ZORNHEIM – Seit vergangener Woche hat das Corona-Virus die Welt im Griff, nichts ist mehr, wie es war. Die Schulen sind geschlossen, viele Menschen arbeiten im Homeoffice, soziale Kontakte sind auf ein Minimum eingeschränkt. In den Nachrichten sehen und hören wir jeden Tag, was in China, Italien und den anderen stark betroffenen Ländern passiert. Wir aber wollen wissen, wie es in den Gemeinden unseres Verbreitungsgebietes aussieht und haben hierfür die Bürgermeister, Verbandsgemeindevorsteher und Ortsvorsteher befragt – unter anderem Dennis Diehl, Ortsbürgermeister von Zornheim.

Journal LOKAL: Wie ist die Stimmung in Ihrem Ort seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie?

Dennis Diehl: Meiner Einschätzung nach reagieren die meisten bei uns in Zornheim in dieser Zeit bislang sehr besonnen und zeigen Einsicht in den Zweck, dem die ganzen Auflagen und einschränkenden Maßnahmen dienen. Natürlich gibt es Ausnahmen, insbesondere unter Jugendlichen. Von mangelnder Einsicht würde ich an dieser Stelle aber nicht sprechen wollen. Gefühlt von einem Tag auf den anderen müssen sie der Schule fern bleiben, können ihren Hobbys größtenteils nicht nachgehen und haben dementsprechend wenig zu tun. Hinzu kommt noch das herrliche Wetter der letzten Tage, was geradezu einlädt, nach draußen zu gehen und sich zu treffen. Und genau das darf derzeit nicht sein. Meines Erachtens haben die Einschränkungen aber dazu geführt, uns allen die Brisanz der Corona- Epidemie näherzubringen. Auch die Akzeptanz scheint damit zu steigen.

JL: Wie reagieren die ansässigen Restaurantbetreiber und Geschäftsinhaber?

Dennis Diehl: Die Gastronomen und Geschäftsinhaber haben größtenteils vorbildlich reagiert. Restaurants haben entweder geschlossen oder sehr schnell und direkt auf Hol- und Lieferdienst umgestellt. Es wurden beispielsweise Termine, Events, Feiern und sogar Nähkurse abgesagt, noch bevor diese offiziell untersagt waren. Und das vor dem Hintergrund, dass dies eine immense finanzielle und zum Teil auch psychische Belastung für die Betroffenen darstellt. Dies zeugt von Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein, aber auch Flexibilität und Kreativität. Zudem haben Vorstände durchweg schnell reagiert und ihre Vereinstätigkeiten eingestellt. Bei den Mitgliedern hat dies meines Wissens nach nicht zu übermäßigem Unmut geführt.

JL: Gibt es kreative Lösungen oder spontane Hilfsaktionen?

Dennis Diehl: Seitens der Gemeinde haben wir schnell reagiert und ein Versorgungstelefon eingerichtet und organisieren Einkäufe für  Angehörige der Risikogruppe. Dank der Hilfe von freiwilligen Verteilern haben wir Zornheimer es geschafft, innerhalb weniger Stunden alle ca. 2000 Haushalte durch eine Hauswurfsendung über die Situation und die Versorgungsleitung zu informieren. Auch wenn ich uns als Dorfgemeinschaft generell viel zutraue, hat mich diese spontane Bereitschaft, verstanden auch noch als Selbstverständlichkeit, sehr beeindruckt. Ähnliche Angebote sind auch von Vereinen ins Leben gerufen worden. Im Netz haben sich Verbandsgemeindeweit ebenfalls schnell ähnliche Angebote finden lassen. Darüber hinaus sammeln einige fleißige Helferinnen und Helfer Stoffe, aus denen wiederum andere Freiwillige Schutzmasken nähen. Diese werden gesammelt und zunächst an Arztpraxen und Apotheken verteilt, womöglich auch bald an alle Haushalte. All diese Maßnahmen sind nur darauf ausgerichtet, das Infektionsrisiko zu minimieren. Man kann also durchaus sagen, wir haben verstanden und viele leisten einen wertvollen Beitrag, auch indem sie einfach nur zuhause bleiben.

JL: Vielen Dank für das Interview! 

 

Das Interview führte Natacha Olbrich