HECHTSHEIM – „Auch wächst da eine Sorte Wein, der seines inneren Gehalts wegen jedem besseren Rheinweine zur Seite gesetzt werden könnte“. Dieses Lob  des großherzoglichen Regierungs-Sekretärs Joseph Jérôme aus dem Jahr 1824 über den Hechtsheimer Wein findet sich, wie viele weitere Zitate, Fakten und Anekdoten, in dem neuen Heft des Vereins Hechtsheimer Ortsgeschichte: „Zur Geschichte des Weinbaus in Hechtsheim“.

Das neue Heft XIV der Schriftenreihe des Vereins Hechtsheimer Ortsge-schichte – Bildnachweis: Verein Hechtsheimer Ortsgeschichte

Auf 160 Seiten beschreiben die elf Autoren und Autorinnen, wie sich der Weinbau in der  Hechtsheimer Gemarkung seit der ersten Erwähnung im Jahre 782 bis zur heutigen Weinkultur mit dem Weinfest im Kirchenstück oder den Winzer- und Weinprobiertagen entwickelt hat. So gab es im mittelalterlichen Hechtsheim einen Weinmarkt, der bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts  als Umschlagplatz für Wein auf dem Gebiet der Mainzer Erzbischöfe diente. Vor allem bei den  Mainzer Klöstern und Stiften zählten zu deren Hechtsheimer Grundbesitz auch Weinberge, die sie in der Regel verpachteten und wie der Zehnthof des Liebfrauenstifts an der Grauelstraße dafür den  Zehnten erhielten.

Wie wertvoll die Hechtsheimer Weinberge waren zeigt sich in einem Verzeichnis des Jahres 1709, nach dem die Steuern für Weingärten und -berge bis zum Vierfachen über denen für Ackerland lagen.

Im 19. Jahrhundert waren bereits 25 Hektar der Hechtsheimer Gemarkung mit Rebstöcken bepflanzt und nahezu jeder Bauer besaß einen Weinberg. In der Regel wurden die Arbeiten im Weinberg an selbstständige Wingertsleute vergeben und ortsansässige Küfer nahmen die Kelter- und Kellerarbeit vor. Ein Großteil des Weins wurde in der Regel als Fasswein verkauft und für den täglichen Genuss der berüchtigte „Haustrunk“ aus Trester, Resten aus der Vergärung, Obst und Rübenzucker hergestellt.

In den 1950er Jahren finden sich in Hechtsheim noch 17 offizielle Weinlagen mit ca. 28 Hektar Rebfläche. Heute bewirtschaften die im Winzerverein Hechtsheim zusammengeschlossenen Betriebe 150 Hektar Anbaufläche, wobei der kleinste Teil auf die heutige einzige Weinlage des Ortes, das Kirchenstück, entfällt. Informationen über die Auswirkungen der nationalsozialistischen Weinbaupolitik auf die Gemeinde Hechtsheim finden ebenso ihren Platz im Heft wie die vergebliche Initiative in den 70er Jahren, die Rebflächen in Richtung Laubenheimer Gemarkung zu erweitern oder der Wandel bei den Weinbauberufen  und die Probleme der Schädlingsbekämpfung.
Eine Vorstellung der Hechtsheimer Weingüter rundet das Heft ab und der Schluss widmet sich auf vergnügliche Weise einem besonderen Thema – den Weinheiligen, die als Schutzpatrone  für das Gedeihen der Trauben sorgen, aber auch vor  Blitz und Donner bewahren sollen.

Das Heft ist ab sofort für 6 Euro in folgenden Hechtsheimer Verkaufsstellen erhältlich: Buchhandlung Ruthmann, Alte Mainzer Straße  4; Hofladen Bauer-Schwaab, Alte Mainzer Straße 2; Ortsverwaltung Hechtsheim, Morschstraße 1 oder online über: hechtsheimer-ortsgeschichte@online.de

Ottmar Schwinn