NACKENHEIM – Wenn bereits im Eröffnungspiel Albert Einstein (Ralf Fornoff) in Richtung Bodenheim zieht, um dort eventuell intelligentes Leben zu entdecken, dann ahnt man schon, dass es ein „relativ“ außergewöhnlicher Abend wird. Und es war wirklich außergewöhnlich, was die Entenbrüder bei ihrer ersten Sitzung in der aktuellen Kampagne unter dem Motto „Die goldenen Zwanziger“ auf die Beine – oder besser gesagt: die Bühne stellten.
Traditionell startete Sitzungspräsident Gerd Zimmermann mit seinem Protokoll in die Sitzung: Gewohnt scharfzüngig und pointiert geriet sein Blick auf die politischen Ereignisse der letzten Zeit – kaum ein relevantes Thema wurde ausgespart und der Finger in die vielen offenen Wunden diverser Polit-Akteure gelegt. Bei der Menge an Themen war es dann auch entschuldbar, dass der Lieblingsnachbar, die Bodenheimer, dieses Mal keinen Eingang ins Protokoll fanden.

Schlusspunkt einer begeisternden Sitzung: das CVE-Finale – Foto: Walter Krogh Sites

Nachdem das erste von insgesamt drei Balletts, die CVE-Küken, das Kampagnenmotto noch einmal optisch und tänzerisch auf die Bühne brachten – die beiden anderen Balletts waren die Sweet Honeys aus Dienheim sowie das CVE-Ballett – folgte ein Auftritt, der den Saal zu Begeisterungsstürmen, ja einem Begeisterungsorkan, hinriss: die Premiere der „Herpes House Band“ der Katholischen Jugend Nackenheim beim CVE. Als Expertenkommission zum Thema Insektensterben boten sie in ihren schrägen Kostümen und ihrem gewaltigen Wortwitz einen urkomischen Kokoloresbeitrag der absoluten Extraklasse. Die „Oh wie ist das schön“ und „Sowas hat man lange nicht gesehen“-Gesänge des begeisterten Publikums waren selten so zutreffend wie an dieser Stelle.
Gar nicht einfach, die Stimmung nach so einem Vortrag weiterhin so hoch zu halten, doch mit den „Altrheinstromern“ und „Apollonia“ betraten anschließend Fastnachtsgrößen die närrische Rosta, die derartige Situationen schon häufig genug gemeistert haben. Ob musikalisch als „Meenzer Dienstleister mit Herz“ oder mit  umwerfend komischen Berichten von Alltagserlebnissen und Frauenleiden, sie „gönnten“ dem Saalpublikum keinerlei fastnachtliche Verschnaufpause. Diese erlaubten dann erst die Tugendbolde nach ihrem Auftritt im „närrischen Weinberg“, mit dem sie die Gäste der Entenbrüder in die halbstündige Pause entließen.

Birgit Menger eröffnete mit ihren Schunkelliedern den zweiten Teil, zu dem sich auch das Komitee in passendem 20iger-Jahre-Outfit präsentierte. Und auch die Lachmuskalatur wurde von Marcus Schwalbach als Gardist gleich wieder zu Höchstleistungen getrieben. Umwerfend komisch seine Erlebnisse aus dem nicht immer konfliktfreien Innenleben einer Garde, die schließlich zur Abspaltung und Neugründung der GBL, der Garde der beleidigten Leberwürste, führte.
Begleitet von seinen beiden Spitzenmusikern Pitt Zimmermann (Saxophon) und Bernd Rosenmeyer (E-Gitarre), beide im echten Fastnachtsleben Büttenschieber beim CVE, eroberte danach Oliver Mager die Bühne und sofort auch die Herzen des Publikums. Stimmgewaltig und textsicher begleitete ihn das gesamte Auditorium bei seinen Meenzer Liedern – fast schon magische Momente. Politisch wurde es dann nochmal bei Bernhard Knab, „De Deitsche Michel“, der sich einen verdienten Extra-Applaus für sein Plädoyer für Demokratie, Rücksichtnahme und Toleranz abholte. Bevor die Entenbrüder dann das große Finale mit eigenen Aktiven einleiteten und eine begeisternde Sitzung nach gut sechsstündigen Programm der Spitzenklasse beendeten, durfte Hansi Greb in seiner Rolle als „Hobbes“ den Besuchern der CVE-Sitzung humoristisch noch einmal richtig einheizen. Und auch er erfüllte seine Aufgabe mit Bravour. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Wer diesen Abend nicht in vollen Zügen genossen hat (und dies soll kein billiger Gag auf Kosten der Deutschen Bahn sein), hat mit Fastnacht wirklich nichts zu tun – oder kommt eventuell aus Wiesbaden.

Michael Türk