LAUBENHEIM – Getreu dem Motto „Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, wird die Erde wieder ein bisschen sauberer“ haben sich 20 Schüler der Grundschule Mainz-Laubenheim etwas Besonderes ausgedacht: während der bewertungsfreien Zeit vor der Zeugnisvergabe schnappen sich die 4c und ihre Klassenlehrerin Annika Skala Handschuhe, Greifzangen und Müllbeutel und ziehen damit durch die Straßen, um Laubenheim vom Dreck zu befreien. Zuvor haben sie im Sachunterricht gelernt, wie stark die Meere von Plastikmüll belastet sind, wie lange Plastik braucht, um zu verrotten und was man tun kann, um Müll zu vermeiden. Zu den Hausaufgaben gehörte unter anderem das Notieren der Müllmenge, die jeder einzelne in einer Woche wegwirft. Zuhause wurden die Eltern von ihren Kindern ermahnt, besser loses Gemüse und Obst einzukaufen oder Läden wie das „Unverpackt“ in Mainz zu besuchen. „Die Kinder finden das Thema Umweltschutz sehr spannend und haben ganz viele großartige Idee, was man aktiv tun kann, um selbst einen Beitrag zu leisten“, sagt Frau Skala. Fast alle Schüler kennen die inzwischen berühmte schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg und sehen in ihr ein Vorbild. Und auch wenn die Viertklässler für die „Fridays for Future“-Demos noch etwas zu jung sind, ist ihnen das Engagement für den Umweltschutz sehr wichtig. Sie haben zusammen mit Frau Skala sogar eine Broschüre erarbeitet, in der sie Tipps zur Müllvermeidung geben und Alternativen zu Plastik präsentieren.

Umweltschutz als Unterrichtsthema

Zum Thema Umweltschutz gehört auch die Vermüllung der Weltmeere.

Während sich die Klasse an einem Donnerstagvormittag zusammen mit einigen Eltern und einem Praktikanten auf den Weg zur Müllsammelaktion macht, erzählt Frau Skala, dass Klima- und Umweltschutz eigentlich kein verpflichtendes Sachunterrichtsthema sei. „Mir ist es aber ein persönliches Anliegen, die Schüler für dieses Thema zu sensibilisieren“, erklärt die 27-Jährige. Die überaus positive Resonanz sowohl in der Klasse als auch bei den Eltern habe ihr gezeigt, dass sie damit den Nerv der Zeit getroffen hat. Das zeigt auch der erstaunliche Eifer der Neun- bis Elfjährigen, die sogar unter Büsche kriechen, um auch die letzte Plastikflasche hervorzuziehen und im Müll zu entsorgen. Bei dieser Praxiseinheit kommt die Theorie nicht zu kurz: „Wisst ihr noch, wie lange so eine Plastikflasche braucht, um abgebaut zu werden?“, fragt Frau Skala in die Runde. „450 Jahre!“ tönt die Antwort gleich aus mehreren Mündern. „Und Zigarettenstummel?“, fragt sie weiter.  „Bis zu fünf Jahre!“  lautet die Antwort – gefolgt von allgemeiner Empörung darüber, warum manche Menschen so rücksichtslos sind und etwas so Schädliches wie Zigaretten einfach auf die Straße werfen.

Müllsammelaktion

Allein im Laubenheimer Park haben die Schüler der Klasse 4c drei Säcke voller Müll gesammelt – Foto: Natacha Olbrich

Auf dem kurzen Weg von der Grundschule bis zum Laubenheimer Park haben die Kinder schon fast eine Mülltüte nur mit weggeworfenen Kippen, Verpackungen, Flaschen und Papieren gesammelt. Der Park selbst erweist sich als regelrechte Goldgrube: Von Pizzakartons über Turnbeutel bis zu vollkommen intakten Vasen finden die Kinder jede Art von Müll, die man sich vorstellen kann. Nach kurzer Zeit sind alle mitgebrachten Müllbeutel voll, sodass nochmal Nachschub geholt werden muss. Die Kinder sind stolz auf ihre Ausbeute, gleichzeitig können sie kaum fassen, wieviel Müll in einer so schönen Grünanlage, die ja eigentlich der Erholung dient, weggeworfen wird. „Dabei stehen doch überall Abfalleimer!“, regt sich eine der Schülerinnen auf.

Müllsammelaktion

Die Schüler der Klasse 4c sind schockiert darüber, was alles in die Natur geworfen wird: Pizzakartons, Turnbeutel und sehr viel Plastik – Foto: Natacha Olbrich

Dass die Aktion in Laubenheim sehr gut ankommt, zeigen auch die Reaktionen der Passanten. Eine Joggerin hat die Klasse bei ihrer Müllsammelaktion beobachtet und hat extra einen Umweg zum Supermarkt gemacht, um den Kindern zur Belohnung einen Beutel Äpfel zu kaufen. Dass der leider aus Plastik ist, sticht der Klasse sofort ins Auge. „Das liegt leider an den Geschäften, da gibt es Äpfel oft nur so zu kaufen“, meint Frau Skala. Für die Schüler der 4c steht fest: Sie selbst werden mehr auf den Erhalt der Natur achten und ihren Müll richtig entsorgen – oder am besten gar nicht erst so viel Müll produzieren.

Natacha Olbrich