mit den an der ISS beteiligten Raumfahrtagenturen für die Ausrüstung sorgt und Funkkontakte von Astronauten mit jungen Menschen überall auf der Erde koordiniert.
So sind auch für Alexander Gerst, der im Rahmen seiner Astronautenausbildung die Prüfung für eine Amateurfunklizenz abgelegt hat und gern von seinem Großvater erzählt, der als Funkamateur eine Funkstation sein eigen nannte, eine ganze Reihe von Kontakten mit deutschen Schulen vorgesehen. Die erste Funkverbindung stellte er jetzt mit dem Werner-Heisenberg-Gymnasium in Leverkusen und dem Schickhardt-Gymnasium in Herrenberg her. Die Weltraumkinder waren fasziniert, als sich die Stimme des Astronauten aus dem Rauschen herausschälte und immer verständlicher wurde. Die Antenne über ihren Köpfen erfasste die ISS, als sie sich im Westen über den Horizont erhob, und verfolgte die Bahn der Raumstation, bis sie im Osten hinter dem Horizont verschwand. „Delta Lima Zero India Lima  ISS copies loud and clear, welcome to the International Space Station!“ So rief der Astronaut die Schule in Leverkusen, die in Ebersheim nicht zu hören war, weil sie sich zu weit entfernt hinter den Bergen im Norden befindet. Für die Kinder war das aber nicht verwunderlich, hatten sie sich doch in den letzten Tagen mit dem Thema „Horizont“ befasst und mit Walkie-Talkies festgestellt, dass eine Funkverbindung schlechter wird, wenn man sich nicht mehr sieht. Das war jedoch kein Problem, da die Fragen der Schüler vorlagen. Die Kinder hatten sich auch überlegt, was sie den Astronauten fragen würden, hätten sie die Gelegenheit dazu. Deshalb war es spannend, dass die Schüler oft das Gleiche von „Astro-Alex“ wissen wollten. Alexander Gerst antwortete in Deutsch und war in Ebersheim laut und deutlich zu hören, wenn er etwa erläuterte, warum man in der Schwerelosigkeit nicht so einfach rülpsen kann oder was seine Lieblingsessen auf der Raumstation sind. Als die ISS ihren Weg nach Osten fortsetzte, übernahm die Schule in Herrenberg, südlich von Stuttgart. Deren Schüler setzten die Fragestunde fort, bis sich der Astronaut nach insgesamt etwa 10 Minuten kurz vor dem Verschwinden der ISS im Osten von den Herrenbergern verabschiedete: „This is the International Space Station – out!“