LAUBENHEIM – Dreieinhalb Wochen voller neuer Herausforderungen, Improvisation und schöner Erkenntnisse. Dreieinhalb Wochen war die Schule vor den Osterferien geschlossen.

Als Klassenlehrerin einer vierten Klasse konnte ich bei der neuartigen Form von Unterricht auf ein in meiner Klasse bekanntes Format, den Wochenplan, zurückgreifen. Trotzdem musste ich plötzlich das Pensum, den Anspruch und die Arbeitsweise von einer ganz anderen Perspektive her denken: Wie können die Kinder möglichst alleine, sowohl organisatorisch als auch inhaltlich, mit meinen Materialien zuhause arbeiten?

Neben der Tatsache, dass sämtliche Sozialformen von Partner- bis Gruppenarbeit oder bereits das „Sich-Gegenseitig-Mal-Schnell-Helfen“ komplett wegfielen, stand ich vor dem Problem, dass die Aufgaben für das ein oder andere Kind zu wenig oder zu leicht, für ein anderes zu viel oder zu schwer sein würden. Dies konnte ich nur bedingt mit individuell angepassten Wochenplänen abfangen. Denn die direkte Einsicht in das Arbeiten der Kinder, wie sie mit bestimmten Aufgaben zurechtkommen, wie viel sie nachfragen müssen, wie schnell sie arbeiten – all diese Eindrücke, an die ich sonst täglich meinen Unterricht und mein Material anpassen kann, fehlten gänzlich. So wurde mir nochmal deutlich vor Augen geführt, dass das Face-to-face-Unterrichten, sowohl zwischen mir und den Kindern, als auch der Kinder untereinander, nicht zu ersetzen ist.

Denn im Unterricht unterstützen sich die Kinder häufig gegenseitig und helfen sich mit wertvollen Tipps. Im Klassenzimmer sehe ich die Kinder beim Lernen und kann so viel individueller auf sie eingehen und auch von mir aus Unterstützung einleiten, ohne abwarten zu müssen, bis sich Kinder oder Eltern von zuhause aus der größten Not melden. Die derzeit diskutierten digitalen Angebote können in der jetzigen Situation einige Vorteile bieten, doch ich bin mir sicher, die Qualitäten des Face-to-face-Unterrichtens kann keine digitale Alternative ersetzen.

Was auch neu und ungewohnt war: Die vermehrten Telefonate und Mails und somit viele Eins-zu-Eins-Gespräche mit Kolleginnen, Eltern und Kindern. Nachdem sich hier die Kommunikationswege erstmal eingegroovt hatten, stellte ich fest, wie viele wertvolle Gespräche und schöne Mails plötzlich meinen neuen Arbeitsalltag füllten. Kinder berichteten mir in Briefen und E-Mails aus ihrem Alltag, auf die ich („dank“ Corona) mit viel Ruhe und Zeit antworten konnte. Beziehungsarbeit wurde so auf eine neue, ungewohnte Art trotzdem möglich. Die Chance, mich mit Ruhe und Zeit, ohne den sonst gewohnten Schulalltags-Trubel, den einzelnen Kindern zu widmen, habe ich in den vergangenen Wochen sehr geschätzt.

Einen dritten, sehr schönen Aspekt hat Corona noch zum Vorschein gebracht. Zu erleben, wie sich Eltern innerhalb der Klassen, aber auch über Klassen- und Stufengrenzen hinweg unterstützen, Materialien füreinander ausdrucken oder in der Schule abholen und vorbeibringen, wie Kolleginnen ihre Zusammenarbeit intensivieren und sich gegenseitig mit Tipps und Ideen für das Lernen zuhause unterstützen – all das zeigt den guten Zusammenhalt als eine große Stärke unserer Schulgemeinschaft. Getreu dem Motto der Laubenheimer Grundschule „Gemeinsam Schule Leben“, konnte ich in den vergangenen Wochen meiner Arbeit in dem Vertrauen nachgehen, dass Schule und Eltern in Laubenheim so schnell nicht unterzukriegen sind.  Und das lässt mich – Corona hin oder her – sehr positiv in die Zukunft blicken!

Text von Annika Skala, Lehrerin an der Grundschule Mainz-Laubenheim