BODENHEIM – Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn waren alle Plätze besetzt. Eilig stellten Helfer weitere Tische und Stühle auf, um dem hereinströmenden Publikum Sitzgelegenheiten anzubieten. Und um 17.11 Uhr ging es los mit Vorträgen, Tanz und Gesang, moderiert vom personifizierten Vater Rhein (Johannes Schöller). 

Der Rahmen

Rund 200 maskierte Seniorinnen und Senioren aus Bodenheim und Umgebung fanden am 18. Februar 2020 den Weg in den Hermann-Weber-Saal im Bürgerhaus Dolles. Dort wurde ihnen ein mitreißendes Fastnachtsprogramm geboten, das seinesgleichen in der Region sucht. Eingeladen hatten Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig und der 2. Beigeordnete Thomas Schöller, tatkräftig unterstützt durch die Rats- und Ausschussmitglieder, die zuvor den Saal liebevoll hergerichtet hatten und die Gäste aufmerksam bewirteten.

Die Stimmung im Saal stieg beim Auftritt der Bodenheimer Schoppengarde – Foto: Ulrich Nilles

Die Sitzung

Nach stimmgewaltiger Eröffnung durch Vater Rhein Johannes Schöller) mit seinem Lied vom Wasser und vom Wein war rucki-zucki die Bodenheimer Schoppengarde einmarschiert und heizte der „Fiesta am Rhein“ mächtig ein, bevor sie über den (Stimmungs-)Wolken entschwand.

Im Schlepptau betrat ein weiterer Musiker (Helmut Sudrow) mit selbst komponierten Weisen das Rampenlicht und verdammte nach durchzechter Nacht gitarrenbegleitet den Alkohol … bis zur Fasenacht.

Wer es nicht wusste, der merkte ihm sein Alter nicht an: Willi Steinbrech – Foto: Ulrich Nilles

„Achtung Rentner“ konnte man auf dem T-Shirt des ersten Redners (Klaus Schmitt) lesen. Und der ließ kein aktuelles Thema aus: Arztbesuche – Alexa – Smartphone Apps – Altenheim, alle bekamen sie ihr Fett weg und schließlich musste auch der Ortbürgermeister dran glauben, als besagter Rentner von alkoholträchtigen Liegungen im Dollespark berichtete. „Awer dud mers net ibbertreibe, die Fasenacht muss sauber bleibe.“ Sprach’s und machte die Bühne frei für das BCV-Kinderballett, das 99 Luftballons tanzen ließ und seine Gelenkigkeit mit akrobatischen Einlagen präsentierte.

Ein Feuerwerk an Pointen brannte ein weiterer Rentner (Willi Steinbrech) ab mit Erinnerungen an die Jugendzeit und Szenen aus (s)einem Eheleben. Die Zuhörerschaft hatte ihre liebe Not, den mit Höchstgeschwindigkeit vorgetragenen Gags des 91-Jährigen! zu folgen.

Von wegen „Alte Weiber“. Unter wasserstoffblonden Perücken flogen Arme, Beine und Röckchen dermaßen, dass es den Zuschauern schummerig vor den Augen wurde.

Auf dieses Tanzpaar darf man 2021 gespannt sein – Foto: Ulrich Nilles

Pause – und weiter ging’s

In der sich anschließenden Pause servierten Helfer das kulinarische Fastnachtsmahl, bestehend aus den drei großen Ws frei Tisch, musikalisch untermalt durch Livemusik von Hans Schöller alias Ernst Neger.

Auch Frauen können Fastnacht! Daran ließ eine geplagte Ehefrau (Beate Dietz) nicht die geringsten Zweifel aufkommen. Nach dem ehelichen Super-GAU an Weihnachten loggte sie sich heimlich bei Parship ein, stellte aber nach enttäuschenden Versuchen mit schönen Gesichtern fest, dass man das/den schätzen lernen sollte, was/den man zuhause hat.

Das Bodenheimer Tanzmariechen (Sara Gardt) war am Ende seiner Darbietung so außer Atem, dass es sich nicht dem Versprechen des reißenden Stroms entziehen konnte, 2021 gemeinsam mit ihm auf der Bühne zu stehen.

Last, but not least trat DER Mainzer Bänkelsänger und Kreator des Ujuiji… (Winfried Rudolf) ans Mikrofon und bewies einmal mehr, dass er von seinem fastnachtlichen Können nichts eingebüßt hat. Mit flinken Gitarrenfingern trug er das Bodenheimer Lied von der Wutzeferkelschweinesau vor, schwelgte in Erinnerungen an die Wäsche im Rhein und an die fassähnliche Paula, deren Lottogewinn er begehrte und gab ein unausgedrucktes Versje aus SEINEM Lied von der rutschenden Hose zum Besten.

 

 

Der selbsternannte Ober-Narr und Hanns „Ernst“ Schöller – Foto: Ulrich Nilles

 

Dank

Vor dem großen gemeinsamen Finale mit dem Hütche (Johannes Schöller) und dem Schoppe (Harald Kasper) im Schatten des Doms dankte der Ortsbürgermeister allen, die durch ihr Engagement zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten: Johannes Schöller für die gelungene Moderation, Hans Schöller für die musikalische Gestaltung, Jan Kissau für die Bereitstellung und Bedienung der Technik, Wolf-Ingo Heers und Michael Kasper für den Fahrdienst sowie allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Nach fast drei Stunden leerte sich der Saal mit lauter glücklichen Gesichtern allmählich und die Helfer räumten im geübten Team wieder auf.

Das muss noch gesagt werden

Warum dieser immense Aufwand, und das noch obendrein kostenfrei für das Publikum, fragt sich der Außenstehende. Dazu Thomas Becker-Theilig: „Die Seniorinnen und Senioren freuen sich Wochen, ja Monate auf dieses Highlight im Jahr. Und wir, die Ortsgemeinde Bodenheim, wollen unsere Verbundenheit und Wertschätzung mit ihnen zum Ausdruck bringen. Wir wollen etwas zurückgeben!“

Ulrich Nilles