LAUBENHEIM – Manchmal bedarf es glücklicher Zufälle, entschlusskräftiger Menschen, interessierter Wissenschaft und uneigennütziger Unterstützer, um einen einmaligen historischen Schatz zu erkennen, zu erhalten und dann in geeigneter Form zu präsentieren. All dies traf zusammen und so konnte die Arbeitsgruppe Historisches Laubenheim der Öffentlichkeit am 31. November 2019 stolz ein 3D-Modell von Laubenheim im Jahr 1810 und ein Heft zu 50 Jahre Eingemeindung präsentieren.

Die Anfänge

Die Vorgeschichte zu diesem Modell reicht in die Mitte der 1960-er Jahre zurück, als Georg Fleck eine Mappe mit alten Zeichnungen unter den Dachziegeln des Laubenheimer Rathaus fand; in einem erbarmungswürdigen Zustand. Dr. Gebhard Kurz um Rat fragend erkannte dieser sehr schnell, dass es sich bei den Zeichnungen um Gemarkungspläne von Laubenheim aus dem Jahr 1810 handelte. Wie Kurz den geladenen Gästen im Rathaus zu berichten wusste, entstanden diese Detailpläne auf Anordnung der napoleonischen Besatzung im Department Mont-Tonnerre. Sie gehörten zu den Unterlagen für die Steuerveranlagung der Laubenheimer Bürger. Auf Beschluss des Laubenheimer Gemeinderats wurden die Karten und das dazugehörige Grundbuch konserviert und später dem Stadtarchiv Mainz übergeben.

Dr. Gebhard Kurz erläutert die historischen Hintergründe zum 3D-Modell – Foto: Fritz Berena

Die Umsetzung

Vor gut zwei Jahren nahm Prof. Dr. Piotr Kuroczyński, Leitung des Architekturinstitutes der Hochschule Mainz und Laubenheimer Bürger, über den Laubenheimer Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter Kontakt mit der Arbeitsgruppe Historisches Laubenheim auf. Dr. Gebhard Kurz, Jupp Heck und Wolfgang Stampp berieten sich mit Prof. Dr. Piotr Kuroczyński, trafen Studierende in einer Lehrveranstaltung des Architekturinstituts, unterstützten sie bei Projekten, die Laubenheim betrafen, und stellten Material von 1810 und weitere Dokumente zur Verfügung für eine Feldforschung in Laubenheim. Auf der Basis aller Erkenntnisse realisierte Kuroczyński in Zusammenarbeit mit der Modellbauwerkstatt am Institut den Druck des 3D-Modells.

Das Modell

Ein Ausschnitt des 3D-Modells – Foto: Ulrich Nilles

0,60 x 0,36 Meter groß besteht es aus 15 Elementen, die je eine Größe von 0,12 x 0,12 Meter haben. Mithilfe der sich langsam etablierenden 3D-Drucktechnik und unter Verwendung eines speziellen Kunstharzes entstand ein dreidimensionales Abbild von Laubenheim 1810 im Maßstab 1 : 1 000. Leicht geneigt, durch eine Plastikhaube geschützt und auf einer Stele platziert, ist es ab jetzt im Museum im Laubenheimer Rathaus zu besichtigen. Zusätzlich erhalten die Betrachter auf einem eingebauten Bildschirm Informationen über die Entstehung des Modells und können an einem computersimulierten Rundflug über den alten Ort teilnehmen. „Ohne Sie wäre das alles hier nicht möglich gewesen.“ Mit diesen Worten dankte Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter in seinem Grußwort zur Modellübergabe den Sponsoren, Privatleuten und Laubenheimer Unternehmen, sehr herzlich für ihre finanzielle Unterstützung. Jupp Heck, Sprecher der AG, berichtete von den ersten gemeinsamen Projekten mit der Hochschule Mainz bis hin zum Projekt 3D-Modell. Auch sein Dank ging an die Unterstützer dieses Projektes. Anschließend wurde das Modell von zwei der Hauptsponsoren, Friedhelm Kärcher und Ekkehard Schenk,  feierlich enthüllt. Dr. Kurz würdigte Georg Fleck, ohne dessen Geistesgegenwart und Initiative die Sicherung und Wiederherstellung des kartographischen Materials nicht erfolgt wäre.

Umschlagseite Heft 6 der Schriftenreihe zur Ortsgeschichte von Mainz-Laubenheim – Abbildung: Jupp Heck

Das Heft

Bei einer weiteren Laubenheimerin bedankte sich Jupp Heck, nämlich Michaela Binger. Sie fand im Nachlass ihres Großvaters Franz Flugblätter und weitere Dokumente zu einer bereits 1929 geplanten Eingemeindung von Laubenheim nach Mainz und übergab sie der AG. Die historischen Texte fanden Eingang in die Schriftenreihe zur Laubenheimer Ortsgeschichte, Heft 6 – „50 Jahre Eingemeindung von Laubenheim nach Mainz 1969 – 2019“. Verantwortlich für dieses Heft, das für sechs Euro in der Ortsverwaltung zu erwerben ist, zeichnet wiederum die AG Historisches Laubenheim.

Ein Besuch im Rathaus zur Besichtigung des 3D-Modells lohnt auch deshalb, weil in dem von Fritz Berena seit dem Jahr 2000 kuratierten Museum die Weinköniginnen-Ausstellung noch für ein paar Tage zu sehen ist.

Ulrich Nilles