Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, wie viele Fragen wir anderen Menschen stellen, auf die wir eigentlich gar keine Antwort haben wollen, weil sie uns überhaupt nicht interessiert. Oder wir wollen keine ehrliche Antwort – aus verschiedenen Gründen.

Wir rufen jemanden an, sagen Hallo und fragen – meist aus Höflichkeit, nicht aus wirklichem Interesse – „Wie geht´s?“ Und sind gedanklich schon bei unserem Anliegen, warten nur die belanglose Antwort mit anhängender Frage „Gut – und selbst?“ noch ab, erwidern vermutlich „Danke, auch gut!“ und kommen zu dem, was wir vom anderen wollen.

Was wäre, wenn der Angerufene sagen würde: „Gar nicht gut, ich habe da das und das Problem und komme nicht weiter“ und uns ehrlich sagen würde, wie es ihm geht? Wenn es nicht ein Freund oder ein Verwandter ist, wären wir wahrscheinlich sehr erstaunt und aus dem Konzept, denn eigentlich wollten wir ja nur eine Auskunft und wie es demjenigen wirklich geht, interessiert uns gar nicht.

Als meine Tochter ungefähr vier Jahre war, hatte ich an einem Tag heftige Kopfschmerzen. Gegen Abend wurde es etwas besser und wir beschlossen, zu unserem Lieblingsitaliener essen zu gehen. Als die Chefin an unseren Tisch kam, sagte sie: „Ei, hallo, schön, dass Ihr hier seid, geht´s Euch gut?“ Und hatte schon den Block gezückt, um die Getränke zu notieren. Ich sagte: „Ja, geht uns gut, Euch auch?“ Und meine Tochter sagte: „Aber Mama, dir geht es doch heute gar nicht gut, du hast doch Kopfschmerzen!“

Kinder erkennen das noch. Erwachsene erkennen es entweder nicht mehr oder sind es einfach gewöhnt, Floskeln zu verwenden. Wir stellen belanglose Fragen und geben belanglose Antworten. Wir sind halt höflich. Aber ist das nicht in Wirklichkeit total unhöflich?

Ihre Angelika Förster