LAUBENHEIM – „Du hast doch nur einen planlosen Plan!“, sagte mir noch meine damalige Freundin, doch es gab kein Halten mehr. Per Anhalter nach Feuerland – ohne Flugzeug und nahezu geldfrei nach Südamerika – davon träumte ich. Ich träumte lange und dann zog ich los. Am 4.Oktober 2016, das Abitur ganz frisch erworben, gerade mal 18 Jahre jung und sicherlich auch ziemlich naiv! Ich wollte nicht fliegen, so donnern doch tagtäglich über Mainz genügend Flugzeuge drüber. Außerdem ist mir mein ökologischer Fußabdruck nicht unwichtig und vor allem: Ich wollte langsam ankommen! Die Distanz spüren – erfahren, was zwischen den Kontinenten, zwischen Europa und Südamerika liegt. Mit 30kg Gepäck und der lieben Anna als Reisebegleitung ließen wir Mainz hinter uns und trampten zunächst an die spanische Mittelmeerküste. Von nun an sollte es über den Wasserweg weitergehen – ein ganz neues Abenteuer! Mit sieben Segelbooten, einer Menge Rumgekotze alias Seekrankheit ging es in sieben Monaten bis nach Kolumbien. Bis nach Südamerika!

Per Anhalter nach Feuerland – Foto: Joshi Nichell

Als ich endlich schaffte, in Kolumbien an Land zu gehen, konnte ich mein Glück, den Atlantik ohne jegliche Segelerfahrung trampend überquert zu haben, kaum fassen, und gleichzeitig war ich kaum im Lande, da wurde ich schon wieder krank! Ein Mosquito stach mich, während ich in der Hängematte im kolumbianischen Regenwald verweilte, und ich wurde krank. Doch ich wurde nicht nur ein bisschen krank, nein ich wurde so krank, dass ich in einem Moment das Gefühl hatte: „Ich sterbe gleich.“ Es fühlte sich wirklich nicht gut an, nein, mir wurde eher noch zusätzlich schwindelig, doch mir wurde auch bewusst: „Wenn du NICHT hier in deiner Hängematte sterben willst, dann MUSST du jetzt zu Menschen!“ Ich gab mir einen Ruck, purzelte aus der Hängematte und schleppte mich zu Menschen, die – Gott sei Dank – auch nicht weit weg waren. Wie es so bei den Einheimischen ist, gab es anstatt einem Antibiotika, erstmal eine Suppe. Und tatsächlich: Mir ging es langsam wieder besser! Dennoch, ich wollte wissen, was ich wirklich habe. Es könnte ja auch zum Beispiel Dengue Fieber sein, was durchaus tödlich enden kann… Also fuhr ich zum Arzt ins nächstgelegene Dorf.

Als ich die Arztpraxis verließ, war es dunkel, mittlerweile 20 Uhr abends, doch ich wusste noch immer nicht, welche Krankheit ich eigentlich wirklich hatte… „Und wo soll ich jetzt die Nacht verbringen?“, schoss es mir durch den Kopf. Tja, auf dem Dorfplatz wollte ich schon einmal nicht schlafen; zurück in den Wald kehren allerdings auch nicht. So stand ich, noch ziemlich krank und vor allem ratlos mitten im Dorf im Schein der Laterne und wusste nicht mehr weiter… Bis ich endlich Mut in die Hand nahm und einfach mal anfing, die Menschen zu fragen. Direkt anzusprechen: „Kann ich bei dir im Garten vielleicht ein paar Nächte lang meine Hängematte aufhängen?“ Plötzlich stoppte ein Motorrad vor mir und ein mittelgroßer Mann mit ernstem Blick und faltigem Gesicht blickte mir entgegen. „Spring auf!“, forderte er mich auf, ihm und seinem Motorrad zu folgen. „Kann ich? Oder kann ich nicht? Was, wenn der mich entführen und die Situation gnadenlos ausnutzen wird?“ Ich zögerte einen Moment, dann…

Benni und Joshi Nichell an Heiligabend 2017 – Foto: Privat

Ja, was dann passierte? – Der Laubenheimer Naturfotograf und Weltenbummler Joshi Nichell nimmt dich mit auf seine fast zweijährige Reise nach Feuerland, in seinen bisher größten gelebten Traum und lädt zum Staunen, Träumen und Vertrauen schenken ein – am 22.01.2020, um 19.30 Uhr, im Katholischen Pfarramt Maria Heimsuchung in Mainz-Laubenheim, mit einem etwa zweistündigen multimedialen Vortrag, bestehend aus professionellen Bildern, Videos, Fotoslideshow, Buchausschnitten und dazu live erzählter Reportage. Der Eintritt ist frei, Spenden erwünscht. Zudem wird die Buchpremiere des Buches „Volles Glück voraus“ gefeiert.

Joshi Nichell

Foto: Privat