BODENHEIM/NACKENHEIM – Am 26. Januar 2020 öffnete der Neubau der Freiwilligen Feuerwehr Bodenheim-Nackenheim seine Pforten für die Öffentlichkeit. Von 10.00 – 16.00 Uhr waren interessierte Bürgerinnen und Bürger, Fachleute und Politiker herzlich willkommen, das neue Gebäude in Augenschein zu nehmen. Und sie kamen …

Der Besucherstrom übertraf die Erwartungen der Verantwortlichen bei weitem – Foto: Ulrich Nilles

„Wir hatten mit ca. 2.000 Besuchern gerechnet, aber unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen“, freute sich der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bernward Bertram am Ende des Tages über den enormen Zuspruch seitens der Bevölkerung. In Kleingruppen führten aktive Feuerwehrleute Besucher durch das Haus und informierten kurzweilig über die Funktion einer Vielzahl unterschiedlichster Räume.

Führung durch das Gebäude

Der Übungsturm steht allen Wehren der Verbandsgemeinde zu Übungszwecken zur Verfügung – Foto: Ulrich Nilles

Die Führung begann im Übungshof im rückwärtigen Teil des Gebäudes. Dort wurden die Besucher auf die Pelletheizung, die Netzersatzanlage und das Einsatzmittellager hingewiesen, in dem die Feuerwehrleute spezielle Einsatzgerätschaften lagern oder  nach dem Einsatz die Fahrzeuge dort wieder, z. B. mit frischen Schläuchen, bestücken können. Herzstück des Hofes ist allerdings der Übungsturm. An diesem kann etwa mit Leitern oder eine simulierte Brandbekämpfung in einem Treppenhaus trainiert werden. Der Turm dient nicht mehr zum Aufhängen der Schläuche. Er kann, wie viele Teile des gesamten Gebäudes, von allen Feuerwehren der Verbandsgemeinde genutzt werden. Das innere des Hauses ist in einen schwarzen und in einen weißen Bereich gegliedert. Der schwarze Bereich ist ausschließlich dem Tragen der Einsatzkleidung vorbehalten.

Wehrleiter Bernward Bertram prüft das Gewicht einer Druckluftflasche – Foto: Ulrich Nilles

Im Alarmflur befinden sich die Umkleiden für ca. 80 aktiven männlichen und die 11 aktiven weiblichen Wehrleute, sowie der Jugendfeuerwehr. Ebenso ein Regal mit Gurten, ein Container für kontaminierte Wäsche, Trockenräume, ein Monitor für erste Informationen zum Einsatz, ein Alarmdrucker und natürlich die Fahrzeughalle. Die Alarmwege sind dabei so gestaltet, dass man dort kontaminiert hineinkommt und sie gereinigt in den weißen Bereich verlässt.

Eine hochmoderne Waschanlage vereinfacht die Schlauchpflege erheblich – Foto: Ulrich Nilles

Weiterhin befinden sich im Erdgeschoss die Atemschutzwerksatt, eine Werkstatt für elektrische Geräte, u. a. mit Akkumanagement, die Wäscherei, eine Gerätewerkstatt für Wartungsarbeiten und natürlich die Schlauchwaschanlage.

Das Obergeschoss

Das Obergeschoss ist ausgestattet mit einem Büro für den Wehrleiter und den Bürgermeister. Es folgt ein Besprechungsraum für Führungs- und Stabskräfte, in dem auf einem großen Monitor die Lage für das Einsatzszenario dargestellt wird. Über den jeweiligen Einsatz informiert die Feuerwehrleitstelle aus Mainz die Feuerwehreinsatzzentrale Vorort, die mit allerneuester Technik ausgestattet ist, und diese gibt die Informationen per Funk an die ausrückenden Einheiten weiter bzw. alarmiert nach, falls erforderlich. Die dabei verwendeten Daten kann man auf einen Laptop ziehen und mit zum Einsatzort nehmen.

Die hochmoderne Einsatzzentrale, das Herzstück eines jeden Feuerwehrgebäudes – Foto: Ulrich Nilles

Den größten Raum des Obergeschosses bildet der Unterrichtsraum mit einer Planübungsplatte und einem großen Monitor, auf dem Einsätze abgebildet werden können. Dieser Raum kann mittels beweglicher Türen um den angrenzenden Bereitschaftsraum vergrößert werden. Aber auch an die Geselligkeit wurde gedacht mit einer großen Küche, einem Mehrzweckraum, der vor allem vom 21-köpfigen Nachwuchs zum Kickerspiel genutzt wird, und einer großen Terrasse für laue Sommerabende und: für die Raucher.

Fachbesucher nutzen die Möglichkeit, detaillierte Bereichsauskünfte einzuholen und sich durch Mitglieder der Planungsgruppe beraten zu lassen.

2020-2-Neubau FF 6: Gut ausgestatte Spezial-Einsatzfahrzeuge – Foto: Ulrich Nilles

Für den außenstehenden Erstbesucher war es verblüffend, Einblicke in die Komplexität der Aufgaben und den Detailreichtum an Kenntnissen zu erhalten, die von aktiven Feuerwehrleuten erwartet werden. „Es war für uns eine riesengroße Herausforderung, nach der Fusion von Bodenheim und Nackenheim 2016 den Ausbildungsstand beider Wehren anzugleichen. Dies ist uns gelungen und darüber hinaus sind wir zusammengewachsen und haben den Teamgeist gestärkt“, stellte die 1. Vorsitzende des Fördervereins Christiane Schiltz fest. Und Wehrleiter Bertram ergänzt: „In 14-tägigem Rhythmus finden Schulungen für alle aktiven Wehrleute statt, um up to date zu sein.“

Feierliche Einweihung

Hungrig und durstig musste niemand bei soviel Input bleiben. Mit liebevoll zusammengestellten Snacks und Getränken bewirteten die Fördervereine der Wehren aus der Verbandsgemeinde Groß und Klein.

Außerdem lag die Festschrift „Das neue Feuerwehrhaus“ aus, die bereits am Vortag bei der feierlichen Einweihung mit der Schlüsselübergabe präsentiert worden war. Unter den 350 geladenen Gästen konnte der Hausherr und Verbandsbürgermeister Dr. Robert Scheuer Landrätin Dorothea Schäfer (CDU) und Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) begrüßen. In diesem Rahmen fand auch die Segnung des Gebäudes durch Vertreter beider Konfessionen statt, die für Betroffene und auch Wehrleute eine ökumenische Notfallseelsorge anbieten. Werden diese doch häufig mit belastenden Situationen konfrontiert.

Freiwillige Feuerwehren decken die vier klassischen Gefahrenbereiche Brandbekämpfung, technische Hilfe, Wasserrettung und Gefahrstoffe ab. Die Präsentation des Neubaus an den Ortsgrenzen von Bodenheim und Nackenheim hat einmal mehr gezeigt, dass es sich lohnt, sich in diesem hochinteressanten Metier ehrenamtlich zu engagieren.

Ulrich Nilles