NACKENHEIM – Ein Mann in dunklem Anzug, mit Fliege und Einstecktuch, der auf der Bühne der Carl-Zuckmayer-Halle ständig auf und ab geht und dabei ununterbrochen redet, das kann nur Ramon Chormann sein. Ein bisschen wie früher der Lehrer im Unterricht, bezieht der Kabarettist seine Inspiration anscheinend durch Bewegung. Oder anders gesagt: Ihm fällt dabei laufend eine Pointe ein.

Bei der Präsentation seines aktuellen Programms: „… oder sunscht was!“ dreht sich alles um die tausenderlei Entscheidungen, die täglich getroffen werden müssen. Die große Frage vor jeder Entscheidung lautet immer wieder: Will ich des, des, oder sunscht was?

Ständig kommt er dabei auf seine Kindheit in einem Dorf bei Kirchheim-Bolanden zurück. Nach seiner Interpretation ist es der Ursprungsort von Toleranz und friedlicher Koexistenz. Er stellt diese These sehr überzeugend auf, denn er selbst ist in diesem Dorf aufgewachsen und weiß, wovon er spricht. Jedenfalls kann man ohne Weiteres seinen Argumenten folgen, dass früher alles nicht unbedingt besser, aber anders war.

Zur Einleitung nahm Chormann sich aber zunächst der Weltpolitik mit den aktuell agierenden Despoten an, beziehungsweise diese auf’s Korn. Dabei sparte er nicht mit beißender Kritik an den üblichen Verdächtigen – vom amerikanischen Frisörverweigerer über den türkischen Vollidioten, den koreanischen Atom(spreng)kopf bis zu Viktor Orban bekam jeder in der schonungslosen Analyse des Kabarettisten sein Fett ab. Besonders Trump war Ziel des Spotts und Chormann fasst es kurz und knapp so zusammen: „Ich bin heit widder so bleed, ich kennt Amerika regiere.“

Aber zurück zu den Entscheidungen: Schon beim Aufwachen fängt das Dilemma an und endet erst mit dem Einschlafen. In einem Feuerwerk von Beispielen führt er dem Publikum die Schwierigkeiten vor Augen, die das Treffen dieser Entscheidungen bedeuten kann. Brillant nimmt Chormann seine Zuhörer mit auf seine Reise durch die alltäglichen (Fehl-) Entscheidungen, die unser Leben so sehr beeinflussen. Auch an seinem eigenen Werdegang, der damit begann, dass er im Schulbus den Fahrer nachäffte und in Kopfrechnen und Singen besser war als sein Klassenlehrer, verdeutlichte er, wie Entscheidungen das Leben beeinflussen. „Hätte ich damals schon gewusst, dass ich in der Folge freitags in Nackenheim auf der Bühne stehe, hätte ich mich vielleicht ganz anders entschieden“.

„Running Gag“, der sich durch die gesamte Veranstaltung zog, war der reinigungstechnisch kritikwürdige Zustand der Halle. Allerdings war dieser größtenteils darauf zurückzuführen, dass die Halle gerade im Zuge einer umfassenden energetischen Sanierung noch einige Baustellen aufwies. Normal ist das ansonsten nicht. Ungeachtet dieser Einschränkung erlebten die Gäste aber einen sehr unterhaltsamen, teils nachdenklichen, aber in jedem Fall sehr tiefgründigen Abend mit Ramon Chormann. Das war edles Kabarett mit Tiefgang und trotzdem witzig.

Wolfgang Bohrmann