BODENHEIM – Wussten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dass sich hinter der Glasfassade des weltweit operierenden Unternehmens GEA Hilge in Bodenheim auf dem Werksgelände das einzigartige und einzige „Deutsche Pumpen-Museum“ befindet? Vielleicht, denn ein entsprechendes Schild an der Eingangstür weist darauf hin. Dass sich in dem Gebäudekomplex des Museums die Geschäftsräume der „Stiftung Berdelle-Hilge“ befinden, ist aber wohl den wenigsten Passanten bekannt.

Im September 1994 wurde die Stiftung Berdelle-Hilge vom damaligen Firmenbesitzer Philipp Berdelle-Hilge (+) gegründet und das Deutsche Pumpen-Museum in die Stiftung überführt. Das Pumpen-Museum verfolgt den Zweck, technische Ausstellungstücke und wertvolle schriftliche Dokumente zur Pumpenentwicklung durch die Jahrhunderte für die Nachwelt zu erhalten. Diese werden den Besuchern auf 400 m2 Ausstellungsfläche eindrucksvoll präsentiert.

Ein weiteres Kernziel der Stiftung ist die Förderung der Ingenieurwissenschaften, genauer gesagt auf dem Gebiet der Pumpen-Fluid- und Fördertechniken, wie in der Satzung festgeschrieben.

Die Stiftung hat es sich aber auch auf die Fahnen geschrieben, an die Basis der (Schul-)Ausbildung zu gehen, was man von einem Unternehmen in einer Zeit immer knapper werdender Förderressourcen zunächst nicht erwartet.

Jürgen Dorsch, Vorstand der Stiftung Berdelle-Hilge berät Elke Entenmann bei der Antragsstellung für den bundesweiten MNU-Kongress in Bingen – Foto: Ulrich Nilles

Im Blickfeld stehen dabei die so genannten MINT-Fächer (Mathematik – Informatik – Naturwissenschaften – Technik), die vor noch nicht allzu langer Zeit in den Fächerkanon der allgemeinbildenden Schulen aufgenommen wurden. Ziel: die Stärkung des naturwissenschaftlich-technischen Bereichs. Gefördert werden gleichermaßen schulische Arbeitsgemeinschaften, die sich mit diesem Themenkomplex auseinandersetzen. Die Stiftung Berdelle-Hilge vergibt unter anderem auch Einzelstipendien an besonders begabte junge Menschen.

Wer schon einmal das oft sehr aufwändige und genauso oft erfolglose Antragswesen durchlaufen hat, wird bei der Stiftung Berdell-Hilge positiv überrascht. Hier muss lediglich ein einfacher, von der Homepage der Stiftung unter www.stiftung-berdelle-hilge.de download- und beschreibbarer pdf-Bogen ausgefüllt und weitergeleitet werden. Auf diese Weise erreichen den Vorstand der Stiftung, Herr Jürgen Dorsch, jährlich ca. 50 – 60 Anträge. Herr Dorsch nimmt Kontakt mit den Antragsstellenden auf und erörtert im persönlichen Gespräch die Ziele des jeweiligen Projekts. Zwei Mal im Jahr prüft dann der Stiftungsrat die förderungswürdigen Anträge und entscheidet wohlwollend im Sinne der Antragsteller.

Das sehr unbürokratische Verfahren durfte der Autor in einem Kontaktgespräch zwischen Herrn Dorsch und der ehemaligen Chemie- und Biologielehrerin Elke Entenmann, Otto-Schott-Gymnasium Mainz, erleben. Ging es dort um nicht weniger als den 111. MNU-Bundeskongress 2020 in Bingen, der praxisorientiert ganz im Zeichen von MINT steht. Auch bei einem sehr komplexen Angebotsgeflecht wurden hier sehr schnell unbürokratische und pragmatische Lösungen gefunden.

Heute noch bekannt? Eine alte Feuerwehrpumpe – Foto: Ulrich Nilles

Betrachtet man weiter die Liste der geförderten Projekte, so befinden sich dort neben der Technischen Universität Kaiserslautern (Maschinenbau und Verfahrenstechnik) die Hermann-Staudinger-Realschule Konz (Solarboote), das Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim (didaktische Experimentiergeräte) und die IGS Ingelheim mit naturwissenschaftlichen Projekten für „Jugend forscht“. „Die beiden Schülerwettbewerbe ‚Jugend forscht‘ und ‚Schüler experimentieren‘ sind für uns wichtige Anlaufstellen zur Jugendförderung“, so Dorsch. Für diese Wettbewerbe lobt die Stiftung Berdelle-Hilge jährlich einen Schulpreis mit einem ansehnlichen Geldbetrag aus.

Die technische Entwicklung betrachtend sieht der Vorstand der Stiftung unter anderem auch die Anschaffung von 3D-Druckern als zukunftsorientierten Antragsgegenstand, um frühzeitig Kenntnisse zu Hard und Software bei diesen Geräten zu vermitteln.

Auf keinen Fall sollte man sich eine Führung durch das Deutsche Pumpenmuseum entgehen lassen. Kenntnisreich erläuterte uns Herr Dorsch auch kleinste Exponate und Ausstellungsstücke anschaulich und verständlich.

Die Gemeinde Bodenheim kann stolz sein auf dieses bundesweit einzigartige Museum und vor allem auf die großartige Jugendförderung, die hier geleistet wird!

Ulrich Nilles