EBERSHEIM – Seit vergangener Woche hat das Corona-Virus die Welt im Griff, nichts ist mehr, wie es war. Die Schulen sind geschlossen, viele Menschen arbeiten im Homeoffice, soziale Kontakte sind auf ein Minimum eingeschränkt. In den Nachrichten sehen und hören wir jeden Tag, was in China, Italien und den anderen stark betroffenen Ländern passiert. Wir aber wollen wissen, wie es in den Gemeinden unseres Verbreitungsgebietes aussieht und haben hierfür die Bürgermeister, Verbandsgemeindevorsteher und Ortsvorsteher befragt – unter anderem Anette Odenweller, die seit Juni 2019 für Ebersheim zuständig ist.

Journal LOKAL: Frau Odenweller, wie ist die Stimmung im Ort seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie?

Anette Odenweller: Die Stimmung ist gut, die meisten Ebersheimer gehen besonnen mit der Situation um, viele achten auf sich und bringen sich nicht in gefährliche Situationen. Leider gibt es auch unvernünftige Ebersheimer, die weder Abstand halten, noch zu Hause bleiben, obwohl sie zu einer Risikogruppe gehören. Geschlossene Schulen und Kitas, Homeoffice oder Kurzarbeit sind kein Urlaub oder Ferien, sondern sollen Schlimmeres verhindern. Diese Gedanken sind bei einigen leider noch nicht angekommen. Hier gilt es immer wieder mit der nötigen Distanz Hinweise zu geben.

JL: Wie reagieren die ansässigen Restaurantbetreiber und Geschäftsinhaber?

Anette Odenweller: Sie reagieren ruhig und besonnen, obwohl es hier auch um Existenzen geht. Wie lange können wir das durchhalten, wie lange wird es dauern? Das sind die Fragen, die hier an Politik gestellt werden.

JL: Gibt es kreative Lösungen oder spontane Hilfsaktionen?

Anette Odenweller: Ja, es gibt jede Menge kreative Lösungen, dafür bin ich sehr dankbar! Die Liefer- oder Abholservice-Angebote wurden ausgebaut. Es gibt die Mittagsversorgung, wechselnde Tagesgerichte sowohl bei unseren Gastronomen als auch von unseren Metzgereien. Die Ebersheimer Hofläden bieten ebenfalls Lieferservice an. Auch verschiedene Weingüter – wir leben ja schließlich in Rheinhessen, da gehört Wein dazu – liefern an die Kunden aus. Unser Blumenladen bietet einen Straßenverkauf an. Die Ebersheimer Jugend bietet Einkaufshilfen an.

JL: Wie funktioniert die Krisenbewältigung in der Ortsverwaltung?

Anette Odenweller: In der Ortsverwaltung koordinieren wir alle Anfragen und Angebote. Außerdem rufe ich die Senioren im Ort an, um sie ein wenig abzulenken. Mein Team und ich haben eine Liste erstellt, die wir an alle Senioren schicken, damit sie einen Überblick darüber haben, welche Ebersheimer Gastronomen, Einzelhändler, Hofläden und Weingüter momentan einen Lieferservice eingerichtet haben. Ebersheim ist ein kleiner Stadtteil, der wie immer zusammensteht, jetzt mit dem gebotenen Abstand, dafür bin ich sehr dankbar.

JL: Vielen Dank für das Interview! Das Journal LOKAL wünscht Ihnen und Ihrem Team alles Gute und vor allem, dass Sie gesund bleiben!

INFO: Wer ebenfalls eine Liste mit der Übersicht über alle Liefer- und Abholangebote in Ebersheim erhalten möchte, kann sich per Mail oder telefonisch an Anette Odenweller und ihr Team wenden: anette.odenweller@stadt.mainz.de, Telefon: 0 61 36 / 959991.

 

Das Interview führte Natacha Olbrich