BODENHEIM – „Igitt – da ist ja ein Gebiss in der Torte!“ ruft Mathilda, gespielt von Monika Kiesch. Wöchentlich treffen sich die drei hoch betagten Freundinnen Mathilda, Marta (Annelie Sieben) und Thea (Marion Metzler) und meistens auch Frieda (Fides Dietz). Sie essen selbst gebackene Torten und halten ein Schwätzchen – meistens aber ziehen sie über die Nachbarn und Freunde her. Als Frieda wieder mal zu spät kommt, entschuldig sie sich, „Es hat auf dem Friedhof etwas länger gedauert.“ Schnell bekommen die drei Frauen mit, dass Frieda eine „Beerdigungs-Touristin“ ist, um auf dem Friedhof Männer kennen zu lernen.

Das Brautpaar (Frieda und der Schotte Wilhelm) und Pfarrer Ernst probieren den „Wasser-Wein“

„Und, was soll ich euch sagen – ich habe meinen zukünftigen Mann – den Schotten Wilhelm aus Edingburgh kennen und lieben gelernt und er hat um meine Hand angehalten!“ so Frieda. „Die Hochzeit ist schon nächste Woche – Zeit haben wir nicht zu verlieren!“

Das war nur der erste von vier Akten. Es wurde noch turbulenter, das Publikum klatschte Szenenapplaus, und die Stimmung im Kulturkeller des Bürgerhauses Dolles stieg. Johannes Schöller, Autor und Regie, war mehr als zufrieden mit seinen Grauburgundern. Diese zeichnen dadurch aus, dass das Einstiegsalter mind. 60 Jahre ist. Fides Dietz ist 80 Jahre und der Pfarrer Ernst (Theo Neufurth) schon 81 Jahre. „Ein Wunder ist geschehen“ – so der Titel des Luststückes wird schon seit einem Jahr einstudiert. Es ist das zweite Projekt der Grauburgunder. Der Förderverein Applaus e.V. ist der Veranstalter.

Alle 16 Mitwirkenden hatten Spaß und lachten auch gerne über sich selbst, als der Text nicht so herauskommen wollte. Das Volkslied „Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär“ wurde angestimmt und der ganze Saal schunkelte und sang mit. Turbulent bis zum Ende.

Zwischen jedem Akt bekamen die Zuschauer eine Weinprobe kredenzt. Gekonnt und charmant mit vielen kleinen Anekdoten zum Thema Wein erklärte Dominic Leber (Weingut Kastanienhof – Winzer und Önologe) die Eigenschaften des Begrüßungssektes und der vier folgenden Weine. Weinprobe – Akt – Weinprobe usw. – der Abend war gefühlt schnell zu Ende.

Ach ja, das Gebiss: Es wurde bereits vermisst und „irgendwie schmeckte der Kuchen eh so komisch, so nach Corega Tabs!“ stellte Thea fest.

Und warum Wunder geschehen? Jeder Bürger sollte Wein in einem großen Fass zusammentragen, jeder brachte aber nur Wasser. Pfarrer Ernst: „Ein Wunder ist geschehen – Wein wurde zu Wasser!“

Wolf-Ingo Heers