LAUBENHEIM – Eine imposante Veranstaltung war die Akademische Feier anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Sängervereinigung 1844/71 Laubenheim. Die Organisatoren des Vorstands und alle Helfer ließen sich viel einfallen, um den 200 Besuchern im Katholischen Pfarrheim ein abwechslungsreiches und stilvolles Mittags-Event zu bieten. Informativ und kurzweilig begleiteten die Moderatoren Natacha Olbrich und Bernhard Marin das Programm. Die lange Gästeliste wurde angeführt von Schirmherrin und Kulturdezernentin Marianne Grosse, dem Präsidenten des Chorverbands Rheinland-Pfalz Karl Wolff, den Vorstandsmitgliedern des Kreischorverbands Cornelia Albes und Walter Weimer sowie Vertretern aller Laubenheimer Vereine. Nach dem Sängergruß beider Chöre startete der Männerchor eindrucksvoll den musikalischen Teil mit „Cekolina“ aus dem gleichnamigen tschechischen Tanzlied-Zyklus und dem Karat-Klassiker „Über sieben Brücken musst du gehen“. Die auf einer Wand-zu-Wand-Tafel von allen Aktiven formierte Zahl 175 und eine riesige Bildercollage aus der Vereinsgeschichte waren optische Highlights. Die Schirmherrin gratulierte dem Verein zu diesem „bedeutenden Tag“. Sie betonte, dass Mainz eine große Beziehung zur Musik u.a. durch Peter Cornelius und Richard Wagner habe. Dafür zeuge auch die Tatsache, dass es hier 138 Musik- und Gesangvereine gibt. Auch die SVL sei seit 175 Jahren ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Stadt. Den vielen ehrenamtlichen Helfern stattete sie unter starkem Beifall einen großen Dank ab und überreichte eine Ehrenurkunde des Oberbürgermeisters. Ortsvorsteher Gerd Strotkötter gab einen kleinen historischen Rückblick über die vergangenen 175 Jahre. Der Verein habe in den langen Jahren viele schreckliche Zeiten überstehen müssen. Er dankte dem gesamten Vorstand und dem Dirigenten Antonio Sarnjai für die vielen wunderbaren Auftritte in und um Laubenheim. Beide Chöre vermitteln gesellschaftliche und kulturelle Werte im Stadtteil. Karl Wolff, der Präsident Chorverband Rheinland-Pfalz,  überbrachte die Grüße der Dachorganisation und überreichte eine Ehrenurkunde. Er bezeichnete den 175. Geburtstag des Vereins als etwas Außergewöhnliches. Solche Vereine seien die Säulen der Gesellschaft, die ohne diese nicht lebensfähig wäre. Gemeinsinn und Solidarität seien wichtiger als persönlicher Egoismus. Er lobte die Gründung des 2012 gegründeten gemischten HeartChors, der erfolgreich angenommen werde. Sein Credo war, dass der Mensch das Singen als individuelles und soziales Lebenselixier braucht. Höchst interessant war der Vortrag des mehrfach ausgezeichneten Laubenheimer Ortshistorikers Dr. Gebhardt Kurz, der einen geschichtlichen Bogen über die ersten 100 Jahre des Vereins spannte. In den 1840er Jahren pflegte man die häusliche Kultur wie bspw. die Hausmusik, die zur Gründung von Gesangvereinen führte. Höchst anschaulich, launig und augenzwinkernd dozierte Ehrenvorsitzender Norbert Leineweber mit exakten Jahresangaben in freier Rede über die Geschichte der SVL seit 1945. Plastisch und lückenlos skizzierte er viele bemerkenswerte Aktivitäten aus allen Jahren seit 1945. Es gab Aufführungen von Operetten (1949-1955), eine große nachgeholte 100-Jahr-Feier mit einem Festkommers und Fahnenweihung 1952, später dann die Gründung eines Knabenchors, die  Einrichtung des Parkfests und und und….. Lebendig unterstützt wurde dies von vielen Bildern. Auch bei den ersten zaghaften Annäherungen an die französische Partnergemeinde Longchamp (Côte-d’Or) gehörte die SVL zu den Vorreitern. Der brillante Redner zählte namentlich alle Chorleiter dieser Zeit auf, erweckte Erinnerungen an jede Jubiläumsfeier und gab weitere lustige Anekdoten preis. Verständnisvolles Schmunzeln wechselte sich dabei im schnellen Rhythmus mit herzhaftem Lachen ab. Bei der Teilnahme am Hamburger Chorfest 1983 wurde das Band zum Gesangverein Havighorst-Borbeck geknüpft. Gegenseitige Besuche finden seitdem im 5-Jahres-Rhythmus statt. Geschichte schrieben die Sänger bei einem Bummel durch die Hamburger Gänsemarkt-Passage, als sie spontan ein paar ihrer Lieder intonierten. Viele Menschen blieben dabei stehen und lauschten. Das war zweifellos die Erfindung des „Flashmobs“. Es folgte ein weiterer Ohrenschmaus auf dem Programm. Der HeartChor gab eine Kostprobe seines facettenreichen Könnens mit „Imagine“, John Lennons Traum einer besseren Welt und „Skyfall“, aus dem gleichnamigen Bond-Film. Es schlossen sich zahlreiche Ehrungen für langjährige Mitglieder an. Ausgezeichnet wurden für 25 Jahre Hugo Frank, Wolfgang Stampp und Klaus Veith, für 40 Jahre Peter Hauser, für 50 Jahre Klaus Kasten, für 65 Jahre Norbert Leineweber und für 70 Jahre Oswald Göhlen. Für besondere Verdienste um den Verein wurden Lothar Wölke, Eduard Ginter, Alfred Schembs und Rainer Zöller geehrt. Eine 500-Euro-Spende vom Reinerlös des Adventskonzerts wurde Schulleiterin Monika Jendralski für die Grundschule und den Förderverein überreicht. Glänzender Abschluss war ein gemeinsamer Auftritt beider Chöre mit John Rutters Chor-Klassiker „Schau auf die Welt“, der die zweistündige, toll inszenierte Feier ausklingen ließ. Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen des souveränen Chorleiters Antonio Sarnjai. Perfekt unterstützt wurden Chöre und Dirigent von der jungen Pianistin Mirijam Gangluff.

Die Jubilare und Geehrten (v.l. N. Olbrich und B. Marin mit L. Wölke, K. Veit, H. Frank, W. Stampp, K. Kasten, O. Göhlen, N. Leineweber, P. Hauser, A. Schembs, E. Ginter, R. Zöller – Foto: Klaus Schmitt

Klaus Schmitt