Mehr Bürgerbeteiligung – Neugestaltung des Ortskerns. Anliegen von Tatiana Herda Muñoz (SPD). Kaum zwei Monate im Amt, begann die Hechtsheimer Ortsvorsteherin bereits mit der Umsetzung von zwei ihrer Wahlversprechen.

Erste Bürgerdialoge im neue geschaffenen Pop-Up-Laden – Foto: Ulrich Nilles

Am Samstag, dem 19. Oktober 2019 lud sie die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde dazu ein, eigene politische Vorstellungen einzubringen. Doch damit nicht genug. Auch bei der Wahl von Art und Ort überraschte die Politikerin mit einer außergewöhnlichen Idee: einem Pop-Up-Laden.

Der Begriff leitet sich aus dem Englischen Verb „to pop up“ ab und bedeutet soviel wie „plötzlich auftauchen/passieren; … und auch wieder verschwinden. „In anderen Bereichen wie bei jungen Unternehmen und in der Kunst sei es längst gang und gäbe, leerstehende Immobilien zum Testen von Produkten zu nutzen oder Künstlerinnen und Künstlern ein Forum zu bieten. Warum sollte das in der Politik nicht möglich sein?, so Muñoz im Gespräch mit „Journal Lokal“. Auf Initiative der Ortsvorsteherin stellte der Immobilienbesitzer von „NaNa’s Nähstube“ in der Mainzer Straße (Umzug in das Gewerbegebiet) ihr den Leerstand zur Verfügung bis zur Neuvermietung.

Und dort suchte Muñoz an diesem Samstag von 12.00 bis 19.00 Uhr den Bürgerdialog mit der Absicht, Ideen und Wünsche der Hechtsheimerinnen und Hechtsheimer zu sammeln: Wie soll Politik aussehen? Wie kann ich mich flexibel engagieren. Welche Hilfestellung kann mir die Politik dazu anbieten?

Muñoz hatte eine Ideenwerkstatt mit impulsgebenden thematischen Schwerpunkten wie Verkehr – Mobilität, Ortskern und Familie – Jugend vorbereit, die an den Wänden hingen. Die Bürgerinnen und Bürger waren dazu eingeladen, ihre Vorstellungen mittels bereitgehaltenen Post its dazuzukleben. Und allmählich wurden die Wände immer bunter.

In ihrer kurzen Begrüßung nannte die Ortsvorsteherin ihre Absicht zu diesem Pop-Up-Laden ein Experiment, Leerstände im Ortskern mit Leben zu erfüllen. Sie lud die Anwesenden ein, das Angebot dieser Veranstaltung zu nutzen, um ihre Wünsche und Vorschläge zu äußern.

Der anwesende Oberbürgermeister der Stadt Mainz Michael Ebling (SPD) sprach Muñoz sein Kompliment für diese tolle Idee und die mutige Initiative aus. „Hier könnte ein Bürgertreffpunkt entstehen, wo aus kleinen Anstößen große Ideen entstehen“, so Ebling.

Sven Marquardt (r.) und der junge Fotograph Moritz Koch (l.) bei der Terminabsprache mit dem Oberbürgermeister und der Ortsvorsteherin für den nächsten Event im Pop-Up-Laden – Foto: Ulrich Nilles

„Insgesamt erhielten wir über 60 Ideen von rund 35 Bürgerinnen und Bürgern, die zum Teil spontan hereingeschaut haben. Hauptpunkte waren der Wunsch nach Verkehrsberuhigung im Ortskern, ein Kinderbauernhof mit Streichelzoo und mehr öffentlicher Raum zur Bürgerbegegnung, gerne auch mit kulturellen Angeboten. Das Konzept ist wirklich wunderbar aufgegangen“, sagte Frau Muñoz nach Veranstaltungsende dieser Zeitung. Detaillierter wollte sie sich noch nicht äußern: „Ich habe heute erst einmal Eindrücke gesammelt. Diese werde ich zeitnah ordnen, auswerten und danach erst an die Öffentlichkeit gehen.“

Wie soll es danach weitergehen? Auch hier ist Muñoz bereits einen Schritt voraus. „Ich denke an eine datengeschützte digitale Plattform, auf der die Menschen ihre Bedürfnisse und Feedbacks einbringen können.“ Darüber hinaus solle diese eine Bühne bieten, auf der Bürgerinnen und Bürger sich für ihre eigeninitiierten Projekte Hilfe in der Community suchen können. Nicht der politische Amtsträger stehen dabei im Mittelpunkt, sondern es gehe um die Entwicklung von gutem Bürgerservice.

Und was soll nach dieser ersten Veranstaltung aus dem Pop-Up-Laden werden? Sie sei schon mit Künstlerinnen und Künstlern im Gespräch und habe bereits positive Rückmeldungen, so Tatiana Herda Muñoz. Außerdem habe Hechtsheim ein sehr lebendiges Vereinsleben, dem der Raum zur Verfügung steht. „Ich warte ab, was aus der Gemeinschaft kommt.“

Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieses mutigen und innovativen Experiments, das zu mehr Bürgerbeteiligung auffordert.

Ulrich Nilles