LAUBENHEIM – Einzig am frühlingshaften Wetter konnte sich Ortsvorsteher Strotkötter bei der spektakulären Rathauserstürmung am Ultimo des Februar (28.2.) erfreuen. Denn nun war auch für ihn fünf Tage lang Feierabend im Rathaus. Eine stattliche Menge aufgebrachter Bürger im Narren-Outfit ließ sich weder von ihm noch seiner „großen“ Hilfe OB Ebling aufhalten. Dieser flehte  mit einer  höchst bescheidenen Ausrede um (unverdiente) Gnade. Er wies dabei auf die Geschenke der Stadt während der letzten fünfzig Jahre seit der Zwangseingemeindung an den Stadtteil hin. „Hervorragende Errungenschaften“ hätten die Mainzer dem Vorort gebracht. Weil niemand etwas damit anfangen konnte, schlug ihm dafür ein ohrenbetäubendes Buhen entgegen. Das Tänzchen der bombastisch auftretenden „Weltentdecker“ aus der katholischen Kita als Weck-Worsch-un-Woi-Römer konnte das rasende Narrenvolk nur sehr bedingt beruhigen.

Die Kita-Kids – Foto: Jupp Heck

Die vielen verteilten Süßigkeiten verbesserten die aufgebrachte Stimmung nur temporär. Dann kam es aber knüppeldick für die beiden (addiert über 4 Meter hohen) Verwaltungs-Chefs.

Die Ankläger: Keil und Merz (v.l.n.r.) – Foto: Jupp Heck

Es erschienen die „Ankläger“ die derzeit über Laubenheim das Zepter schwenkenden, gelb bewesteten (o,là,là) Laubenheimer Fastnachts-Lichtgestalten und  Präsidenten der KG ULK, Uwe Merz und der Schwarzen Gesellen (SGL), Matthias Keil. Sie prangerten gnadenlos und knallhart die vielen Missstände im Ort an. Für all diese sahen sie den Ortsvorsteher in der Verantwortung. An den Haaren herbeigezogene Themen fegten dabei über den Longchampplatz (die derzeitige „Neue Laubenheimer Mitte“). Es ging dabei um die „Schnakenplage wegen Pfützen in der Unterführung“, „das skandalöse Nichtstun bei der Erweiterung der Siedlungsgrenzen“ und „bei der Renovierung des Gebein-Hauses“ auf dem Friedhof. Bei Letzterem plane der OV gar eine Umwandlung in eine Stehbierhalle. Die Anklageschriften wurden mit orkanartigem Gegröhle honoriert und alle „Anklagepunkte“ endeten lapidar und unisono mit den Worten: „Gerd ist an allem schuld“. Anwesende und tief bewegte Ortsbeiratsmitglieder zeichneten sich bei der ganzen Zeremonie durch beschämtes Schweigen aus. Auf eine Verteidigung verzichtete der in eine Depression verfallene Angeklagte resigniert. Die Nutzlosigkeit war augenscheinlich. Widerstandslos wurde nun das vierfarbbunt beflaggte Rathaus dem heulenden Fastnachts-Mob übergeben. Es gab kein Halten mehr. Zutiefst betroffen musste Strotkötter die Verlesung des närrischen Grundgesetzes über sich ergehen lassen, skandierend beschworen vom Narrenvolk. Ins Rathaus abgeführt musste er mit ansehen, wie das aufgereihte Weck-Worscht-un-Woi-Buffet im Zeitraffertempo (allerdings mit seiner tatkräftigen Hilfe) schnell seiner endgültigen Bestimmung zugeführt wurde. Dort war auch in Fritz Berenas kleinem Museum eine imposante Sammlung von Fastnachtsorden aus ganz Deutschland ausgestellt.

Klaus Schmitt