Der Männerchor der SVL – Foto: Jupp Heck

LAUBENHEIM – Mit einem ereignisreichen Fest-Wochenende feierte die Sängervereinigung 1844/71  ihr außergewöhnliches 175-jähriges Jubiläum. Zwei spektakuläre Abende bot der Verein, die begeistert von den vielen Gästen aufgenommen wurden. Zunächst ein kleiner Abriss zur Geschichte der SVL im Zeitraffer-Tempo. 1844 waren es witziger Weise fünf Bretzenheimer, die die Laubenheimer animierten, einen Gesangverein zu gründen. Das selbst gesetzte Ziel war: „Mehrstimmiges Singen zur Beförderung des Gottesdienstes und der geselligen Unterhaltung.“ Schnell hatten sich 72 Männer gefunden, die im Vereinslokal „Zur Heilburg“ die Chorproben besuchten. Das bedeutete damals, dass jeder zehnte Einwohner ein Sänger war. Drei Kreuzer musste man zahlen, wenn man die Proben schwänzte. Nach dem 25-jährigen Jubiläum mit der Fahnenweihe 1869 gründete sich 1871 ein zweiter Laubenheimer Männerchor: der „Gesangs- und Arbeiterbildungsverein“.  Da ließ es sich sogar der im Sängergruß besungene Vater Rhein nicht nehmen, den beiden Vereinen 1883 bis hin zum Marktplatz seine respektvolle Aufwartung zu machen. 1924 luden die Sänger zum 80-jährigen Jubiläum 22 Vereine zu einem großen Wettstreit ein, die um den Gewinn von 4200 Flaschen Wein konkurrierten. Die schwarze Zeit von 1933 – 1945 war geprägt vom Zwangs-Zusammenschluss der beiden Vereine. Nur anlässlich von Totenfeiern waren damals Auftritte gestattet. Schlimm war die Zerstörung des Vereinslokals „Heilburg“ bei einem Bombenangriff, bei dem Noten, die Fahne und der Flügel  Opfer der Flammen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlaubte die linksrheinische französische Militärregierung die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeiten. Daraufhin beschlossen die Vorstände der „1844er“ und der „1871er“ die Fusion beider Vereine. Seitdem fungieren die Sänger unter dem Namen „Sängervereinigung 1844/71 Laubenheim“.

Das Moderatorenduo Lena Reiter und Lothar Wölke – Foto: Klaus Schmitt

Am dritten Mai-Wochenende wurde nun das große Jubiläum begangen. Die beiden Vereinschöre, der Männerchor und der 2012 gegründete gemischte HeartChor, eröffneten nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Bernhard Marin freitags ein Freundschaftssingen. Insgesamt elf Chöre aus der rheinhessischen Umgebung und  Hessen von Undenheim bis Kloppenheim gaben dabei eindrucksvoll ihre Visitenkarten dem begeisterten Publikum ab. Auch der Singkreis der einheimischen evangelischen Kirchengemeinde und der katholischen Kirchenchor boten dem Jubilar ihre Reverenz. Die Bandbreite der Darbietungen reichte von klassischen Chorliedern hin bis modernsten Kompositionen aus Deutschland, Schweden, Tschechien, Italien, Russland, Uruguay, England, Israel etc. Vom „Verleih uns Frieden gnädiglich“ (Mendelssohn-Bartholdy) über das „Chianti-Lied“ bis zum James Bond Theme „Skyfall“ wurden alle sechs gemischten Ensembles und fünf Männerchöre mit großem Beifall des sachkundigen Publikums honoriert. Die „Heim“-Chöre wurden hierbei von Antonio Sarnjai mit sicherer Hand dirigiert und von Mirijam Gangluff hervorragend am Klavier begleitet. So avancierte dieser Abend zum großen Genuss für alle Freunde des Chorgesangs. Etwas Besonderes ließ man sich für den Samstagabend einfallen. Beide Abende wurden bestens, informativ und routiniert von Lena Reiter und Lother Woelke moderiert.

Original-Blatt von 1925 des Liedes „Oh du mein Laubenheim“. Dieses Lied basiert auf einem Gedicht von Michael Enders und wurde vom Orts-Historiker Jupp Heck wieder entdeckt – Archiv Jupp Heck

Unter dem Motto „Von Laubenheimern für Laubenheimer“ gestaltete die SVL einen Abend, wie er in der jüngeren Geschichte des Stadtteils seinesgleichen suchen wird. Dort zeigte sich beeindruckend, wie man mit den Laubenheimer Fastnachtsclubs KG ULK und SGL und den Sportvereine TVL, SAV und AC 09 einen tollen Bunten Abend inszenieren kann. Der Sketch der acht Damen und Herren der Ulker zeigte sehr witzig die fiktive Gründung eines Gesangvereins noch vor 1844. Die SGLer Matthias Keil mit seinem Dauerbrenner „Du bist Laubenum“ und Georg Hessling mit Moritaten aus dem Ortsgeschehen bewiesen ihr gesangliches und textliches Können. Großen Sport boten die Gewichtheber/innen des AC 09, verstärkt durch Sportler vom AC Weisenau, die allesamt schon tolle Titel bis zum Weltmeister vorweisen konnten. Rasantes Taekwondo, die vom japanischen Karate inspirierte koreanische Kampfkunst, wurde von der Fachabteilung des TVL präsentiert. In Laubenheim immer wieder ein Highlight sind die Tanzgruppen des SAV. In Frack und Zylinder zeigten die bis elfjährigen Mädels der „In-betweens“ mit Ein-Mann-Verstärkung in Frack und Zylinder coole Steps und Moves des 1980 am Broadway uraufgeführten Musicals „42nd Street“. Natürlich untermalten auch die beiden SVL-Chöre den gelungenen Abend.

Höhepunkte waren dabei die Vorträge des „Laubenheimer Lieds“ und die „Welturaufführung“ des „Oh du mein Laubenheim“. Dieses Lied (hier das Original-Blatt von 1925) basiert auf einem Gedicht von Michael Enders aus dem Jahr 1925. Es wurde von Orts-Historiker Jupp Heck wieder entdeckt. Er bat den jungen Musiker Johannes Christ, dies zu vertonen. Michael Horber erstellte dann ein Arrangement für die SVL. Ein emotionaler und unerwarteter Höhepunkt des zweitägigen Festes des Laubenheimer Traditionsvereins.

Klaus Schmitt