BODENHEIM – Jeder, der sich mit der Laienmusik auseinandersetzt, weiß um die Nachwuchsprobleme dieser wie vieler auf ehrenamtlichen Strukturen beruhenden Vereine. Als Reaktion darauf kann man sich bedauernd in das eigene Schneckenhaus zurückzuziehen. Man kann die Situation aber auch als Herausforderung betrachten, Ursachenforschung zu betreiben und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. So, wie der Kreis-Chorverband Mainz (KCV).

Der KCV vereinigt über 40 Gesangvereine mit fast 2.300 Sängerinnen und Sängern aller Altersgruppen. Er erstreckt sich über die Landeshauptstadt sowie die Regionen Mainz-Bingen und Alzey-Worms. Erklärter Wunsch der Mitglieder war es, auch außerhalb der Stadt für den Chorgesang zu werben. So entstand die Initiative „Singen im Freien“.

„Wir machen das!“, war die entschlossene Reaktion des langjährigen Geschäftsführers des KCV Mainz Walter Weimer. Gesagt, getan. Am 30. Juni 2019 stand der „Gesangsverein Harmonie 1905 Bodenheim am Rhein“ zur Frühschoppenzeit im idyllischen Ambiente des Bodenheimer Dollesparks auf der Bühne und eröffnete sein a cappella-Konzert mit Schuberts „Bacchuslied“, einem Klassiker des Männerchorgesangs. Es folgte ein Potpourri aus bekannten Weinliedern, bevor sich die „Harmonie“ unter der Leitung von Stefan Both mit der Zugabe „Belle rose du printemps“ (Teo Usuelli) musikalisch von der Bühne verabschiedete.

Konzentrierte Blicke der Sängerinnen und Sänger aus Nieder-Olm auf Chorleiter Christian Wohlert – Foto: Ulrich Nilles

Dann kündigte Kreischorleiterin Cornelia Albes, die die Zuhörerschaft mit Sachverstand und Humor durch die Veranstaltung führte, den „Gesangverein Liederkranz 1946 Nieder-Olm“ an. Dieser war unter der musikalischen Gesamtleitung von Christian Wohlert mit gleich drei Formationen angereist. Zunächst besang der gemischte Chor den Morgen (Cat Stevens), erfreute die Zuhörerschaft mit Beethovens Hymne an die Freude, dem „Irish blessing“ (J. E. Moore) und beendete seinen Auftritt mit Mayerhofers „Überm See“. Es folgte der seit zehn Jahren bestehende Frauenchor mit dem Namen „ChoraLikra“, der mit „Don’t cry for me, Argentia“, „Vois sur ton chemnin“ und „Hallelujah“ mit Vielsprachigkeit überzeugen konnte. Den Schlusspunkt des „Singen im Freien“ setzte mit „ChoroNO“ wieder ein Männerchor. Seine schwungvoll vorgetragenen, Klavier begleiteten Chorsätze beendete er mit einem musikalischen Schmakerl, dem „Hahn von Onkel Giacometo“, einem Venezianischen Gondellied. Hier war nicht nur die singende, sondern auch das Hahnenkrähen imitierende Stimme gefragt.

Bedingt durch die Absage eines Gesangvereins ging der musikalische Teil an diesem sehr heißen Vormittag jetzt schon in das kulinarische Angebot über, das der KCV Mainz dem dankbar applaudierenden Publikum bereitet hatte. Denn die bereits vierte „Kultur im Dollespark“, in dessen Rahmen das „Singen im Freien“ stattfand, sei ein Open-Air-Event der Ortsgemeinde Bodenheim von Bürgern für Bürger, der ehrenamtlichen durch die Bodenheimer Verein gestaltet werde, so der Beigeordnete für Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus, Andreas Kappel.

Glücklicherweise hatte der Veranstalter für ein schattiges Plätzchen an diesem heißen Sonntagvormittag gesorgt – Foto: Ulrich Nilles

Walter Weimer dankte der Ortsgemeinde Bodenheim für die Bereitstellung der gesamten Logistik und der damit verbunden Förderung des Chorgesangs in der Region. Er selbst lässt sich durch das zögerliche Anlaufen dieses ersten „Singens im Freien“ nicht entmutigen und freut sich auf die nächste „Kultur im Dollespark“ im kommenden Jahr oder in einer anderen Gemeinde des KCV Mainz.

Neugierig geworden? Dann nehmen Sie Kontakt mit dem KCV auf: Tel.: 0 61 35/49 79 oder Mail: kcv-mainz-gf@t-online.de.

Ulrich Nilles