NIERSTEIN – (kd) Über fünf Jahrzehnte waren die Musikerinnen und Musiker vom Trommler- und Fanfarencorps Nierstein fester Bestandteil bei jedem Winzerfestumzug, bei jeder Winzerfesteröffnung, an Fastnacht, bei den Rosenmontagsumzügen und bei zahlreichen kulturellen Veranstaltungen der Stadt Nierstein. Doch leider geht in diesem Jahr eine seit 1953 andauernde Ära zu Ende. Die Verantwortlichen vom Trommler- und Fanfarencorps Nierstein haben zum Beginn der Sommerferien die Schlüsselgewalt für ihre Räumlichkeiten in der Grundschule, und damit ihr komplettes Inventar, angefangen von den Instrumenten über die Uniformen bis hin zu den Noten, an die Stadt Nierstein übergeben. „Mir tut es in der Seele weh, dass solch ein Traditionsverein augenscheinlich keine Zukunft mehr hat“, bedauert Stadtbürgermeister Thomas Günther. „Ich habe die Bemühungen der Verantwortlichen in den letzten Jahren durchaus wahrgenommen, neue Mitglieder zu gewinnen. Der Zeitgeist spricht aber leider eine andere Sprache“, so Günther weiter. Auch Bürgermeister Klaus Penzer bedauert diesen Schritt. Schließlich ist er der Hausherr der Grundschule, in der die Musikerinnen und Musiker ihr Inventar lagern, und in der zahllose Musikstunden abgehalten wurden. Dieses Inventar ist nun in den Besitz der Stadt Nierstein übergegangen, die natürlich gemäß Zusage des Verbandsbürgermeisters die Räume in der Grundschule weiter nutzen kann.
Der 1953 gegründete Verein erlebte seine Hochzeit in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das ehemalige Weingut „Heyl zu Herrnheim“ war damals die Adresse, wo man sich traf, feierte und die Geschicke des Vereins lenkte. Traditionell führte das Trommler- und Fanfarencorps mit einer Stärke von knapp 50 Musikerinnen und Musiker die damaligen Winzerfestumzüge an, an deren Ende sich Ritter Hundt mit seinem Gefolge in einem prächtigen Festwagen formiert. Für das damalige Weindorf auf dem Marktplatz war das Engagement des Trommler- und Fanfarencorps Nierstein genauso ein Gewinn wie für das traditionelle Winzerfestspiel, welches mangels Akteuren heute leider auch nicht mehr stattfinden kann.
Alice Höber, Hans-Wilhelm Kehl und Willi Merz, die mit der Abwicklung des Vereins betraut sind, blicken jedoch insgesamt auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte zurück, die geprägt war durch Freundschaften, kollegiales Miteinander und jeder Menge positiver Begegnungen.
„Jetzt machen wir erst einmal Kassensturz“, so das Trio, „und spenden dann, was übrig bleibt gleichermaßen verteilt an alle vier Kindergärten in Nierstein und Schwabsburg“.