BODENHEIM – Das gab es noch nie: 4 Landräte des Landkreises Mainz-Bingen eröffnen eine Ausstellung über die Geschichte des Landkreises Mainz-Bingen. 50 Jahre wird der Landkreis dieses Jahr – Grund genug, mit Bildern, Texten und Grafiken viele Details zu beleuchten. Das wichtigste Exponat ist aber der Schreibtischstuhl des Landrates. Und der ist nun 50 Jahre alt und wurde erstmals im letzten Jahr ersetzt.

Landrätin Dorothea Schäfer: „Der Stuhl der Landräte hat Geschichte erlebt. Er war bei vielen Entscheidungen dabei, bot 4 Landräten Platz, aber nun wurde es Zeit für einen Neuen. Der schwarze wurde gegen einen modernen roten getauscht.“

Von den fünf Landräten leben noch vier – Johann Wilhelm Römer (1977-1985), Gerulf Herzog (1985-1991), Claus Schick (1992-2017) und seit 1.10.2017 ist Dorothea Schäfer amtierende Landrätin und somit auch die erste Frau im Amt eines Landrates. Und es war spannend zuzusehen, wie die vier sich austauschten. „Wir mischen uns ja nicht in das Tagesgeschäft von Frau Schäfer ein, aber wenn sie fragt, stehen wir bereit“ so Gerulf Herzog.

Der Landkreis Mainz-Bingen wurde im Rahmen der Kreisreform der Landesregierung 1969 aus den Landkreisen Bingen und Mainz gebildet. Damals war Peter Altmeier (CDU) Ministerpräsident. Im Rahmen der Ausstellung wird noch auf den Landkreis Oppenheim hingewiesen, der aber schon viele Jahre vorher aufgelöst wurde.

Der Landkreis Bingen besteht aktuell und bestand damals aus vielen Orten, die heute zu Alzey-Worms, Bad Kreuznach oder Rhein-Hunsrück gehörten. Da wurde vor über 50 Jahre viel hin und her geschoben, bis die heutige Struktur geschaffen war.

Den ersten Sitz des neuen Landkreises gab die Landesregierung vor: Erthaler Hof an der Schillerstraße mitten im Herzen von Mainz„Und das ging gar nicht, dass der Sitz der Kreisverwaltung nicht innerhalb des Landkreises ist“ – so Frau Sprenger, die die Ausstellung konzipierte.

Die Suche nach dem neuen Sitz der Kreisverwaltung war damals eine Herausforderung.

Man schaute sich um, wo die Kreisverwaltung zentral geschaffen werden soll: Oppenheim oder Bingen oder doch in die Mitte des Landkreise. Nach vielen Ideen wurde Ingelheim der Favorit – also baute man dort auf einem Grundstück der Stadt die neue Zentrale – heute schon wieder viel zu klein – aber rund. Mit aktuell 211.000 Einwohner im Landkreis wachsen die Aufgaben zu Zuständigkeiten, also wird auch weiterhin erweitert.

In der Ausstellung werden viele Aufgabenfelder des Landkreises beleuchtet: von der Ehrenamtsförderung, Ausländerbehörde, Sicherheit und Ordnung mit der Kommunalaufsicht, über Jobcenter, Recht und Bauen, Straßenverkehr und Kfz Zulassung, Veterinär und Gesundheit, Sozialbereich, Jugendamt und vieles mehr. Herausgehoben u.a. wird die kulturelle Förderung am Beispiel der Zuckmayer Festspiele in Nackenheim.

Selbst die Geschichte des Wappens zeigt die geschichtlichen Wurzeln, aus denen der Landkreis gegründet wurde: Das Rad steht für das ehemalige Fürstbistum Mainz, der Löwe für die kurpfälzischen Gebiete des Kreises und der Adler weist auf die Reichsgüter bei Ingelheim, Oppenheim und Nierstein hin – so wurde es am 6. Mai 1970 genehmigt.

Landrätin Dorothea Schäfer: „Wir bauen eine weitere kreiseigene Schule in Oppenheim und sind auch weiterhin auf Expansionskurs. Es geht aufwärts im Landkreis Mainz-Bingen.“

Wolf-Ingo Heers